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Gesamtkonvent Hephata: Die richtige Prise Salz

wilhelm-gräbSchwalmstadt-Treysa. „Die Kirche als Gesellschaftskirche ist eine Kirche manifest in der Krise. Aber: Für die Mitgliederrückgänge sind nicht ein abnehmendes religiöses Interesse und die Geringschätzung der kirchlichen und diakonischen Arbeit verantwortlich“. Diese beiden Sätze bildeten das Gerüst von Prof. Dr. Wilhelm Gräbs Impulsreferat am vergangenen Freitag im Saal der Hephata-Kirche. Gräb war als Gastredner zum Gesamtkonvent der Diakonischen Gemeinschaft Hephata vom 24. bis 27. September geladen.

Rund 170 Mitglieder der Gemeinschaft, Studierende und anderweitig Interessierte waren am vergangenen Freitag zum öffentlichen Thementag des Gesamtkonventes gekommen, um Gräbs Worten zu lauschen. Der Direktor des Instituts für Religionssoziologie und Gemeindeaufbau an der Humboldt-Universität Berlin referierte zum Thema „Unser christlicher Glaube – Salz der Erde. Nur privat oder gesellschaftlich wirksam“. Er beschönigte nichts: „Die Zahlen sind erschreckend“. Im Zeitraum von 1964 bis 2006 sei in Gesamtdeutschland die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder von knapp 40 Millionen auf zirka 25 Millionen gesunken. In jedem Jahr erlebten die evangelischen Kirchen einen Rückgang von Mitgliedszahlen, die denen von 150 durchschnittlich großen Kirchengemeinden entsprechen: „Die Zahlen sprechen für eine rapide abnehmende Attraktivität der Kirche in der Gesellschaft. Vielen Menschen scheint in ihrem Leben nichts zu fehlen, wenn sie aus der Kirche austreten“. Trotzdem verliere die Volkskirche nicht ihre Bedeutung: „Die Kirche steht trotz rückläufiger Mitgliedschaftszahlen weiterhin für die gesellschaftliche Allgemeinheit des Christentums ein. Die Kirche steht dafür ein, dass in unserer Gesellschaft die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt“.

Was dann?
Doch was bedeuten die Kirchenaustritte dann? Gräb bezeichnete sie nur zu einem geringen Teil als Resultat eines Abfalls vom christlichen Glauben. Finanzielle Dinge, wie das Kirchensteuersystem, spielten eine wichtigere Rolle und die schwachen sozialen Bindungsansätze der protestantischen Kirche. Die mangelnde Partizipation am normalen Gottesdienst, das verbreitete Desinteresse am kirchlichen Leben und an kirchlicher Gemeinschaft gehören gewissermaßen zu den kennzeichnenden Merkmalen des deutschen und europäischen Protestantismus. Kirchen müsse dem zufolge andere Wege einschlagen.“Die Kirchen stehen schlicht nicht energisch genug zu der von ihnen faktisch praktizierten Offenheit, Reflexivität, Toleranz und gesellschaftsöffentlichen, diakonischen Verpflichtung“. Und Gräb weiter: „Es müssen nicht alle auf dieselbe Weise ihr Christsein verstehen und leben“. So kam er in Rückbezug auf den Titel seines Referates zu dem Fazit: „Eine versalzene Suppe schmeckt nicht, auf das Verhältnis kommt es an“. Dieses herauszufinden, machten sich dann die Mitglieder und Gäste am Freitagnachmittag auf den Weg, als sie in acht Arbeitsgruppen sich zum Thema informierten und mit einander diskutierten.

gerhard-mauch2Resolution verabschiedet
Der darauffolgende Samstag stand als Berichts- und Verhandlungstag ausschließlich den Mitgliedern des Gesamtkonventes offen. 110 waren gekommen, um neben dem Bericht des Vorstandes und des Kassenprüfbereichtes auch sozialpolitische Themen zu diskutieren. Unter anderem verabschiedeten sie ohne Gegenstimmen eine Resolution zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und einer friedlichen Lösung der Konflikte, die dem „Verband Evangelischer Diakonen-, Diakoninnen und Diakonatsgemeinschaften in Deutschland (VEDD)“, der Evangelischen Kirche und den Fraktionsvorsitzenden im Bundestag vorgelegt werden soll. Sonntag, der letzte Veranstaltungstag des viertägigen Gesamtkonventes, stand dann ganz im Zeichen der Einsegnung von zehn Frauen und Männern in das Amt als Diakonin oder Diakon. Sie alle sind Absolventen der Hephata-Akademie für soziale Berufe. Zum Fest- und Einsegnungsgottesdienst in der Hephata-Kirche waren 225 Menschen erschienen. Prälatin Roswitha Alterhoff segnete die neuen Diakoninnen und Diakone ein. Drei von ihnen sind Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft, zwei traten in das einjährige Gastverhältnis der Gemeinschaft ein. „Es gab eine hohe Zufriedenheit mit dem Programm des Gesamtkonventes. Wir freuen uns bereits auf den nächsten Gesamtkonvent im September 2010“, so Geschäftsführer Diakon Gerhard Mauch. (me)



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