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IHK-Standortexperte: „Wir haben gelernt, wie DDR funktioniert“

Ulrich Spengler und sein Team informierten über die soziale Marktwirtschaft

Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) IHK Kassel-Marburg. Foto: nhKasssel. Der Fall der Mauer am 9. November 1989 und das Öffnen der innerdeutschen Grenze markieren einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte.

Wie empfanden Sie die Situation?
Ulrich Spengler: Ich habe mir nicht vorstellen können, dass die Grenzen so schnell geöffnet werden. Die Menge der DDR-Bürger, die in der Folgezeit die IHK aufsuchte, überraschte uns. Wir hatten keine Zeit für große Vorbereitungen, mussten uns spontan den Gegebenheiten anpassen. Allerdings hat dieser Prozess auch viel Spaß gemacht. Er betraf zugleich eine wesentliche Aufgabe der Industrie- und Handelskammern: Wir unterstützen die Menschen, die sich wirtschaftlich betätigen möchten, durch kostenlose Informationen und Ratschläge.

Plan- trifft auf Marktwirtschaft: In den Kompaktseminaren für DDR-Bürger mussten die IHK-Mitarbeiter bei null beginnen und das hiesige Wirtschaftssystem erklären. Wo fängt man an, wo hört man auf?Spengler: Wir haben in der Tat versucht, ein komplettes Arrangement zu bieten. Zum Beispiel haben die IHK-Mitarbeiter das Thema Unternehmertum und -persönlichkeit aufgegriffen, damit sich jeder selbst prüfen konnte, ob er wirklich den Weg in die Selbstständigkeit beschreiten möchte. Wir haben kleine Bücher aufgelegt, um mit diesen die Grundzüge der sozialen Marktwirtschaft zu erklären. Die Standardfrage der DDR-Bürger lautete, wie man eine GmbH gründet – für viele ein Synonym für die soziale Marktwirtschaft. Zu unseren Aufgaben gehörte es, sie diesbezüglich aufzuklären. Wir stellten grundsätzliche Fragen: Was können Sie? Hat eine Existenzgründung Sinn? Anschließend haben wir Detailfragen geklärt, zum Beispiel die Finanzierung.

War es kompliziert, die richtigen Ansprechpartner ausfindig zu machen?
Spengler: Daten über den vollkommen unbekannten Markt DDR zu sammeln, war sehr aufwendig. Wir erstellten unter anderem eine Übersicht, welche Betriebe es in Erfurt und Heiligenstadt gab. Das wussten wir zuvor nicht mal ansatzweise. Die DDR-Statistik half uns nicht weiter. In der Theorie trafen wir dort auf ein hoch industrialisiertes und für den Weltmarkt gerüstetes Land. In der Praxis wurden unsere Erwartungen sehr schnell geerdet.

Wie wichtig war es, dass die hessische IHK-Arbeitsgemeinschaft in Erfurt ein Büro errichtet hat?
Spengler: Sehr wichtig: Das Büro kanalisierte Wege und Kontakte. Wir saßen damals in der Kammer für Außenwirtschaft im Gildehaus. Wir lernten, wie die DDR funktioniert. Firmen aus Westdeutschland und Europa kamen auf uns zu. Sie waren froh, einen Ansprechpartner vorzufinden, der weiterhelfen und Kontakte vermitteln konnte. Die für Wirtschaft zuständigen Stellen in der DDR waren mit diesem Ansturm vollkommen überfordert, parallel laufende Umstrukturierungen taten ihr Übriges. Gleichzeitig halfen wir vor Ort beim Aufbau der IHK Erfurt. Eine außergewöhnlich spannende Zeit.

Ulrich Spengler ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg. Der 56-Jährige verantwortet unter anderem den Geschäftsbereich Standortpolitik.  Mehr zur Wendezeit im Jubiläumsheft „250 Jahre IHK Kassel-Marburg“ unter www.wirtschaftnordhessen.de (Erscheinungstag: 24. Februar 2013). Kostenfreie Exemplare bei: Antje Köhler, Telefon (0561) 7891-282, E-Mail: koehler@kassel.ihk.de. (red)



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