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Groppe startet wieder mit neuem Mut

Die 17-jährige Vivian Groppe gehört mit ihrer 100m-Zeit von 11,62 Sekunden zu den schnellsten Jugendlichen in Deutschland. Dass sie für die WM in Kali nicht nominiert wurde, ging für Trainer Alwin Wagner womöglich nicht mit rechten Dingen zu. Eine Retourkutsche für seine schonungslose Offenheit gegenüber dem DLV? Foto: nh

Andorf. Nach der Nicht-Nominierung für die U20-WM in Kolumbien startet Vivian Groppe (MT Melsungen) am Wochenende beim 16. internationalen Lauf-Meeting in Andorf (Bezirk Schärding) im Innviertel.

In mentales Loch gefallen

Beim hochklassig besetzten 100m-Lauf sind allein zehn Sprinterinnen mit einer Zeit unter 11,75 Sekunden am Start. Zweifelsohne nimmt die Österreicherin Magdalena Lindner (St. Pölten), die im Vorjahr die 100 Meter in 11,33 zurücklegte und in dieser Saison mit 11,46 in der Bestenliste verzeichnet ist, die Favoritenrolle ein. Dahinter folgt dicht gestaffelt das Münchener Sextett mit Amelie-Sophie Lederer (11,55), Viola John (11,57), Tina Benzinger (11,59), Marina Scherzl (11,61), Svenja Pfetsch (11,65) und Hannah Fleischmann (11,74).

Vivian Groppe, die bei den deutschen U20-Meisterschaften mit 11,62 zu überzeugen wusste und die Bronzemedaille nur um 0,01 Sekunden verpasste, fiel nach ihrer Nicht-Nominierung für die U20-WM in ein mentales Loch. „Mein Trainingsplan war das ganze Jahr auf die U20-WM ausgerichtet. Obwohl ich zu den schnellsten vier U20-Sprinterinnen in Deutschland gehöre und fast 0,2 Sekunden unter der Norm blieb, wurde ich für die WM nicht nominiert“, sagte die 17-Jährige noch eine Woche nach den nationalen Titelkämpfen.

Wieder ein Ziel gesetzt

Angesichts ihrer starken Leistung in Ulm äußerte sich Vivian zu ihrem Start in Andorf. „Ich möchte Annika Just (Passau), die bei der U18-EM in Jerusalem mit 11,72 Sekunden den siebten Platz belegt hatte, Paroli bieten und versuche, eine ähnlich schnelle Zeit zu laufen wie die beiden DLV-Sprinterinnen, die Deutschland bei der WM in Cali vertreten“, sagte Vivian, die sich damit wieder ein Ziel gesetzt hat.

Nachdem sie im Vorjahr souverän deutsche U18-Meisterin über 200 Meter wurde, gab sie im Herbst 2021 eine selbstbewusste Zielformulierung für 2022 ab: „Ich will nächstes Jahr die WM-U20-Norm laufen und in Kolumbien für Deutschland starten“. Dabei hoffte sie zumindest auf einen Einsatz in der 4x100m-Staffel, aber auch das Messen mit den weltbesten U20-Sprinterinnen über 100 Meter war keine Utopie. Die schnelle Jugendliche aus Beiseförth hatte ein hohes, aber erreichbares Ziel vor Augen. Als sie kurz vor den deutschen Meisterschaften die 100m „fliegend“ unter elf Sekunden lief, prognostizierte Trainer Alwin Wagner, der Vivian Groppe seit vier Jahren behutsam aufbaut, bei den Titelkämpfen eine Zeit um 11,60. Wagner war überzeugt, dass eine solche Zeit für eine Staffelnominierung reichen würde.

In Bestform zu den Wettkämpfen

Offensichtlich hatten die beiden DLV-Sprinttrainer Thomas Kremer (Dortmund) und Alexander Seeger (Gomaringen) Vivian Groppe nach der Junioren-Gala in Mannheim nicht mehr auf der Rechnung, als sie im Vorlauf nur 11,95 Sekunden lief. Aber wie in den Jahren zuvor, reiste die 17-Jährige in Bestform zu dem bis dahin wichtigsten Wettkampf an und brannte im Donaustadion bei ihren drei 100m-Sprints ein Feuerwerk ab.

Schon im Vorlauf war die Konkurrenz beeindruckt, als sie 11,73 Sekunden auf die Bahn trommelte und ihre Bestzeit um 0,06 Sekunden weiter nach unten drückte. Im Semifinale begeisterte Vivian nach einem schwachen Start auf der zweiten Streckenhälfte, als sie das Feld von hinten aufwirbelte und sich mit 11,55 Sekunden bei etwas zu starkem Rückenwind direkt für das 100m-Finale qualifizierte.

In der Vorbereitung alles richtig gemacht

„Mit dieser fantastischen Leistung hat uns Vivian überrascht“ räumte DLV-Trainer Seeger nach dem außergewöhnlich starken Lauf später ein. „Alle guten Dinge sind drei“, dachte sich das hoffnungsvolle Sprinttalent aus Beiseförth und blieb im Finale als Vierte mit 11,62 wieder deutlich unter der WM-Norm von 11,80 Sekunden. „In der Vorbereitung haben wir somit alles richtig gemacht“, strahlten Athletin und Trainer um die Wette.

Mit dieser Leistung hätte Vivian für die WM-Staffel nominiert werden müssen, zumal ihr zur Silbermedaille weniger als ein Wimpernschlag fehlte. Doch es kam anders, als sich das Duo Groppe/Wagner vorgestellt hatte. Der ehrgeizigen Athletin, die bisher jedes Jahr bei den Meisterschaften den großen Konkurrenzdruck mit Glanz und Gloria bestanden hatte und mit wahren Leistungsexplosionen (2019: 12,16; 2020: 12,01; 2021: 11,79; 2022: 11,62) auf sich aufmerksam machte, wurde lapidar mitgeteilt, dass sie nicht für die U20-WM nominiert werden wird. Damit platzte ihr WM-Traum wie eine Seifenblase.

Trainer Wagner verärgert

„Wenn mir einer der beiden Bundestrainer im Mai gesagt hätte, dass Vivian für die Staffel nicht in Frage kommt, hätte ich den Fokus im Training auf die 200 Meter gelegt. Mit einer Zeit unter 24 Sekunden hätte sie sich für die WM qualifizieren können“, sagte Wagner verärgert. Vielleicht waren seine kritischen Äußerungen gegenüber dem Verband für ihre Nichtnominierung ausschlaggebend, denn Wagner, der für seine klaren Worte bekannt ist, behauptet seit Jahren, dass viele DLV-Athleten sich zu sehr auf die Normerfüllung konzentrieren und deshalb beim Saisonhöhepunkt hinter ihren Leistungen zurückbleiben.

(ajw)



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