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Kugelstoßwettbewerb um den Dr. Friedrich-Stracke-Pokal

Der große Sieger von Melsungen heißt Tobias Hepperle vom VfB Stuttgart

Melsungen. Bei der dritten Kugelstoß-Auflage um den Dr. Friedrich-Stracke-Pokal gaben sich Senioren-Weltmeister, deutsche Meister und viele aktuelle Landesmeister im Melsunger Waldstadion ein Stelldichein. Die 14,05 Meter der Titelverteidigerin Meike Naumann (TSV Frankenberg), die bei den deutschen Meisterschaften in Kassel bei den Frauen einen sehr guten fünften Platz belegt hatte, reichte in diesem Jahr nur noch für Rang zwölf.  Der A-Jugendliche Lukas Bangert (LG Reinhardswald) qualifizierte sich mit seinem letzten Stoß von 14,25 Meter als Zehnter für das Kugelstoßfinale. Im Qualifikationswettkampf stellte Herbert Wahler (MT Melsungen) als ältester Teilnehmer einen neuen hessischen Rekord auf.  Der 90-jährige stieß die drei Kilogramm-Kugel auf 7,67 Meter und verbesserte die acht Jahre alte  Bestleistung von Heinrich Busch (VfR Limburg) um 1,17 Meter.

Wieder hatten sich fast 300 Zuschauer zum Finale der TOP-TEN eingefunden, als der 16-jährige Tobias Reinhard von der LG Ohra-Hörselgas, in diesem Jahr bereits 15,40 Meter und mit 14,39 Meter für dieses Finale qualifiziert, bereits zum Auftakt gleich zweimal an der ersten Weite von 13,50 Meter scheiterte.  Lukas Bangert blieb bei 14 Meter hängen und belegte damit den neunten Platz.
Bei Oliver Rohwer aus Lübeck stimmte an diesem Abend überhaupt nichts. Der Senioren-Weltmeister von Sacramento war mit einer Jahresbestweite von 16,50 Meter nach Melsungen angereist,  scheiterte zweimal beim Versuch, den Balken bei 15 Meter zu überstoßen und landete nur auf Rang acht. Beim Qualifikationswettbewerb eine Stunde vorher hatte er noch 15,77 Meter erzielt. „Ich hatte mir für Melsungen viel vorgenommen, aber beim Pokalstoßen war ich zu verkrampft“, sagte der mehrfache deutsche Seniorenmeister, „aber die Reise nach Melsungen hat sich dennoch gelohnt, denn hier merkte man, dass die Kugelstoßer im Mittelpunkt der Veranstaltung standen.  Auch die Zuschauer wurden durch die ausführlichen Informationen und kompetenten Ansagen von Moderator Alwin Wagner mit in den Wettkampf hineingenommen“, betonte Oliver nach der Siegerehrung im Festzelt.

Der B-Jugendliche Markus Schwerdtfeger aus Würzburg, der beim Einstoßen mit fast 17 Meter einen hervorragenden Eindruck hinterließ und im Qualifikationswettkampf 16,59 Meter erzielte, scheiterte zweimal an 15,50 Meter und landete auf Rang sieben.

Nicht ganz zufrieden war auch der hessische A-Jugendmeister Omid Bashary (LG Eintracht Frankfurt), der mit 17,52 Meter auf Rang acht in der DLV-Bestenliste geführt wird. Nachdem er im Qualifikationswettkampf 16,35 Meter vorgelegt hatte, blieb er bei beiden Stößen unter 16,50 Meter. Da er bereits bei 15,50 Meter einen Fehlversuch hatte, landete er nach der Fehlversuchsregel weitengleich hinter seinem Trainingspartner Mario Labisch und dem Bayerischen Juniorenmeister Joschua Deckert (LAZ Würzburg) auf Rang sechs.

Der Balken lag bereits bei 16,50 Meter als der A-Schüler Patrick Müller vom SC Neubrandenburg in den Wettkampf einstieg und die Kugel nach einem lockeren Standstoß hinter der 18 Meter-Marke landen ließ. Müller, der aufgrund seines Alters noch in der Schülerklasse starten darf, hatte am 5. August in Jena bei den deutschen B-Jugendmeisterschaften mit 17,85 Meter den Kugelstoßtitel gewonnen und in diesem Jahr die  vier Kilogramm-Kugel bereits auf 20,65 Meter  katapultiert. Auch sein gleichaltriger Trainingspartner Henning Prüfer (ebenfalls SC Neubrandenburg) hatte keine Schwierigkeiten, die 16,50 Meter zu überstoßen. Prüfer wurde in Jena deutscher B-Jugend-Vize-Meister im Diskuswerfen mit 54,88 Meter und reiste mit einer Kugelstoßbestleistung von 18,60 Meter nach Melsungen an.

