Mehr Unabhängigkeit mit digitalem Euro
Schwalmstadt. Unter dem Titel »Bargeld war gestern? Der digitale Euro und die Zukunft des Zahlens« lud die Europa-Union Schwalm-Eder gemeinsam mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Deutschen Bundesbank am 9. Juni 2026 zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung in das Haus für Gemeinschaftspflege ein.

Auf ein reges Publikumsinteresse stieß die Vortragsveranstaltung der Europa Union zur Zukunft des digitalen Euros. Foto: N.N. | Europa Union
Über zwei Stunden lang beantwortete Björn Beckmann aus dem Stab des Präsidenten der Deutschen Bundesbank die Fragen der zahlreichen Besucherinnen und Besucher.
Zahlungsgewohnheiten verändern sich rasant
Beckmann machte deutlich, wie stark sich das Zahlungsverhalten in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Während 2016 noch rund 80 Prozent der Menschen an der Ladenkasse mit Bargeld zahlten, waren es 2024 nur noch 50 Prozent. Der Trend gehe eindeutig weiter in Richtung digitaler Zahlungen.
Gerade deshalb werde ein öffentliches digitales Zahlungsmittel im Euroraum immer wichtiger. Der digitale Euro könne die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern wie Paypal oder Mastercard reduzieren. Diese Systeme verursachten nicht nur hohe Gebühren, sondern sammelten auch umfangreiche persönliche Daten.
Digi-Euro soll Bargeld nicht ersetzen
Der digitale Euro werde den Zahlungsverkehr effizienter, kostengünstiger und datenschutzfreundlicher machen, erklärte Beckmann. Er solle jedoch kein Ersatz für Bargeld sein, sondern eine Ergänzung.
Geplant seien zwei Varianten:
• Online-Zahlungen für den Alltag
• Offline-Zahlungen, die eine Anonymität ähnlich wie beim Bargeld ermöglichen sollen
Damit der digitale Euro sich durchsetzen könne, müssten künftig alle Händler in den 21 Euroländern das neue Zahlungsmittel akzeptieren.
Start frühestens 2030
Die Europäische Union arbeitet derzeit an einem umfassenden Rechtsrahmen. Das Gesetzgebungsverfahren laufe aktuell im Rat und im Europäischen Parlament und solle Ende 2026 abgeschlossen sein. Nach einer Pilotphase könne der digitale Euro ab 2030 eingeführt werden.
Was die Bürger erwarten
In der Diskussion wurde deutlich, welche Kriterien den Teilnehmenden besonders wichtig sind:
• Einfache Nutzung
• Datenschutz
• Ausfallsicherheit
• Keine Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen
Information entscheidet über Akzeptanz
Der Vorsitzende der Europa-Union Schwalm-Eder, Heinrich Vesper, dankte der Bundesbank und der Landeszentrale für politische Bildung für die Zusammenarbeit. Eine frühzeitige und transparente Information sei entscheidend für die Akzeptanz des digitalen Euros. Nach erfolgreicher Einführung könne dieser die Souveränität Europas im Zahlungsverkehr stärken.



