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MT souverän – Sanikis‘ Anspiele reif für’s Lehrbuch

Kassel/Melsungen. Mit einem überzeugend heraus gespielten und auch in dieser Höhe verdienten 28:19 (13:10) gegen den HBW Balingen-Weilstetten kletterte die MT Melsungen hinter dem THW Kiel auf Rang zwei der Tabelle. 1.843 Zuschauer feierten in der Kasseler Rothenbach-Halle den dritten klaren Sieg im dritten Heimspiel der Saison.

Vor allem in der Defensive lieferten die Hausherren erstklassige Arbeit ab. Das bekam gleich im ersten Angriff Alexandros Alvanos zu spüren, dessen einzig freie Wurflücke am Tor von Per Sandström vorbei führte. Auch in der Folgezeit ergänzten sich gerade Anton Mansson und Felix Danner im Mittelblock vorzüglich mit ihrem Keeper. Vorn räumten die beiden Youngster ab, den Außen zog Sandström frühzeitig den Zahn. Wie auch Fabian Gutbrod, der vergeblich versuchte den mit einem Nasenbeinbruch fehlenden Roland Schlinger auf Halblinks zu ersetzen. Gleich vier Würfe von ihm wurden in der Anfangsphase Beute des Schweden. Sehr zum Ärger seines Trainers, der statt der verlangten hohen Würfe nur Bälle in Richtung der unteren Ecken registrierte. Auf der Seite gegenüber zielten Michael Allendorf, Alexandros Vasilakis und Patrik Fahlgren, der gleich zweimal traf, wesentlich besser. 4:1 hieß es nach siebeneinhalb Minuten. Zwei weiteren Treffern von Grigorios Sanikis und Alex Vasilakis versagten die Unparteiischen die Anerkennung, entschieden aber jeweils auf MT-Ballbesitz.

Wie man die 3:2:1-Formation der Balinger am besten überwinden konnte zeigten Melsungens Griechen beim 5:2 in Perfektion: Sanikis spielte den unbeachtet im Rücken der Abwehr eingelaufenen Karipidis per Bodenpass an, und der durfte sich die Ecke frei aussuchen. Den nächsten Versuch einer ähnlichen Variante unterband Frank Ettwein schon in der Entstehung, indem er Karipidis nahe der Außenlinie „abräumte“ und sich dabei selbst leicht verletzte. Überhaupt griffen die Schwaben oft in die rustikalere Kiste der Mittel. Zwar nie wirklich unfair, aber immer hat am Rand des Erlaubten. Was den Melsunger Angreifern zunächst nicht schmeckte. Die mussten sich jede Möglichkeit hart erarbeiten und waren nach einer Viertelstunde froh, einen 8:4-Vorsprung heraus geworfen zu haben. Zumal auch Felix Danner einen Treffer aus einem Vorteil heraus abgepfiffen bekam.

Vielleicht waren sie zu froh, denn der Faden riss urplötzlich. Kai Häfner erzielte hintereinander seine beiden einzigen Treffer des Abends, dann musste Michael Allendorf nach einem unbeabsichtigten Gesichtskontakt beim Gegner für zwei Minuten raus. Der HBW verteidigte verbissen, konterte sicher: Jens Bürkle erzielte den Anschluss zum 8:7. Einmal noch traf Allendorf per Siebenmeter, dann schlugen die Gäste dreimal in Folge zu. Begünstigt von einer weiteren Zeitstrafe gegen Alex Vasilakis und einem vergebenen Strafwurf von Michael Allendorf.

Und von mehreren umstrittenen Entscheidungen der Unparteiischen, die dann sogar dem protestierenden Michael Roth noch eine Strafzeit aufbrummten. Balingen blieb unbeeindruckt, nutzte die Gunst der Situation und ging durch ihren besten, Felix König, mit 10:9 in Führung (26.).

