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Allendorf lässt MT in Göppingen jubeln

Kabinenjubel nach dem Spiel. Foto: Alibek Käsler

Kabinenjubel nach dem Spiel. Foto: Alibek Käsler

Göppingen/Melsungen. Welch ein Krimi! Nach einer 15:13-Führung zur Halbzeit und mehrmaligen Drei-Tore-Vorsprüngen im Verlauf des zweiten Durchgangs machte es die MT Melsungen in der Schlussphase noch einmal richtig spannend. 50 Sekunden vor dem Abpfiff steht die Partie bei Frisch Auf Göppingen mit 29:29 auf des Messers Schneide. Michael Roth nimmt ein Timeout, anschließend trifft Maric im Fallen, aber die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf und Zweiminutenstrafe gegen Göppingen. Der Ball wird nach drei, vier Pässen in Überzahl im letzten Moment zu Michael Allendorf geprellt und der Linksaussen verwandelt kaltschnäuzig per Heber zum 30:29 für die MT.

Der letzte Wurfversuch der Hausherren von Lars Kaufmann, nachdem Göppingen ebenfalls noch einmal die Grüne Karte gelegt hatte, blieb in der Abwehr der MT hängen. Damit setzen die Nordhessen in der DKB Handball-Bundesliga ihren guten Lauf fort und bleiben auch im sechsten Spiel in Folge ungeschlagen.

Die MT nutzte gleich den ersten Angriff des Spiels, um über den Kreis zum Torerfolg zu kommen. Michael Müller hatte Felix Danner bedient. Göppingen antwortete aber postwendend über Rechtsaußen Anton Halén. Fortan hatten die Hausherren leichtes Übergewicht, legten jeweils ein oder zwei Tore vor. Dass es nicht mehr wurden, lag vor allem an MT-Keeper Johan Sjöstrand, der einige gute Würfe der Grünweissen zunichte machte.

Nach knapp neun Minuten, wieder war Danner erfolgreich, lagen die beiden Kontrahenten gleichauf. In der Folge setzte sich die Partie auf Augenhöhe fort. Bis zur 24. Minute gönnte keiner dem anderen mehr als ein Tor Vorsprung. Auch wenn dies als eine Phase der Ausgeglichenheit bezeichnet werden muss, wurde es den 4.300 Zuschauern nicht langweilig. Denn auf beiden Seiten warteten einzelne Akteure oder Pärchen immer wieder mit sehenswerten Aktionen auf. Zum Beispiel beim 9:8 durch Göppingens Rechtsaussen Anton Halén, dem ein Traumanspiel von Adrian Pfahl vorausgegangen war (20.). Fast spiegelbildlich die gelungene Co-Produktion rund 90 Sekunden später: Michael Müller fungierte (wieder einmal) als Passgeber und Timm Schneider als Vollstrecker, nachdem er sich von der Regieposition kurzerhand an den Kreis gestohlen hatte und mit seinem Treffer den Schalter zugunsten der MT umlegte. (9:10, 22.). Er war es auch, der ein lehrbuchreifes Fahlgren-Zuspiel mit einem ebenso sehenswerten Dreher vom Kreis zum 11:13 verwertete.

Apropos: Mit diesem taktischen Mittel der Übergänge aus dem Rückraum in die Nahwurfzone kam die Göppinger Defensive gar nicht zurecht. Entweder fing sie sich von dem zweiten Mann am Kreis einen Gegentreffer ein oder wurde zu einem strafwurfreifen Foul verleitet. So war es nur folgerichtig, dass die Gäste zur Halbzeit – wenn auch nur knapp – die Nase mit 15:13 vorn hatten. Maßgeblich daran beteiligt war Johannes Sellin, der das Kunststück fertig brachte, in den letzten 23 Sekunden gleich zweimal einzulochen. Das zweite Tor hatte er sich per perfektem Steal sogar selber vorbereitet.

Zuvor hielten die Zuschauer den Atem an, als Flügelflitzer Halén kurz nach dem Start zu einem Gegenstoß ohne Fremdeinwirkung zu Boden ging und dort schmerzgekrümmt liegen bleib. Der Göppinger Außen, der einzige übrigens, der an diesem Tage für den Posten auf rechts zur Verfügung stand, musste dann gestützt vom Feld geführt werden, für ihn war die Partie gelaufen.

Weil Göppingens Trainer Andersson mit der Leistung seines Keepers Prost (zu Recht) haderte, beorderte er mit Wiederanpfiff Rutschmann zwischen die Pfosten. Der aber musste dann zum ersten Mal schon nach einer Minute hinter sich greifen, um einen von Schneider abgefeuerten Ball aus dem Netz zu holen.

Nur rund fünf Minuten später durfte sich die MT das erste Mal auf dem Wege zu einer Vorentscheidung wähnen. Nacheinander hatten Michael Müller, Fahlgren und Danner getroffen und damit den ersten Drei-Tore-Abstand erzielt (16:19, 37.). Der aber bis zur 40. Minuten schon wieder auf ein Tor zusammengeschmolzen war. Zum einen, weil die MT zwischendurch in Unterzahl war, zum anderen, weil Sellin einen Strafwurf versemmelte und es auf der anderen Seite Schiller von der Siebenmeterlinie besser machte.

