Pestizidfreie Landschaften
Niedenstein. Auf Initiative von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beschloss sich die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich zur Bewerbung beim »Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland« (BUND) um die Zertifizierung »Pestizidfreie Kommune«. Vorausgegangen war eine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema, deren Antworten nun für die Antragsbegründung genutzt werden konnten.
Das Thema »Pestizidfreie Landschaften« diskutierten die GRÜNEN kürzlich bei einer Veranstaltung im Niedensteiner Bürgertreff. Eine Zusammenfassung wurde als Video bei youtube eingestellt (https://youtu.be/lZ1gwFMlW2Q).
Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Pestizide
Mit einem fachlichen Impulsvortrag von Corinna Hölzel vom BUND startete die Veranstaltung »Pestizidfreie Landschaften« am Aschermittwoch in Niedenstein. Hölzel stellte das bundesweite BUND-Projekt »Pestizidfreie Kommune« vor, an dem sich inzwischen mehr als 600 Städte und Gemeinden in Deutschland beteiligen. Es soll dazu beitragen, kommunale Flächen ohne chemisch-synthetische Pestizide zu bewirtschaften und so einen aktiven Beitrag zum Arten- und Gesundheitsschutz zu leisten.
Im Anschluss entwickelte sich eine intensive Diskussion über den Umgang mit der Kulturlandschaft. Die Debatte reichte von kommunalen Maßnahmen bis hin zu grundsätzlichen Fragen der Landwirtschaft, in der der überwiegende Anteil der Pestizide eingesetzt wird.
Thematisiert wurden auch die unterschiedlichen Reduktionsziele auf EU-, Bundes- und Landesebene. Viele Teilnehmer wollten verstehen, warum Pestizide weiterhin in großem Umfang eingesetzt werden, obwohl ihre Rolle beim Artensterben und bei Umweltbelastungen seit Jahren bekannt ist.
Glyphosat ist nunmal billig
Der Europaabgeordnete Martin Häusling (GRÜNE) erklärte dazu: „Solange Pestizide sehr günstig und einfach anzuwenden sind, gibt es für viele landwirtschaftliche Betriebe nur geringe Anreize, etwas zu verändern.“
Gerade Wirkstoffe wie Glyphosat seien vergleichsweise billig und unkompliziert einsetzbar. Eine Umstellung auf ökologische Landwirtschaft hingegen bedeute für konventionelle Betriebe einen großen Schritt – organisatorisch, technisch und wirtschaftlich. Wer im konventionellen System arbeite, verfüge häufig nicht über die notwendige Technik für mechanische Bodenbearbeitung oder alternative Verfahren.
Gleichzeitig zeige die ökologische Landwirtschaft, dass Lebensmittelproduktion auch ohne chemisch-synthetische Pestizide möglich sei. Zentrale Elemente seien vielfältige Fruchtfolgen, mechanische Beikrautregulierung und der verstärkte Anbau von Leguminosen.
Pestizidfrei nicht über Nacht
Häusling betonte zudem, dass »regional« nicht automatisch »bio« bedeute. Gerade in intensiv landwirtschaftlich geprägten Regionen sei die Belastung von Wasser, Luft und Böden mit Pestiziden höher als in städtischen Gebieten. Studien zeigten, dass Menschen in agrarisch stark genutzten Räumen häufiger und intensiver Pestiziden ausgesetzt seien. „Was auf den Feldern gespritzt wird, bleibt nicht auf den Feldern“, warnt Häusling. Abdrift durch Wind und Regen und die langfristige Persistenz im Boden sorgten dafür, dass sich Pestizide in unserer gesamten Landschaft verbreiten.
Am Ende der Veranstaltung wurde deutlich: Eine pestizidfreie Kommune entsteht nicht über Nacht. Doch viele kleine Maßnahmen – auf öffentlichen Flächen, in Gärten und in der Landwirtschaft – können gemeinsam eine große Wirkung entfalten. Ebenso beginnt Veränderung beim eigenen Konsum. Wer bewusst zu ökologisch erzeugten Lebensmitteln greift, unterstützt eine Landwirtschaft, die ohne chemisch-synthetische Pestizide arbeitet, und setzt ein Zeichen für Umwelt- und Gesundheitsschutz.
Entscheidend sei es, Politik, Kommunen, Landwirtschaft und Verbraucher gemeinsam in die Verantwortung zu nehmen. Umwelt- und Gesundheitsschutz beträfen „uns alle“ – heute und in Zukunft.
Jörg Warlich, BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN
red