Tobias Hepperle vom VfB Stuttgart hatte bei den deutschen Meisterschaften in Kassel als Sechster 18,33 Meter erzielt und nur um zwei Zentimeter den vierten Rang verpasst. In Melsungen hinterließ er beim Qualifikationswettkampf mit 17,89 Meter bereits einen guten Eindruck. Als der Balken auf der 17 Meter-Marke lag, wuchtete er die Kugel unter dem Beifall der fachkundigen Zuschauer fast 1,50 Meter weiter und setzte damit eine erste „Duftmarke“.

Patrick Müller konnte seinen ersten Versuch über 17 Meter nicht halten und musste noch einmal ran. Eigentlich kein Auftrag für den deutschen B-Jugendmeister, aber es kam, womit keiner gerechnet hatte:  Seine Nerven spielten ihm einen Streich,  denn die Kugel hatte bereits nach 16,50 Meter wieder Bodenkontakt.  Der große Favorit war ausgeschieden und konnte es kaum fassen. Dennoch wurde das große Wurftalent geehrt. Die Melsunger Stadträtin Ulrike Hund überreichte ihm für die Tagesbestleistung, die er beim Qualifikationswettkampf mit 19,92 Meter erzielt hatte, einen wertvollen Ehrenpreis.  „Ich war verkrampft, aber die Form stimmt“, betonte der 15-jährige DLV-Ranglisten-Erste. Dem jungen Neubrandenburger, dessen Mutter Ines Müller am 16. Mai 1988 in Athen die Kugel auf 21,57 Meter stieß, und die in der „ewigen Weltrangbestenliste immer noch Platz 13 einnimmt, gehört die Zukunft, denn auch mit seiner Diskusbestweite von 64,09 Meter zählt Patrick Müller zu den Weltbesten der U16.

Nach Müllers Ausscheiden drehte plötzlich Henning Prüfer auf. Der Balken lag bei 17,75 Meter, als der Zwei-Meter-Riese mit einem blitzsauberen gültigen Stoß die vier Kilogramm-Kugel über die 20 Meter lange Anlage wuchtete. 20,35 Meter wurden für seinen Stoß gemessen, aber diese Weite kann nicht für die Bestenliste gewertet werden, weil sie nicht in einem offiziellen Wettkampf erzielt wurde.

Wie würde nach diesem Superstoß Tobias Hepperle reagieren, fragten sich die Zuschauer, die dicht an der Anlage standen und mit Klatschen die beiden Athleten motivierten. Tobias Hepperle, der selbstbewusst auftrat, ließ keine Schwäche erkennen und schaffte es ebenfalls, die Kugel hinter dem Hindernis landen zu lassen. Der bisherige Meetingrekord von 16,25 Meter aus dem Jahr 2009 war längst übertroffen. Das Hindernis lag bei 18 Meter und  Henning Prüfer musste vorlegen. Erneut flog seine Kugel über die 20 Meter-Marke, aber diesen Stoß konnte er nicht halten. Er musste ungültig gegeben werden.

Auf diesen Fehler hatte Tobias Hepperle gewartet. Er explodierte förmlich bei seinem Abstoß und sein Schlussakkord hallte im Melsunger Waldstadion, das hell im Flutlicht erstrahlte.  Bei diesem technisch einwandfreien Stoß katapultierte er die Kugel einen Meter über den Balken. Beim Nachmessen stellte sich heraus, dass er mit 19,03 Meter so weit wie noch nie gestoßen hatte.

Henning Prüfer hatte noch eine Chance, aber  er musste alles auf eine Karte setzen. Aber er hatte keinen Trumpf mehr in der Tasche.  Wieder konnte sein Stoß nicht gültig gewertet werden, so dass Tobias Hepperle als Sieger aus diesem großen Wettkampf hervorging. Da strahlte auch sein Trainer Rolf Österreich, der in den 1970er Jahren einer der besten Kugelstoßer der Welt war. Aus politischen Gründen wurde ihm in der DDR sein Weltrekord verwehrt und damit eine große Karriere verbaut.  „Mit diesem Stoß hat Tobias gezeigt, was er drauf hat“, sagte Österreich und gratulierte seinem Schützling zu diesem großartigen Wettkampf.  Vielleicht kann Tobias Hepperle in zwei Jahren im Konzert der Großen bereits eine Rolle spielen.

Die beiden Schüler Müller und Prüfer aus Neubrandenburg, die als Mitfavoriten und Hoffnungsträger in diesen hochkarätigen und gelungenen Wettkampf gingen, werden Melsungen in guter Erinnerung behalten, denn sie wurden zum ersten Mal für ihre großartigen Leistungen mit Geldprämien ausgezeichnet.  Und Klaus Liedtke, der beste deutsche Senior aller Zeiten im Kugelstoßen und Diskuswerfen bedankte sich im Namen aller Athleten für diesen spannenden und beeindruckenden Wettkampf, auch wenn er nach langer Verletzungspause als 71-Jähriger mit 13,85 Meter sein Ziel, in das Finale zu kommen,  als 13. verpasst hatte. (ajw)



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