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Raufi und die Schmuckeremiten

Die Einladungskarte zur Ausstellung. Layout: You Jia | Grafik: Wagehe Raufi

Willingshausen. Zur Eröffnung einer Ausstellung des Außergewöhnlichen lädt die Künstlerin Wagehe Raufi für den 5. Mai ab 18 Uhr in die Kunsthalle in der Merzhäuser Straße 1 ein.

Eremitage im Landschaftspark

Die ersten Ornamental Hermits (Schmuckeremiten) zierten ab dem 18. Jahrhundert die aufwendig gestalteten englischen Landschaftsparks. Diese Parkanlagen waren dem Vorbild der damaligen Malereien nachempfunden, die biblische oder mythologische Szenerien in idealisierten Landschaften zeigten.

Die Schmuckeremiten wurden vom Parkbesitzer bezahlt, um sich mehrere Jahre in einer Einsiedelei ihres Parks aufzuhalten und sich – einem strikten Zeitplan folgend – zu bestimmten Uhrzeiten an unterschiedlichen Orten des Parks aufzuhalten. Dort vervollkommneten sie die jeweilige idyllische und leicht gruselige Szenerie.

Vorbild für den Krebs

Bevorzugt wurden alleinstehende ältere Männer eingestellt, die sich während des mehrjährigen Engagements weder waschen, noch Haare oder Nägel schneiden durften, um das Bild des authentischen Einsiedlers zu optimieren. Nach diesen Einsiedlern wurde ein Krebs benannt, der kein eigenes Haus besitzt. Der Einsiedlerkrebs nutzt verlassene Schneckenhäuser, um nicht hilflos zum Opfer von Fressfeinden zu werden. Wird ihm seine Behausung zu klein, sucht er sich eine neue.

Künstlerin Wagehe Raufi nimmt sich für einen Monat die Schmuckeremiten zum Vorbild. Foto: nh

Das idealisierte Bild einer lebendigen Künstlerkolonie wird vervollständigt durch eine Künstlerin, die aufs Land kommt, um nach Inspiration zu suchen. Wagehe Raufi lebt seit Mitte Februar im Hirtenhaus in Willingshausen. Der Einsiedler(krebs) – das Leitmotiv ihrer Ausstellung – reflektiert mehrere Aspekte des Lebens und Arbeitens in der ehemaligen Künstlerkolonie: Die künstlerische Arbeit, die immer wieder in ein neues Haus zieht, es ausfüllt und es weiterträgt. Den zeitgenössischen Umgang mit dem Begriff der „Kolonie“ und nicht zuletzt die Idylle, die erst perfekt ist, wenn es ein wenig schaudert.

Bildnerisches Erbe der Kolonie

Die mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin Wagehe Raufi erhielt nach ihrem Studium in Offenbach und Peking im vorigen Jahr den Bundespreis für Kunststudierende. In ihrer künstlerischen Praxis erarbeitet sie digitale sowie analoge skulpturale Objekte, die auf flächigen Materialien, wie Fotografie, Video und Textilien, basieren. Vor Ort setzt sie sich mit dem bildnerischen Erbe der Kolonie auseinander und verarbeitet die verschiedenen Zeitebenen ihrer Materialien gemeinsam zu räumlichen Momentaufnahmen.

„Wir dürfen gespannt sein auf ihre Ausstellung, die am 5.5.2022 für einen Monat Einzug in die Kunsthalle Willingshausen halten wird“, heißt es in der Einladung. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Mai.

(red)



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