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WANDELrat-Treffen in der Krone

Homberg (Efze). Bürgermeister Dr. Nico Ritz und der städtische Fachbereichsleiter für Wirtschaft/Stadtentwicklung/Tourismus, Markus Staedt, begrüßten den WANDELrat Mitte März im Kulturzentrum Krone. Ritz führte in das Projekt »Kleinstadt im Wandel« ein und unterstrich die Bedeutung des WANDELrats als beratendes Gremium für Transformationsthemen.

Bürgermeister Dr. Nico Ritz (Mitte) auf Besichtigungsrundgang mit dem WANDELrat. Foto: Patrick Pfaff

Bürgermeister Dr. Nico Ritz (Mitte) auf Besichtigungsrundgang mit dem WANDELrat. Foto: Patrick Pfaff

Mutig und innovativ

Homberg sei mit drei weiteren Städten ausgewählt worden, um Wandelthemen zu untersuchen. Homberg als kleinste Kommune dieser vier komme dabei die Rolle eines Modellprojektes zu, das den Wandel als Instrument der Stadtentwicklung und der Transformation untersucht und einsetzt. Der WANDELrat hinterfragt die Sachverhalte und begleitet den Transformationsprozess.

Stadtforscher Stephan Willinger, vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt-und Raumforschung (BBSR): „Wir beschäftigen uns mit der Transformation als Daueraufgabe und der Frage: Wie kann man dieses Thema dauerhaft in die Stadtentwicklungspolitik einbauen? Beteiligungsprozesse und Stadtplanung sollen gut ineinandergreifen. Es ist toll, dass sich Homberg als Kleinstadt beraten lässt und sich als Wandelstadt bezeichnet. Den WANDELrat gibt es als neuen Weg bisher nur in Homberg. Die Stadt Homberg ist dabei mutig und innovativ.“

Und so beschäftigten sich der WANDELrat in der mehrstündigen Tagung mit Visionen und Themen der Stadtentwicklung. Moderiert wurde die Zusammenkunft von Claus Peter Müller von der Grün.

Als Grundlage dieses Diskurses diente ein anschaulicher Spaziergang zu den Orten des Wandels und der Ausstellung »Busbahnhof & MachWerk – unsere Orte«. Dabei wurden erste Fragestellungen und Handlungsfelder erörtert.

Altstadt als »lebendiger Kiez«

Im Gespräch in der Krone am folgenden Tag kam die Frage auf, ob es ein offensichtliches Problem in der Stadt gibt. Bürgermeister Ritz antwortete: „Ein Problem gibt es so gar nicht, aber Herausforderungen mit dem demografischen Wandel und der Stadtstruktur, denn die Innenstadt hat Kunden, Einwohner und Funktionen verloren. Es gab früher Fehlentscheidungen zugunsten eines Einkaufszentrums am Stadtrand. Dort gab es mehr Handelsfläche als in der Innenstadt. Mit Abzug der Bundeswehr und ihren 3.000 Soldaten ging ein Kaufkraftverlust einher, welchen die Stadt nicht verarbeiten konnte.“ Zusätzlich hat die Stadt die Standorte für ein Krankenhaus und das Amtsgericht verloren. Dabei habe sich die Meinung in der Bürgerschaft verstärkt, dass Homberg alles verliere.

Der WANDELrat und einige ausgewiesene wissenschaftliche Experten trafen sich zu einer ersten Sitzung im Kulturzentrum Krone. Foto: Patrick Pfaff

Der WANDELrat und einige ausgewiesene wissenschaftliche Experten trafen sich zu einer ersten Sitzung im Kulturzentrum Krone. Foto: Patrick Pfaff

