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Die Recken haben Revanche bekommen

Die MT Melsungen konnte heute Zuhause die Recken des TSV Hannover-Burgdorf (17.06.21) nicht bezwingen. Unser Bild zeigt eine Szene mit Julius Kühn gegen Ilija Brozovic. Foto: Alibek Käsler
Die MT Melsungen konnte heute Zuhause die Recken des TSV Hannover-Burgdorf (17.06.21) nicht bezwingen. Unser Bild zeigt eine Szene mit Julius Kühn gegen Ilija Brozovic. Foto: Alibek Käsler

Kassel. Die MT Melsungen hat die von den Recken als Pokal-Revanche avisierte Ligapartie gegen die TSV Hannover-Burgdorf mit 20:28 (10:12) verloren.

Schon früh der vorentscheidende Rückstand

Vor abermals leeren Rängen in der Kasseler Rothenbach-Halle gerieten die Nordhessen nach ausgeglichenem Beginn kurz nach der Mitte der ersten Hälfte ins Hintertreffen und liefen lange knapp hinterher, ohne jedoch noch einmal auf Gleichstand zu kommen. Mit den ersten Zeitstrafen geriet Melsungen aus dem Tritt und in Unterzahl prompt vorentscheidend in Rückstand, der nicht mehr aufgeholt werden konnte. Hannover hatte im ersten Durchgang in Ivan Martinovic den überragenden Spieler auf dem Feld, der bis zur Pause sieben seiner insgesamt acht Tore erzielte. Für die MT waren Felix Danner, Timo Kastening und Julius Kühn je viermal erfolgreich.

Gäste suchten forsch den Zweikampf

Keine Überraschung gab es diesmal in der Startaufstellung der MT, die in Bestbesetzung auflaufen konnte. Das galt – bis auf eine Position – auch für die Niedersachsen, bei denen nur Alfred Jönsson fehlte. Die Voraussetzungen für eine gutklassige Partie waren also gegeben und fanden in den Anfangsminuten auch ihre Bestätigung. Insbesondere die Deckungsreihen standen sicher, so dass Ideen gefragt waren, um die Riegel zu knacken. Das gelang den Gästen zunächst besser, die forsch die Zweikämpfe suchten und, wenn sie schon nicht zum Abschluss kamen, immer noch den Freiwurf oder in zwei Fällen sogar den Siebenmeter bekamen. Das bescherte der TSV nach sieben Minuten eine 3:2-Führung.

Burgdorfer Deckung stand stabil

Melsungen war also nicht nur spieltechnisch, sondern vor allem auch mental gefordert, den Gegner nicht schon früh wegziehen zu lassen. Denn Fehler im Abschluss leisteten sich die kaum. Als besonders motiviert und hellwach erwies sich Silvio Heinevetter, als er einen langen Gegenstoßpass „roch“ und das Leder fast an der Mittellinie abfing. Es war die Vorarbeit zum 3:3 durch Timo Kastening, der fast ohne Winkel per Aufsetzer erfolgreich war. Doch ausgerechnet der 2022er-Neuzugang der MT, Ivan Martinovic, bewies Klasse. Zum vierten Mal war der Linkshänder bereits erfolgreich, als er sein Team beim 5:3 erstmals mit zwei Toren nach vorn warf (9.).

Ähnlich stark auf Seiten der Gastgeber war Domagoj Pavlovic. Mit weniger eigenen Torerfolgen zwar, aber dafür immer wieder mit guten Ideen, wie der stabilen Burgdorfer Deckung beizukommen war. Einen machte er selbst, einen bereitete er vor und einmal bewies Tobias Reichmann Nervenstärke von der Siebenmeterlinie: Melsungen übernahm mit 6:5 die Führung (14.), weil dazwischen zweimal Fabian Böhm falsch visierte und das Tor verfehlte. Am generellen Spielablauf hatte sich indes nichts geändert. Weiter waren es die Abwehrreihen, die herausragten. Es brauchte schon besondere Aktionen wie Timo Kastenings Einläufer zum Kreis beim 7:6 (19.).