Aber die MT verschaffte sich nach erfolgreich abgeschlossenen Angriffen von Philipp Müller  und zweimal Sellin, erneut Raum (20:23, 42.). Dieses Spielchen “Vorsprung herauswerfen, Gegner wieder herankommen lassen” wiederholte sich in den folgenden 12 Minuten noch mehrere Male. Bis es sechs Minuten vor Schluss plötzlich wieder unentschieden stand (27:27). Zu allem Überfluss verlor die MT zwischendurch auch noch mit Philipp Mülle reinen wichtigen Aktivposten in der Defensive. Der musste nämlich nach seiner dritten Zeitstrafe das Feld räumen.

Warum aber konnten die Hausherren überhaupt immer wieder herankommen? Nun ja, weil sich die MT im Angriff einige folgenreiche Nachlässigkeiten leistete (Fehlpass, verfrühter Abschluss, Ball vertändelt), die der EHF Cup-Endrundenteilnehmer durchaus als Einladungen verstehen durfte und sich dafür jeweils mit Toren bedankte. Wie gut aus Sicht der Nordhessen, dass Johan Sjöstrand sein über die gesamte Zeit gleichbleibend hohes Niveau im Kasten halten konnte und so maßgeblich dazu beitrug, dass das Spiel nicht kippte. Wenn es doch dazu gekommen wäre, dann hätten sich die Grünweissen bei ihrem 19-jährigen Mittelmann bedanken müssen, der spät eingewechselt wurde, aber gleich mit vier Toren rotzfrech aufspielte.

So langsam aber sicher ging es über 27:27 (54.), 28:28 (57.) und 29:29 (59.) in die Crunchtime, die Entscheidung nahte. 38 Sekunde vor Schluss legte Michael Roth noch einmal die Grüne Karte. Kurz nach Wiederanpfiff stieg Göppingens Fontaine in der Abwehr zu harte ein – kein Siebenmeter für de MT, aber Zeitstrafe gegen den Übeltäter. Die Referees hatten der MT schon passives Spiel signalisiert, als es Fahlgren im letzten Moment gelang, den Ball mit einem nicht mal optimalen Aufsetzerpass zu Michael Allendorf zu bugsieren. Der hatte freie Bahn und ließ Trainer und Mannschaftkameraden dann mit einem hoch angesetzten Heber den Atem stocken. Als sich der Ball hinter Prost zum 29:30 ins Netzt gesenkt hatte, zeigte die Uhr noch drei Sekunden an. Frisch Auf Coach Andersson hatte fast zeitglich mit dem Anwurf die Grüne Katte auf den Tisch des Kampfgerichts geknallt. Danach spielten die Göppinger den Ball noch einmal flugs zu Lars Kaufmann, also dem, mit der größten “Schelle” im Team. Aber der Wurf des Hünen wurde von der bis drei Meter an die Mittellinie herangerückten MT-Abwehr abgelenkt. Dann endlich der erlösende Schlusspfiff  – die beiden Auswärtspunkte waren im Sack!

Michael Roth: Wir hatten in der zweiten Halbzeit mehrere Gelegenheiten, den Sack früher zuzumachen. Aber weil wir einige kritischen Phasen durchzustehen hatten – ob aufgrund von Zeitstrafen oder liegen gelassenern Torchancen – und weil der Gegner ja schließlich auch noch mitspielt, ist uns das nicht gelungen. Dann ist es auch nicht verwunderlich, wenn irgendwann Hektik aufkommt und sich Einiges überschlägt. Dennoch bin ich mit der Leistung unserer Mannschaft sehr zufrieden. Alle, die heute eingesetzt wurden, haben ihren Part nahezu erfüllt und einen gute Gemeinschaftsleistung gezeigt. Unser taktisches Mittel mit den Übergängen zum Kreis hat gut funktioniert, es wurde über weite Strecken konzentriert gespielt. Insgesamt gesehen waren wir aufgrund der Tatsache, dass wir rund drei Viertel der Spielzeit geführt haben, am Ende auch der verdiente Sieger. Wenn dieses Spiel, wie eine Zeitung im Vorfeld schrieb, ein Charaktertest war, dann haben wir diesen Test bestanden.

Frisch Auf Göppingen – MT Melsungen 29 : 30 (13 : 15)

Frisch Auf Göppingen: Prost 1 (6 Paraden / 22 Gegentore), Rutschmann (1 Parade / 8 Gegentore) – Kneule 1, Späth 2, Heymann 4, Barud, Sesum 2, Fontaine 2, Kaufmann 2, Schiller 7/2, Pfahl 4, Halén 4.

MT Melsungen: Sjöstrand (12 Paraden / 29 Gegentore), Villadsen (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 0 G.), Verkic (n. e.) – Maric 1, Sellin 9/3, Golla, Fahlgren 3, Danner 6, P. Müller 1, Boomhouwer, Rnic, Schneider 5, Allendorf 2, Jaanimaa 1, M. Müller 2, Haenen.

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah / Suresh Thiyagarajah (Gummersbach)

Zeitstrafen: 8 – 12 Minuten (2x Späth, Fontaine, Pfahl – 3x P. Müller, Schneider, Allendorf, Jaanimaa);
Disqualifikation P. Müller wegen dritter Zeitstrafe (45:18 Min.)

Strafwürfe: 3/2 – 4/3 (Schiller wirft über das Tor, 55:23 Min – Sellin scheitert an Rutschmann, 39:25 Min.)

Zuschauer: 4.300,  EWS Arena Göppingen

Die nächsten Spiele:
So., 14.05.17, 17:15 Uhr, MT Melsungen – HC Erlangen, Rothenbach Halle Kassel
Sa., 27.05.17, 19:00 Uhr, MT Melsungen – TBV Lemgo, Rothenbach Halle Kassel

(Bernd Kaiser)



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