Markus Staedt: „Homberg hat in den nächsten zehn Jahren einen erhöhten Sanierungsbedarf.“ Dafür müsse man Akzeptanz in der Bevölkerung finden und auch junge Menschen zurückholen. Das sei eine komplexe Aufgabe. Eine Vision sei, dass die Altstadt zu einem »lebendigen Kiez« entwickelt wird. „Hierfür ist das Gremium ›WANDELrat‹ enorm wichtig, um einen fachlichen Dialog zur Stadtentwicklung zu führen, damit wir auch alles berücksichtigen können.“

Christiane Varga, Zukunftsforscherin und Soziologin aus Wien: „Ich finde die Idee grandios. Es geht darum, keinen starren Strategieplan zu haben, sondern offen zu sein und die Identitätsfrage zu klären. Was die Stadt ausmacht, ist ihre Identität.“ Es sei wichtig, dritte Orte der Begegnung zu bespielen, z.B. das MachWerk, den Marktplatz, die Stadtmauer mit Blick auf die Feuerwache.

Karin Haist, Demografie-Expertin der Hamburger Körber Stiftung: „Eine Stadt für jedes Lebensalter sollte entstehen. Das soziale Miteinander sollte gestärkt werden und man sollte die Babyboomer-Generation in die Stadt einladen. Das sind Neu-Rentner voller Tatendrang.“

Prof. Dr. Marc Kirschbaum, Professor für Geschichte, Theorie und Zukunft von Architektur und Stadt sowie Entwerfen an der SRH Hochschule Heidelberg: „Wichtig ist die strategische Frage: Wie kann ich welche Akteure erreichen?“ Und man solle das touristische Angebot mit dem Wandelpfad-Thema ausbauen und die Übernachtungsressourcen bedarfsorientiert erhöhen.

Dr. Roland Löffler, Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden: „In Homberg passiert etwas. Dabei ist es für eine stabile demokratische Entwicklung wichtig, ein solides Angebot der Daseinsvorsorge zu machen, damit alle merken: ‚Es kümmert sich jemand um uns.‘“

Dr. Ines Wilkens, Regionalberaterin für Energiekonzepte, Klimaschutz und kommunale Wärmeplanung der Landesenergieagentur LEA Hessen: „Wichtig ist, dass Bürgern eine preisgünstige Wärmeversorgung verlässlich geliefert wird.“

Die Frage, welches konkrete Projekt der WANDELrat von März bis Oktober beratend begleiten möchte, wurde einstimmig beantwortet: das Mikroquartier Zaubergarten in der Untergasse.

Verschiedene Aspekte kommen zusammen:

→ Das Mikro-Quartier liegt in der Altstadt.
→ Verschiedene Akteure können miteinander ins Gespräch kommen (Schulen THS und EKS, das Jugendzentrum, die Stadtgesellschaft, die Verwaltung u.v.a.), wie sie das Quartier und die Räume gemeinsam und mit welchen Aktionen entwickeln möchten. Dabei überzeugten den WANDELrat wohl auch das Engagement und der Sachverstand der Schüler, den sie mit der Ausstellung im KOCHS bewiesen.
→ Man könnte zu einer Zukunftswerkstatt einladen und sich auch über einen außerschulischen Lernort im Zaubergarten verständigen.
→ Jeder im WANDELrat könnte Pate für eine Idee oder ein Thema sein.

Die Frage, die die Bürger leiten sollte wäre laut Stephan Willinger: „Was kann ich als Bürger für meine Stadt tun? Und nicht der Bürgermeister sei hauptsächlich verantwortlich für den Stadtentwicklungsprozess, sondern die Stadtgesellschaft.“

Bürgermeister Ritz sagte abschließend, er freue sich auf die gemeinsamen Herausforderungen und blicke optimistisch in die nahe Zukunft. „Mit dem Förderprogramm ›Sozialer Zusammenhalt‹ haben wir als Stadt aktuell die Möglichkeit, Projekte im Bereich der südlichen Altstadt umzusetzen. Wir verfügen damit über konkretes Realisierungspotential“.

Uwe Dittmer, Stadt Homberg (Efze)
red



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