Wurfgewaltiger Linkshänder

Je länger die Partie dauerte, umso klarer wurde Hannovers Strategie. Die hieß ganz einfach Martinovic, denn der Kroate traf fast, wie er wollte. Oder anders: Die TSV spielte ihre Angriffe so lange aus, bis ihr wurfgewaltiger Linkshänder irgendwie und irgendwo eine Lücke erspähte. Von ihm kam der Doppelschlag zum 7:8 (21.) und der Ausbau auf 8:10 (26.). Dass er zwischendurch einen Strafwurf neben das Tor setzte, war zu verschmerzen. Denn auf der Gegenseite brachte Yves Kunkel den Ball völlig frei und mit gutem Winkel ebenso wenig an Urban Lesjak vorbei wie kurz darauf Finn Lemke unbedrängt vom Kreis. Dass es auch zur Pause bei diesen zwei Toren Rückstand blieb, verdankte die MT Sekunden vor der Sirene der Einzelleistung ihres Auffälligsten im ersten Durchgang: Domagoj Pavlovic.

Tore waren Fehlanzeige

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es zäh. Für die Schützen. Einmal tankte sich Fabian Böhm durch, einmal griff sich Felix Danner gedankenschnell einen Abpraller und lochte ein. Ansonsten scheiterte Julius Kühn gleich dreimal an Urbal Lesjak und auch Evgeni Pevnov fand im bereits kurz vor der Pause gekommenen Nebojsa Simic seinen Meister. Ansonsten arbeitete sich Hannover vorn an der Melsunger Deckung ab und hatte hinten Lesjak als Rückhalt, der sich auch von Timo Kastening nicht überwinden ließ. Zu allem Überfluss setzte Tobias Reichmann einen Siebenmeter neben das Tor. Allein Danner vermochte das Leder noch einmal in den Maschen unterzubringen, ansonsten waren Tore Fehlanzeige (12:13, 36.).

Es war kein Kapital zu schlagen

Hannover wechselte durch und hatte mit frischen Kräften plötzlich deutliche Vorteile. Vor allem, weil Veit Mävers viel Zug zum Tor entwickelte und prompt zweimal traf. Sicher begünstigt von der ersten Zeitstrafe der Partie gegen Felix Danner, ebenso wie Johan Hansen von der Überzahl profitierte und auf 13:16 stellte (39.). Auch Vincent Büchner musste runter, allerdings ohne dass die MT ähnlich Kapital schlagen konnte. Hannover behielt mit dem Vorsprung im Rücken die Ruhe und baute weiter aus: der zurückgekehrte Büchner erhöhte auf 14:18, während Lasse Mikkelsen eine Strafe absaß (44.). Über Tore von Felix Danner und Timo Kastening robbte die MT wieder leicht heran, hatte aber mit der nächsten Zeitstrafe gegen Finn Lemke auch gleich den nächsten Rucksack zu tragen.

Den Gastgebern wollte nichts mehr gelingen

Es reichte einfach nicht zum direkten Anschluss, der vielleicht noch einmal Kräfte hätte freisetzen können. Im Gegenteil schlug Hannovers Jugend zu. Veit Mävers traf, Vincent Büchner traf, Martin Hanne traf. Da nutzte auch die auf eine 5:1-Formation umgestellte offensivere MT-Deckung nichts. Acht Minuten vor Schluss waren es wieder vier Rückstand, gar sechs nach Büchners Lauf auf das leere Tor der Melsunger, als Simic einem weiteren Feldspieler Platz gemacht hatte (19:25, 55.). Natürlich die Vorentscheidung, denn fortan klappte nicht mehr viel bei den Gastgebern. Die Fehlpässe häuften sich und es war vornehmlich Simic zu verdanken, dass die Niederlage letztlich nicht noch höher ausfiel als minus acht, auf die Veit Mävers Sekunden vor dem Abpfiff ausbaute.

