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Die erwartete Medaille blieb aus

Tobias Stang, Julia Klute und Henri Alter. Foto: nhFrankfurt/Melsungen. „Mit dem Abschneiden der Leichtathleten bei den hessischen Jugend-Hallenmeisterschaften in Frankfurt-Kahlbach konnte man mit den Jugendlichen der Melsunger Turngemeinde nicht ganz zufrieden sein, aber es ist nichts Dramatisches passiert“, bilanzierte Trainer Alwin J. Wagner nach dem ersten Tag der Landes-Titelkämpfe. Schade, dass der Rückenwind von den Hallensportfesten in Erfurt und Paderborn, bei denen die MT-Athleten mit hervorragenden Leistungen aufwarteten, nicht bis zu den Landeshallenmeisterschaften in Frankfurt wehte.

Gut vorbereitet gingen Henri Alter und Tobias Stang im Sprint über 60 Meter sowie im Weit- und Dreisprung an den Start. Mindestens eine Medaille sollten sie mit nach Melsungen zurückbringen. Julia Klute, die erst eine Woche vorher aus dem Ski-Urlaub zurückkam, wurde nach der Normerfüllung für den 1500m-Lauf gemeldet, um in Frankfurt bei ihren ersten Meisterschaften Erfahrung zu sammeln.

Henri Alter. Foto: nhHenri Alter, der unmittelbar vor diesen Meisterschaften noch zu einem Gesundheitscheck in Freiburg weilte und nach einer Untersuchung von DLV-Arzt Dr. Helmut Schreiber für voll einsatzfähig erklärt wurde, schoss im vierten von fünf 60m-Vorläufen wie gewohnt schnell aus seinem Startblock, brachte mit ersten, kraftvollen Schritten seinen Körper in eine scheinbar nicht enden wollende positive Beschleunigung und lag nach über zwei Drittel der Strecke deutlich vor Nico Gremm (LAZ Gießen), Lukas Rudershausen (Wiesbadener LV) und Christian Flasshoff (TSG Wehrheim).

Im Vorjahr waren diese drei talentierte Sprinter über 100 Meter fast eine Sekunde schneller als der Mehrkämpfer aus Melsungen. Während Gremm im Jahr 2013 in Regensburg die 100 Meter in 11,07 zurücklegte, standen Rudershausen (11,23) und Flasshoff (11,42 Sek.) weit vor Henri Alter in den Bestenlisten, denn der 18-Jährige lief bisher noch nie die 100 Meter unter 12 Sekunden. Als er fünf Meter vor dem Ziel etwas seine Geschwindigkeit herausnahm, stürmte Nico Gremm  an ihm vorbei und siegte in 7,24 Sekunden. Der stark verbesserte Jugendliche, der sich im Speerwerfen für die deutschen Winterwurfmeisterschaften mit einer Weite von über 59 Metern qualifiziert hatte, belegte in persönlicher Bestzeit von 7,33 Sekunden vor Rudershausen (7,45) und Flasshoff (7,53) den zweiten Platz. Obwohl ihn niemand auf der Rechnung hatte, qualifizierte er sich sehr eindrucksvoll für das Halbfinale, wo Trainer Wagner bereits im Dezember eine Zeit unter 7,30 Sekunden prognostiziert hatte.

Im dritten Vorlauf lief Tobias Stang mit 7,79 Sekunden eine recht ansprechende Zeit, aber der Jugendliche aus Malsfeld hatte einen so miserablen Start erwischt, dass bereits nach  vier Metern die Konkurrenz enteilt war. Dieser Fauxpax  kostete ihm mindestens zwei Zehntelsekunden, aber auch mit einer Zeit unter 7,60 Sekunden hätte Tobias Stang die nächste Runde nicht erreicht.

Unmittelbar nach den Vorläufen begann der Weitsprung. Waren bei Henri Alter Übermotivation,  Nervosität oder gar Selbstzweifel vorhanden?  Sein Trainer fand zunächst keine Erklärung, denn sein erster Wettkampfsprung war etwas weiter als 6,50 Meter.  Aber das Kampfgericht erklärte diesen weiten Satz zu Recht für ungültig, weil er knapp übergetreten war. Beim zweiten Versuch verlängerte er seinen Anlauf um eine halbe Fußlänge, aber nach einen viel zu verkrampften Anlauf, bei dem er fast 40 Zentimeter verschenkte, landete er nur bei 6,16 Meter, so dass er im dritten und damit letzten Durchgang des Vorkampfes alles auf eine Karte setzen musste, um noch das Finale zu erreichen. Bei diesem Sprung traf Henri exakt den Absprungbalken, aber seine 6,35 Meter reichten nicht für den Einzug in das Finale aus.  Als Neunter des Vorkampfes war der Traum vom Weitsprungfinale ausgeträumt, und Henri sprach plötzlich von einer Fersenprellung im Sprungfuß, die ihn hinderte, einen weiten Sprung zu demonstrieren.

Tobias Stang. Foto: nhTobias Stang setzte seine ersten beiden Sprünge mit 5,81 und 5,82 Metern sprichwörtlich in den Sand. Erst im letzten Durchgang des Vorkampfes deutete er an, was in ihm steckt. Obwohl er immer noch zu flach sprang und bei der Landung sich eine weitere Schwäche offenbarte, landete er bei 6,18 Metern und sicherte sich in einem starken Feld den zwölften Rang.