Ein Tor mit Signalwirkung, wie sich herausstellen sollte. Allerdings in die andere Richtung. Erst packte Sanikis seine ganze Wut in den Wurf zum Ausgleich, dann parierte Sandström glänzend gegen Herth. Und als Jens Schöngarth das Leder aus neun Metern mit Bodenkontakt geradewegs durch die emporgereckten Abwehrarme hindurch fulminant unter die Latte hämmerte hielt es nur noch wenige Fans in den Sitzen. Das nächste herrliche Kreisanspiel, diesmal von Schöngarth auf Fahlgren, sowie ein schneller Konter, eingeleitet von Sandström mit seiner achten Parade und abgeschlossen von Mansson, mündeten in eine dann doch wieder beruhigende Pausenführung.

Nach dem Seitenwechsel wurde es nur noch einmal für wenige Minuten spannend. Die Balinger nutzten ein Missverständnis auf der rechten Melsunger Angriffsseite zwischen Schöngarth und Karipidis zum Gegenangriff und kamen zu ihrem elften Tor. Per Sandström hatte zwar einmal mehr glänzend gegen Jens Bürkle aus kürzester Distanz pariert, doch der war vorher aus Sicht der Unparteiischen zu hart angegangen worden. Den fälligen Siebenmeter versenkte Herth. Das sollte es dann gewesen sein für die Gäste. Fortan spielte nur noch ein Team, und das waren die Hausherren. Das Brack-Team konnte sich bei Matthias Puhle bedanken, dass es bei vorerst zwei Gegentreffern durch Fahlgren und Sanikis blieb. Beim siebzehnten Torerfolg der MT war er jedoch chancenlos. Da bewies Grigorios Sanikis einmal mehr, warum er in seiner momentanen Form so wertvoll ist. Der Halblinke kurvte nach innen, täuschte einen Sprungwurf an und zog zwei Verteidiger auf sich. Jens Schöngarth sah die entstehende Lücke, stieß hinein und bekam das Leder von Sanikis prompt präzise in den Lauf gespielt. Nur eins von mindestens einem halben Dutzend Anspielen des Griechen, die reif für jedes Handball-Lehrbuch waren.

So auseinander genommen fiel den Gästen nicht mehr viel ein. Ihr Rückraum, abgesehen von König und dem durch eine vorangegangene Angina noch geschwächten Herth, riss Trainer Dr. Rolf Brack nach dem Schlusspfiff zu der Aussage hin, „ohne Schlinger wie ein harmloser Papiertiger“ gewirkt zu haben. Selbst in Überzahl waren seine Männer hoffnungslos unterlegen: beim 18:12 spielte Savas Karipidis den Ball ganz frech quer in den Balinger Torraum, Grigorios Sanikis sprang hinterher und boxte ihn trotz harter Bedrängnis am verdutzten Puhle vorbei ins Netz. Nur Matthias Puhle anschließend mit guter Reaktion gegen Sanikis und Dennis Wilke mit zwei Tempogegenstoß-Toren sorgten dafür, dass die Begegnung nicht vollends zum Debakel geriet.

Spätestens nach der erfolgreich zum 24:15 abgeschlossenen Piruette von Karipidis am Kreis gegen die Laufrichtung nach Anspiel von Schöngarth war die Partie endgültig entschieden. Der Rest geriet zum Schaulaufen derer, die in letzter Zeit eher auf der Bank mitfiebern mussten. Alin Sania übernahm mit Anton Mansson die Innenverteidigung. Christian Hildebrandt ersetzte rechts Savas Karipidis, wie links Michael Schweikardt für Michael Allendorf kam. Auch Kapitän Nenad Vuckovic nutzte die Gelegenheit, nach überstandener Schulterverletzung Selbstvertrauen zu tanken. Dem Spielfluss der MT tat das kaum einen Abbruch. Vuckovic fügte sich mit zwei Toren nahtlos in den Angriff ein und überzeugte auch hinten im Abwehrverbund, unter anderem mit einem feinen Block gegen Alexis Alvanos. Auch Sania konnte sich unter dem Jubel der längst stehend applaudierenden Fans noch in die Liste der Torschützen eintragen. Ebenso wie Mario Kelentric noch dreimal klärte. Die Konzentration wurde trotz der munteren Wechselspiele konsequent aufrechterhalten, so dass die Gäste schließlich nicht einmal die 20-Tore-Marke erreichten.

