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Die Diagnostik auf dem Seziertisch

Heilpädagogik-Tagung lockte rund 90 Zuhörer in den Hephata-Kirchsaal

Schwalmstadt-Treysa. Ich sehe was, was Du nicht siehst. Tagungen sind nicht zum Spielen da. Und doch eröffnete Volker Grunwald, Dozent der Fachschule für Heilpädagogik an der Hephata-Akademie für soziale Berufe, die Fachtagung seines Bereiches am vergangenen Montag mit einem solchen. Schnell wurde klar: Jeder sieht bei ein und der selben Sache etwas anderes. Und schon waren die Zuhörer mittendrin in der Thematik „Heilpädagogische Diagnostik – Aufgaben, Grenzen, Perspektiven“.

„Ich sehe was, was Du nicht siehst“ mache ein Grundproblem aller diagnostischen Verfahren deutlich, sagte Volker Grunwald zur Eröffnung der Tagung. Zwar sei die Diagnostik das Handwerkszeug eines jeden Pädagogen, es ginge dabei aber auch immer um die Zweifel an der eigenen und an der Wahrnehmung anderer Menschen. Zumal sich in den vergangenen Jahren in der Heilpädagogik die Tendenz abgezeichnet habe, die Aufmerksamkeit mehr auf die Fähigkeiten und Wünsche der Menschen, als auf ihre diagnostizierten Unzulänglichkeiten zu richten. Die Diagnostik auf dem Seziertisch – welche Stellung kommt ihr noch zu? Dieser und anderen Fragen nachzugehen, war Ziel des Fachtages. Die Tagung fand bereits zum vierten Mal, zum ersten Mal aber in Kooperation mit dem Berufs- und Fachverband Heilpädagogik statt. Rund 90 Kollegen, ehemalige und aktuelle Studierende, sowie anderweitig Interessierte hatten dafür am vergangenen Montag in den Hephata Kirchsaal gefunden.

Ulrich Niehoff, Diplom-Pädagoge von der Bundesvereinigung Lebenshilfe Marburg, trat mit seinem Vortrag „Diagnostik – Menschenbild – Zukunftsplanung: eine kritische Annäherung“, speziell bei der Begleitung von Menschen mit Behinderungen für einen verhaltenen Umgang mit Diagnostik ein. Denn diese sei laut Wörterbuch vornehmlich die Fähigkeit und Lehre, Krankheiten zu erkennen. Nicht aber die Lehre zu erkennen, was einen Menschen im Positiven ausmache. Niehoff stellte der Diagnostik mit „Gut Leben“ ein neues Konzept der Zukunftsplanung für Menschen mit Behinderungen entgegen. Schlüsselwörter hierbei sind ein Idee- und Beschwerdemanagement, Bewohnerbefragungen und eine persönliche Zukunftsplanung der Betroffenen.

Eine andere Einstellung gegenüber der Diagnostik vertrat Michael Wendler, Diplom-Motologe und Professor für Didaktik und Methodik der Heilpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Bochum. Er befasst sich mit der psychomotorischen Förderung von Kindern, bei der die Diagnostik eine entscheidende Stellung einnimmt. „Schau genau hin! – Von der Diagnostik zur Förderung“, lautete der Titel seines Vortrags, in dem er für die Diagnostik als Grundlage einer gezielten Förderung eintrat. Ihm ging es dabei um die positiven Aspekte, die eine Förderdiagnostik habe, nicht aber um das Betonen von Defiziten. Anhand von Film-Ausschnitten, unter anderem aus einem John-Wayne-Western, versuchte Wendler dem Publikum seine Thesen anschaulich zu machen: Welche Schlüsse lassen sich aus welchen Beobachtungen ziehen? Zudem zeigte Wendler auf, welche Formen von Diagnostik in Spiel- und Bewegungsbeobachtung denkbar sind.

Den beiden Vorträgen schlossen sich am Nachmittag vier Workshops an. Wobei die beiden zu „Psychische Störungen verstehen – Übertragung und Gegenübertragung als Hilfsmittel in der Diagnostik“ und „Handeln – Sprechen – Schreiben – ein Bildungskonzept zur Einführung und Begleitung des Schriftspracherwerbs“ die meisten Zuhörer hatten. „Die Fachtagung soll eine regelmäßige Veranstaltung in Kooperation mit dem Berufsverband bleiben“, sagte Volker Grundwald zum Abschluss. Bereits bei der Ende des Jahres anstehenden Konferenz des Berufsverbandes in Fulda werde es unter anderem um die Planungen für die Tagung im kommenden Jahr in Hephata gehen. (me)



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