Anschließend folgten die beiden Zwischenläufe über 60 Meter, indem Henri Alter sein persönliches Meisterstück machen sollte. Mit einer Zeit unter 7,36 Sekunden hätte er sich für das Finale qualifizieren können.  Aber während die Konkurrenz sich aufwärmte, Steigerungsläufe absolvierte oder den Startblock einstellte, saß der Melsunger locker auf der Tribüne, plauderte mit seinen Freunden über dies und jenes, nur nicht über das bevorstehende Semifinale.  Er schaute sich alles in Seelenruhe an, ohne auf den Gedanken zu kommen, dass er vor seinem größten Erfolg als Sprinter stehen würde.  Als der Starter die Läufer zum ersten Lauf in den Startblock aufrief, merkte Henri, dass er seinen Zwischenlauf absolvieren musste. Schnell sprintete er zum Start, um an diesem Halbfinale noch teilnehmen zu können. Er hatte Glück, dass man Gnade vor Recht ergehen ließ und ihm noch die Zeit für das Wechseln der Sportschuhe gab. Ohne gymnastische Übungen, ohne Beschleunigungsläufe und ohne den Startblock richtig eingestellt zu haben,  wurde er auf die 60m-Reise geschickt. Wie nicht anders zu erwarten war, lag er bereits nach zehn Metern hoffnungsvoll zurück und erreichte  als Letzter nach schwachen 7,78 Sekunden den Zielstrich.  Nachdem er über eine halbe Sekunde langsamer als geplant war, wurde Alwin J. Wagner laut und zeigte sich von diesem Verhalten mehr als enttäuscht.

„Wer mit einer solchen Einstellung und ohne die erforderliche Vorbereitung zu einem Zwischenlauf bei den Landesmeisterschaften antritt, kann von mir nicht erwarten, dass ich ihn weiter trainiere. Viele Stunden wurden für das Training geopfert, damit Henri bei diesen Titelkämpfen eine Zeit um 7,25 Sekunden laufen konnte, aber durch seine Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit wurde alles in wenigen Sekunden zerstört“, sagte der gereizte, aber noch mehr enttäuschte Trainer. Mit einem guten Dreisprungergebnis hätte der vielseitige Melsunger alle wieder besänftigen können, aber auch in diesem Wettbewerb vermisste man vom hessischen Speerwurfmeister eine richtige Einstellung.

Nachdem Christian Lebron aus Bad Nauheim 12,88 Meter vorgelegt hatte, sollte Henri mit einem Sprung über 13,50 Meter für klare Verhältnisse bei Kampf um die Bronzemedaille sorgen. Aber er haderte auch in dieser Disziplin mit dem Anlauf und traf beim Absprung nicht den Balken. Weil er bei diesem Sprung  viele Zentimeter verschenkte, blieb er mit 12,80 Metern deutlich hinter den Erwartungen zurück. Henri Alter, der zwei Jahre vorher hessischer Jugendmeister im Dreisprung in der U18 sowohl in der Halle als auch im Freien werden konnte, verzichtete wegen angeblicher Schmerzen in der Ferse auf die restlichen fünf Sprünge und belegte in der Endabrechnung nur einen enttäuschenden vierten Platz.

Tobias Stang, der seitdem er in Erfurt mit dem Sprungfuß bei der Weitsprunglandung umgeknickt war, kein gezieltes Sprungtraining mehr durchführen konnte, sprang dennoch sehr konstant. Er blieb mit seinen sechs Sprüngen über der 12m-Marke  und durfte sich am Ende ob der zweimaligen Steigerung seiner Saisonbestleistung über 12,49 auf 12,55 Meter sogar freuen.  „Ich weiß, dass ich beim zweiten Sprung noch große Defizite habe, aber mit dieser Serie kann ich zufrieden sein. Bei ein bisschen Glück wäre heute sogar die Bronzemedaille drin gewesen“, sagte der vor dem Abitur stehende Jugendliche.  Denn Christian Lebron holte sich mit 12,95 Meter den dritten Platz, eine Leistung, die Henri Alter im Training mit zehn Schritten Anlauf erreicht.  Sebastian Roth aus Bad Schwalbach sicherte sich mit 12,57 Meter Rang fünf.  Carsten Storch aus Fulda holte sich mit 12,56 Meter den sechsten Platz und verdrängte Tobias Stang um einen Zentimeter auf Platz sieben.

Julia Klute. Foto: nhBeim 1500m-Lauf der weiblichen U20 stand Julia Klute von vornherein auf verlorenem Posten. Sie hatte sich mit 5:35 Minuten für diese Meisterschaften qualifiziert und kam erst letzte Woche von  einem Ski-Urlaub aus Österreich zurück. Dennoch lief die 17-Jährige die ersten beiden Runden sehr mutig an und passierte die ersten 400 Meter unter 80 Sekunden, was eine Endzeit unter fünf Minuten zur Folge gehabt hätte.  Ihre 1000m-Zeit, die knapp unter 3:35 Minuten lag, deutete an, dass sie die 1500 Meter mit einer Zeit 5:30 Minuten beenden würde.  Aber zwei Runden vor Schluss musste sie ihren viel zu schnellen Anfangstempo Tribut zollen und fiel nach zwei 50er Runden aussichtslos zurück. Am Ende belegte Julia Klute mit 5:40,96 Minuten den elften Platz. (ajw)



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Ein Kommentar zu “Die erwartete Medaille blieb aus”

  1. anon

    Wenn man sich den Artikel so durchliest, dann würde ich mich auch schämen. Und zwar an Stelle des Trainers, der seinen eigenen Athleten hier öffentlich anprangert.
    Falsche Einstellung während des Wettkampfs (die im übrigen wohl jeder mal hat) oder nicht, sowas gehört im direkten Gespräch geklärt und nicht über diverse Artikel auf öffentlichen Plattformen.

    Als Athlet würde ich mir auch genau überlegen, ob ich weiter mit solch einem Trainer zusammen arbeiten will.


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