In dieser Form dürften die Bartenwetzer auch zu den Rhein-Neckar Löwen am nächsten Samstag nicht völlig chancenlos fahren. Dr. Rolf Brack sieht die Melsunger gar schon in der Ligaspitze angekommen. Doch auch wenn das so scheinen mag, für Michael Roth ist es noch längst kein Anlass, das Saisonziel neu zu definieren. Erst einmal gilt es in der „Höhle der Löwen“ zu bestehen, aus der bis jetzt nur der THW Kiel nach einem harten Fight die Punkte entführen konnte. Weiterer pikanter Aspekt: nur zweieinhalb Wochen später (25.10., 19.45 Uhr) kommen die Löwen zum Gegenbesuch in die Rothenbach-Halle – zum vierten DHB-Pokal-Duell beider Teams in vier aufeinander folgenden Jahren. Dazwischen liegt auch noch das nächste Heimspiel in der Bundesliga am 15.10. gegen den DHC Rheinland sowie das „Gipfeltreffen“ beim THW Kiel (19.10.).

Stimmen zum Spiel
Michael Roth: Der entscheidende Punkt war für mich, dass wir nur 19 Gegentore bekommen haben. Das zeigt, dass wir den Gegner ernst genommen haben. Gegen Balingen muss man sich immer irgendwas einfallen lassen. Nach der 8:4-Führung haben wir den Faden verloren. Aber es zeichnet meine Mannschaft aus, dass sie sich wieder gefangen hat und nach dem Rückstand sogar noch mit plus drei in die Halbzeit gegangen ist. Auch der gute Start in die zweite Hälfte war wichtig, da haben wir in der Vergangenheit manchmal geschlafen. Es macht einfach Spaß mit der Mannschaft jetzt, wo alle dabei sind. Wenn wir so konzentriert weiter arbeiten haben wir die Chance, vorwiegend nach oben zu schauen und nicht mehr nur nach hinten.

Dr. Rolf Brack: Der Sieg von Melsungen war klar verdient und geht auch in dieser Höhe voll in Ordnung. Obwohl wir die große Stärke der MT, die schnellen Konter, nicht schlecht verteidigt haben. Nur sechs Tore sind dadurch gefallen. Das Rückzugsverhalten war also gut. Dann hörte es aber auch schon auf. Felix König hat noch ganz ordentlich gespielt, aber sonst war da nicht viel Budesliga-Reifes. Im Angriff waren wir links durch das Fehlen von Roland Schlinger gehandicapt, rechts haben Häfner und Alvanos mehr Stürmerfouls als gute Aktionen abgeliefert. Melsungen hat sich sehr gut entwickelt. Und war bisher unser stärkster Gegner. Nicht einmal die Rhein-Neckar Löwen haben uns so schlecht aussehen lassen. (Bernd Kaiser)

Statistik
MT Melsungen: Sandström (14 P.), Kelentric (3 P.); Schöngarth 2, Mansson 1, Schweikardt, Fahlgren 8, Vasilakis 2, Hildebrandt, Sanikis 3, Karipidis 7/3, Zufelde, Allendorf 2/1, Vuckovic 2, Sania 1.

HBW Balingen-Weilstetten: Ziemer (5 P.), Puhle (8 P.); König 5, Herth 5/3, Sauer, Keinath, Wilke 2, Ettwein 1, Strobel, Wessig 1, Häfner 2, Bürkle 2, Alvanos, Gutbrod 1.

SR: Nils Blümel (Berlin) / Jörg Loppaschewski (Berlin)

Zeitstrafen: 8 – 10 Min. (Allendorf 15:12 Min., Vasilakis 23:05, Mansson 37:32, Roth 25:04 – Wilke 04:29, Keinath 17:03, Bürkle 34:42, Strobel 40:52, Dr. Brack 55:26)

Strafwürfe: 5/4 – 3/3 (Allendorf scheitert an Puhle, 21:22 Min.)

Zuschauer: 1.843, Rothenbach-Halle, Kassel



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