Stimmen zum Spiel

Gudmundur Gudmundsson: „Glückwunsch an Carlos und die TSV zum Sieg. Ich bin sehr enttäuscht mit der Art und Weise, wie wir heute verloren haben. Wir haben in der Abwehr gut gespielt, hatten aber vorn zu viele Fehlwürfe. Auch in der zweiten Halbzeit waren wir lange dabei, obwohl Hannover teilweise mit bis zu drei Toren geführt hat. Und plötzlich lief uns dann alles weg. Insgesamt 18 Fehlwürfe und elf technische Fehler sind viel zu viel. Aber wir sind im Moment einfach nicht besser. Wir sind sehr enttäuscht von unserer Leistung und die Niederlage tut sehr weh. Wir haben jetzt noch drei Spiele zu spielen und ich hoffe auf eine Reaktion der Mannschaft.“

Carlos Ortega: „Es war eine sehr lange Saison bis hierher. Alle Mannschaften sind müde und sehnen sich nach dem Ende der Saison. Ich glaube, wir waren heute vielleicht etwas frischer. Beide Mannschaften waren am Anfang gut, aber wir hatten gerade in der ersten Halbzeit den besseren Torhüter.“

MT Melsungen – TSV Hannover-Burgdorf 20:28 (10:12)

MT Melsungen: Heinevetter (1 Parade / 10 Gegentore), Simic (7 P. / 18 G.); Maric 1, Kühn 4, Lemke, Reichmann 2/2, Kunkel, Mikkelsen, Danner 4, Arnarsson, Allendorf 1, Pregler, Häfner, Salger 1, Kastening 4, Pavlovic 3 – Trainer Gudmundur Gudmundsson.

TSV Hannover-B.: Lesjak (11 P. / 20 G.), Ebner (n. e.); Cehte, Kuzmanovski 1, Martinovic 8/3, Mävers 4, Hansen 4/1, Juric, Pevnov 1, Böhm 2, Krone, Donker, Hanne 3, Brozovic 2, Feise, Büchner 3 – Trainer Carlos Ortega.

Schiedsrichter: Marcus Hurst (Berlin) / Mirko Krag (Frankfurt)

Zeitstrafen: 8 – 4 (Danner 37:07, Mikkelsen 41:57, Lemke 45:14, Pavlovic 53:30 – Büchner 39:27, Feise 52:25)

Strafwürfe: 3/2 – 5/4 (Martinovic neben das Tor 21:53, Reichmann neben das Tor 35:52)

Spielort: Rothenbach-Halle Kassel, ohne Zuschauer

Die beiden nächsten Spiele:
○ So., 20.06.21, 16:00 Uhr, TBV Lemgo Lippe – MT Melsungen, Phoenix Contact Arena Lemgo
○ Mi., 23.06.21, 19:00 Uhr, MT Melsungen – Füchse Berlin, Rothenbach-Halle Kassel

(red)



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Ein Kommentar zu “Die Recken haben Revanche bekommen”

  1. Alwin Wagner

    Nach den Pleiten gegen Flensburg-Handewitt und bei den Rhein-Neckar Löwen, gab es auch ein Debakel gegen Hannover.

    Vor jedem Spiel will man uns Fans weismachen, dass wir Tempohandball („60 Minuten Vollgas), Leidenschaft und Kampfgeist erleben werden. Aber das Gegenteil ist meistens der Fall: keine Abwehr, kein konzentrierter Angriff mit guten Abschlüssen, viele technische Fehler und keine Körpersprache. Der glücklose Trainer behauptet vor jedem Spiel: „Wir werden versuchen, einen guten Ball zu spielen, die Abwehr noch enger zu machen und selber aufs Tempo zu drücken, um auch möglichst einfache Tore zu erzielen“. Nach dem Rauswurf von Heiko Grimm sehe ich keine Verbesserungen im Melsunger Spiel.

    Selbst als Laie erkenne ich, dass die MT verlernt hat, einen schnellen Ball sowohl im Umschaltspiel als auch im Positionsangriff zu spielen. Während bei den Spitzenvereinen der Ball perfekt läuft und jeder weiß, was er machen muss, müssen wir immer wieder Lehrgeld zahlen, weil wir in der Abwehr viel zu offen sind und nicht richtig zupacken. Vorne spielt man einen Standhandball und produziert zu viele Fehler. Noch vor dem Spiel gegen Hannover sagte Michael Allendorf: „Wir wollen beweisen, dass wir besser als Hannover sind“. Das Ergebnis war: eine Mannschaft, die noch Angst haben musste, in den Abstiegsstrudel zu kommen, deklassierte zum Schluss die lustlosen Melsunger, die vor der Saison angetreten sind, um ein Jahr später in Europa zu spielen.

    Ich bin gespannt, wann endlich die Verantwortlichen in Melsungen reagieren.


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