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Kriegsende 1945: Neues Buch von Thomas Schattner

Die beiden 16-jährigen Georg Nuhn und Friedrich Oswald Sander waren die letzten Opfer des nationalsozialistischen Regimes in Wabern, sie starben 3. bzw. 14. April 1945. Foto: Thomas SchattnerHomberg. Am 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs wird der Autor sein neues Buch am 8. Mai im Rahmen einer Gemeinschaftsveranstaltung von der Erich-Kästner-Schule und der AG „Schule ohne Rassismus“ der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule auf dem Freigelände der EKS ab 17 Uhr erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Auf rund 320 Seiten beleuchtet der Autor das Kriegsende im regionalen und lokalen Kontext des nördlichen Schwalm-Eder-Kreises. Geografisch zentral ist dabei der Raum um Homberg-Wabern-Fritzlar. Originale Textdokumente aus dieser Zeit, allen voran die unglaublich ausführlichen und informativen Tagebuchblätter von Heinrich Ruppel, Homberg betreffend, nehmen den größten Raum in diesem Buch ein. Weiterhin werden neben der heutigen Kreisstadt die Ereignisse in Wabern, Niedermöllrich, Fritzlar, Gudensberg, Werkel und Besse detailliert dargestellt. Hierbei ragt der Bericht von Valentin Senger heraus, der als sogenanntes jüdisches „U-Boot“ (untergetauchte jüdische Bürger) in Fritzlar bzw. in Züschen bei Fritzlar das Kriegsende erlebt. Dazu kommen Ereignisse des Jahres 1944 und Ereignisse nach dem 30. März 1945, dem Tag der Befreiung vieler Orte hier in der Gegend von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die eng im Kontext des Themas des Buches stehen und versuchen   gewissermaßen die Zäsur des 8. Mais zu umschiffen.

Autor Thomas Schattner. Foto: nhAbgerundet werden die Betrachtungen um das Kriegsende durch biographische Aufsätze, die eng mit den Tagen und den Erlebnissen ums Kriegsende verbunden sind. Dazu werden wohl erstmalig auch Erinnerungen amerikanischer Soldaten in den Fokus gerückt, die im Frühjahr 1945 Nordhessen von den Nationalsozialisten befreiten.

Vorangestellt werden einige Aufsätze, die zum einen den Militarismus der Zeitgenossen aus dem Jahr 1936 deutlich machen und anschließend das Kriegsende aus der längeren Perspektive des Jahres 1944 beleuchteten und somit deutlich machten, dass sich die Ereignisse des Jahres 1945 lange vorher abzeichneten. Dazu Johannes Grötecke, Lehrer aus Bad Wildungen, in seinem Vorwort: „Gegen Kriegsende bezahlten die Deutschen, auch im Schwalm-Eder-Kreis, dann für ihre selbst verschuldete Hingabe an die Nationalsozialisten mit Elend und oft auch Tod. Diese Verblendung ist in diesem Buch deutlich ablesbar, etwa am Jubel bei Hitlers Anwesenheit in der Region 1936 oder am Einsatz für den Westwall-Bau, in der HJ, im „Volkssturm“ oder bei der sinnlosen militärischen „Verteidigung“ der Heimat gegen die anrückende US-Armee“.

Erstmalig werden hier auch Quellen von US-amerikanischen Soldaten ausgewertet, die u.a. auch verdeutlichen, dass die Übernahme unserer Gegend hier strategisch für die Amerikaner wichtig war. Schließlich bot der heutige Schwalm-Eder-Kreis das Tor zur Fulda, um in die spätere sowjetische Besatzungszone vordringen zu können und symbolisch der Roten Armee an einigen Punkten befreiend zuvorzukommen. Hinzu kommen neue Erkenntnisse über das rasante Tempo, die Ernährung der Truppen, etc. Des Weiteren werden hier erstmals Karten, Fotografien und andere Dokumente der US-Truppen abgedruckt.

Somit versucht das Buch in mehrfacher Hinsicht ansatzweise eine Forschungslücke in der nordhessischen Regionalgeschichtsschreibung zu schließen, denn vergleichbare Arbeiten für Kreisstädte und Ortschaften liegen bisher noch nicht vor.
Wann auch immer möglich, wurden Fotografien und Dokumente zur Ergänzung herangezogen, was aber nicht ganz einfach war, da gerade die Jahre 1945 bis 1948 kriegsbedingt fotografisch-dokumentarisch sehr rar sind, da die amerikanischen Besatzungstruppen massenhaft die Kameras der deutschen Bevölkerung konfiszierten.

Im Vorwort schrieb Johannes Grötecke hierzu: „Das vorliegende Buch legt Zeugnis ab, dass dieser Weltkrieg – viel mehr noch als der Erste – direkt vor Ort stattfand und spürbar war, etwa in Form der Mangelwirtschaft, der Lazarette, aber auch der Anwesenheit von ausländischen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen. Es bindet lokale Ereignisse in überregionale Zusammenhänge ein und zeigt so, wie die ´große Welt´  sich im Kleinen widerspiegelt. Es präsentiert viele verschiedene, teils bislang unbekannte Sichtweisen und subjektive Empfindungen, wie sich der Krieg in Nordhessen abgespielt hat. Es zeigt Spielräume und den Mut Einzelner in existentiellen Momenten auf, etwa durch die kampflose Übergabe heimischer Dörfer mit weißer Fahne an die US-Armee, was viel Zerstörung und Leid vermied“.

Das Buch „Die Amerikaner kommen“ ist bei Amazon erschienen. Es kann dort bestellt werden oder über die Buchhandlung Mönch in Homberg bezogen werden. Der Preis beträgt 12 Euro.  (Thomas Schattner)



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