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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Projekt Gewaltfrei Leben und Arbeiten geht voran

streitschlichterSchwalmstadt-Treysa. Wenn zwei sich streiten, mischt man sich am besten nicht ein – sagen die einen. Wenn zwei sich streiten, versucht man zu vermitteln – sagen die anderen. Welchen Weg die Streitschlichter in der He­phata Diakonie (Schwalmstadt-Treysa) nehmen, hängt von den Streitenden ab. Denn sie entscheiden, ob sie einen der 15 Bewohner und Beschäftigten, die als ausgebildete Streitschlichter ak­tiv sind, um Hilfe fragen oder nicht.

Du hast Recht und Du entschuldigst Dich – darum geht es beim Projekt „Gewaltfrei Leben und Arbeiten in Hephata (GeLA)“ nicht. Auch nicht darum, Konflikte unter den Teppich zu kehren. Stattdessen soll eine faire Kultur des Streitens gefördert werden. Mit diesem Ziel setzte sich erstmals vor sieben Jahren eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Bewohnern, Beschäftigten, Angehörigen und Mitarbeitenden auseinander. Es entstand die Idee, Streitschlichter aus den eigenen Reihen in Mediation und gewaltfreier Kommunikation auszubilden.

Dank einer Kooperation des Geschäftsbereiches Behindertenhilfe und der Akademie für Soziale Berufe absolvierten zunächst Mitarbeitende der Behindertenhilfe und Studierende die Ausbildung. Dann aber auch Bewohner und Beschäftigte. Mittlerweile gibt es in den Wohngruppen und Werkstätten 32 Streitschlichter, die im Falle einer Auseinandersetzung von Kollegen und Nachbarn angefragt werden können. Die acht ausgebildeten Mitarbeitenden He­phatas agieren dabei nur auf Wunsch und als Assistenten.

Fair und besonnen
Im Idealfall endet eine Streitschlichtung damit, dass sich die Parteien die Hände geben und einen Friedensvertrag unterschreiben. Um die Diskussion so weit moderieren zu können, haben die Streitschlichter eine zweitägige Schulung, eine Übungsphase und eine Folgeschulung absolviert, die ersten im April, die zweiten im November vergangenen Jahres. Danach bekamen sie ihr Abschlusszertifikat vom Friedensbildungswerk Köln (FBK), einer staatlich anerkannten Einrichtung der Erwachsenenbildung. Damit sie nicht aus der Übung kommen, treffen sie sich seitdem mit den Streitschlichterassistenten alle 14 Tage im Hephata Musikhaus in Schwalmstadt-Treysa zu Rollenspielen und Gesprächen.

Jürgen Dietrich wurde im April 2008 zum Streitschlichter ausgebildet. Er hat einen Einzelarbeitsplatz der Hauswirtschaftsgruppe im Haus Kantate, lebt im Betreuten Wohnen in Treysa. „Es gibt so viele Konflikte, im Wohnen und an der Arbeit“, weiß er. Bislang wurde er einmal als Streitschlichter aktiv. „Zwei Frauen, die in einer Wohnung leben und eigentlich befreundet sind, hatten sich gestritten. Das lief ein paar Wochen, dann sind sie auf mich zugekommen, weil sie alleine keine Lösung gefunden haben. Das Ganze ging gut aus.“

Sirikit Wallitzer kam bei ihrer Streitschlichtung zu einem anderen Ergebnis: „Ich konnte keinen Friedensvertrag machen, es gab kein positives Ergebnis, die Erfahrung war aber trotzdem gut.“ Sie hatte versucht, in einem Wohnhaus unter zwei jungen Frauen zu vermitteln. „Das Gespräch hat zwei Stunden gedauert, sie wollten beide ihren Dickschädel durchsetzen. Ich hatte mir das einfacher vorgestellt.“ Irgendwann musste sie erkennen, dass es kein Weiterkommen gab und beendete das Gespräch.

Ein wichtiges Recht, denn die Streitenden müssen die Lösung des Problems wirklich wollen und sich an Regeln halten. Beachten sie diese nicht, lassen sie sich gegenseitig nicht ausreden oder beschimpfen sie sich, muss der Schlichter die Notbremse ziehen. „Die Streitschlichter müssen nicht die Lösung finden, sie versuchen nur, zu vermitteln. Deshalb ist auch die Frustration nicht so groß, wenn die Streitenden nicht im Guten auseinandergehen können“, sagt Teamleiterin Beate Moos, die die Übungstreffen leitet. „Uns geht es darum zu sagen, wir helfen euch, euren Streit zu beenden, aber ihr müsst auch wollen.“ (me)



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