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Ausstellung zum Antiziganismus an der BTHS

Foto: Landesverband der hessischen Sinti und Roma

Foto: Landesverband der hessischen Sinti und Roma

Homberg. Der AG „Schule ohne Rassismus“ unter ihrem Leiter Thomas Schattner ist es gelungen, als eine der ersten Schulen in Hessen eine Ausstellung zur Geschichte des Antiziganismus der Öffentlichkeit zu präsentieren. In dieser vom hessischen Landesverband der hessischen Sinti und Roma konzipierten Ausstellung geht es einerseits und hauptsächlich um die permanente Ausgrenzung und Diskriminierung dieser Jahrhunderte alten Minderheit in Deutschland, die Vorurteile und Ressentiments, die ihnen entgegen gebracht werden. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung deutlich die andererseits vorhandene „Bewunderung“ und „romantische Verklärung“ der freien und ungezwungenen Lebensweise, plus der „Wildheit“ der Sinti und Roma, auf die viele Zeitgenossen ab dem 17. Jahrhundert und auch später mit einem gewissen Neid oder auch Bewunderung geblickt haben. Dafür steht zum Beispiel das allseits bekannte Volkslied  „Lustig ist das Zigeunerleben“. Mit diesen Mythen und Verklärungen räumt die Ausstellung auf.

Anfang des 15. Jahrhunderts wanderten die Sinti aus dem pakistanisch-indischen Raum in die deutschen Territorien ein.  Seit ungefähr 1860 leben dann auch die Roma auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen. Die Roma flohen aus Südosteuropa, weil dort nun die Leibeigenschaft aufgehoben wurde und weil Westeuropa im Zeichen der Industrialisierung neue Arbeitskräfte brauchte. Diese historische Ambivalenz zeigt sich dann auch in den Ausgrenzungsmechanismen des Deutschen Kaiserreichs.

Der Höhepunkt der Ausgrenzung, Diskriminierung und schließlich der Ermordung der Sinti und Roma war zweifellos die nationalsozialistische Zeit in Deutschland. Schon im August 1937 wurden Sinti und Roma zunächst nur in Frankfurt, später auch in anderen deutschen Städten zwangsinterniert. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Über Heinrich Himmlers sogenannten „Auschwitz-Erlass“ vom 16. Dezember 1942 zur Deportation sämtlicher Sinti und Roma, die noch im Reichsgebiet lebten, führt der Weg direkt zum „Zigeuner-Lager“ im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.  Dem nationalsozialistischen Völkermord fielen neben rund sechs Millionen Juden auch eine halbe Millionen Sinti und Roma zu Opfer. Diese Tatsache wird leider viel zu oft vergessen, dass darunter auch über 25.000 deutsche Sinti und Roma waren, zirka 700 von ihnen lebten zuvor in Hessen. Heute leben wieder rund 7.000 bis 10.000 Sinti und Roma in unserem Bundesland.

„Der Weg der Sinti und Roma“, so der Titel der Ausstellung, dokumentiert die kontinuierliche Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma seit ihrer Ankunft im deutschsprachigen Raum vor über 600 Jahren. Neben dem Völkermord im Nationalsozialismus und versagten Entschädigungen in der Nachkriegszeit, behandelt sie auch die Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma seit den 1980er Jahren bis in die heutige Zeit. Schließlich erkannte erst die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt den Völkermord an den Sinti und Roma politisch an. Und selbstverständlich ist auch das im Oktober 2012 errichtete Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma des israelischen Künstlers Dani Karavan, das sich in unmittelbarer Nähe zum Reichstagsgebäude befindet, Thema dieser Ausstellung. Im Übrigen wurde dieses Denkmal im Beisein von Bundespräsident Gauck und Kanzlerin Merkel eingeweiht.

Die Ausstellung bietet auf gut verständliche Weise einen Einblick in die geschichtlichen Hintergründe wie auch auf die heutige Diskriminierungssituation der Sinti und Roma.

In Zusammenhang mit der Ausstellung wird es auch ein Besuch vom hessischen Landesverband in der BTHS geben. Die Gäste werden mit Schülern der Jahrgangsstufe 13 am Freitag, den 20. Januar, über Diskriminierung diskutieren. Anschließend führen sie die Schüler der AG „Schule ohne Rassismus“ durch die Ausstellung, die später selbst Klassen und Kurse durch die Ausstellung führen werden.

Die Ausstellung ist im Foyer/Vestibül des Altbaus der BTHS vom 17. Januar bis zum 8. Februar 2017 zu den normalen Öffnungszeiten der Schule der interessierten Öffentlichkeit jederzeit zugänglich. Andere Schulen sind herzlich dazu eingeladen, die Ausstellung zu besuchen. Führungen von Mitgliedern der AG „SoR“ werden auf telefonische Anfrage, (05681) 99480, oder nach Absprache per E-Mail (poststelle@gym.homberg.schulverwaltung.hessen.de) gerne angeboten. (Thomas Schattner)



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