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MT Melsungen: Start verschlafen – Punkte weg

mt-anusic-junillonKassel/Melsungen. Es hat nicht gereicht für den zweiten Coup der MT Melsungen in der Toyota Handball-Bundesliga binnen 72 Stunden. Nach dem glanzvollen Sieg am Mittwochabend gegen Frisch-Auf! Göppingen unterlag das Team von Trainer Ryan Zinglersen drei Tage später vor 2.118 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle den Füchsen Berlin mit 25:31 (12:18).

Es schien alles bereit für die nächsten zwei Punkte auf der Haben-Seite. Doch weit gefehlt. Statt an die Leistung des Mittwochs anzuknüpfen, lief in den Anfangsminuten überhaupt nichts zusammen bei den Gastgebern. Gleich der erste Wurf von Konrad Wilczynski landete in den Maschen, noch bevor sich Mario Kelentric richtig auf seinem Arbeitsplatz eingerichtet hatte. Grigorios Sanikis zielte schlechter. Silvio Heinevetter parierte den ersten Wurf auf seinen Kasten und leitete sofort den schnellen Gegenstoß zum 0:2 ein. Torschütze war wiederum Wilczynski.

Ein Auftakt, der die Männer in den roten Trikots sichtlich schockte. Und der nur der Anfang einer regelrechten Demontage war, die die MT in den ersten zehn Minuten über sich ergehen lassen musste. Denn obwohl Trainer Ryan Zinglersen schon im Vorfeld der Partie vor den Antizipationsfähigkeiten seines Landsmannes Torsten Laen gewarnt hatte, war es der Däne, der für die nächsten beiden Berliner Konter verantwortlich zeichnete. Den Wurf von Jens Schöngarth blockte er erfolgreich, nahm den abprallenden Ball selbst auf und lief den Gegenstoß zum 0:3. Anschließend unterbrach er das Aufbauspiel von Nenad Vuckovic schnell und griff sich den Ball entschlossen aus dem MT-Angriff heraus. Ein kurzer Pass auf den losspurtenden Wilczynski – 0:4. Gespielt waren noch keine vier Minuten.

Und es ging weiter in diesem Stil. Nenad Vuckovic, nach seiner Verletzung noch längst nicht wieder in alter Form, zeigte Nerven. Seinen Fangfehler nach einem unpräzisen Kurzpass von Schöngarth nutzte – wer auch sonst – reaktionsschnell Torsten Laen. Doch diesmal Glück für die Hausherren, dass Runar Karason das Leder über den Kasten setzte. Der junge Isländer musste kurzfristig die Position von Markus Richwien am rechten Flügel übernehmen, weil der zuletzt so treffsichere Berliner die Fahrt nach Kassel wegen Verdacht auf Schweinegrippe nicht mitmachen konnte.

Ryan Zinglersen reagierte, wechselte die rechte Seite: Aagaard für den glücklosen Dimitrios Tzimourtos, Franck Junillon für Schöngarth. Der erste Erfolg dieser Maßnahme war ein Siebenmeter, den Nenad Vuckovic allerdings genau auf die Beine von Silvio Heinevetter warf, der keine Probleme bei der Abwehr hatte. Sebastian Schneider erzielte dafür mühelos das 0:5, bevor Grigorios Sanikis endlich, nach inzwischen mehr als acht absolvierten Minuten, der ersten Treffer für die Melsunger gelang. Ein kurzer Glücksmoment allerdings nur, denn Mark Bult erhöhte mit einem Doppelschlag auf 1:7 und zwang Ryan Zinglersen zu einer frühen Auszeit, um seine Spieler wach zu rütteln. Robert Lechte löste Mario Kelentric im Tor ab, sonst gab es personell keine Änderungen.

Es wurde besser nach dieser Verschnaufpause, wenn das auch am Ergebnis nicht abzulesen war. Dafür kam etwas Unruhe ins Spiel. Erst flogen Dalibor Anusic und Grigorios Sanikis vom Feld, dann sofort Torsten Laen hinterher. Auch das Spiel der Berliner verlor dadurch seine Linie, viele Aktionen waren von Hektik geprägt und unpräzise in der Ausführung. Was allerdings prima klappte war das Spiel der Hauptstädter über Außen, wenn sie in Überzahl auf dem Feld standen. Runar Karason profitierte zweimal davon, völlig frei stehend am rechten Flügel angespielt zu werden. Auf der Gegenseite zielte Vuckovic flach durch die Deckung knapp am Tor vorbei, nachdem sich keine Lücke in der dicht gestaffelten 6:0-Deckung der Gäste aufgetan hatte.

Überhaupt war die Defensivabteilung der Berliner das dominierende Element im Spiel. Stian Vatne und Torsten Laen deckten Thomas Klitgaard am Kreis perfekt ab und hinderten ihn auch erfolgreich an der Arbeit für seine Kameraden im Rückraum. Beim Stand von 7:14 hielt Silvio Heinevetter mit dem Siebenmeter von Mikkel Holm Aagaard gerade einmal seinen dritten Ball, hatte aber auch erst fünf Tore aus dem Feld kassiert. Daran lässt sich ablesen, wie oft die MT schon am stabilen Abwehrbollwerk der Hauptstädter scheiterte, das ja auch im Wochentagsspiel in Balingen nur 23 Gegentreffer zugelassen hatte.

Kurz darauf waren wieder Strafzeiten angesagt. Dalibor Anusic, Sebastian Schneider, Ivan Brovka und Rico Göde mussten nacheinander vom Feld. Kein Wunder, dass die Partie in dieser Phase nicht viel mit strukturiertem Handball zu tun hatte. Beide Mannschaften kämpften mehr mit ihrer spielerischen Linie als mit dem Gegner. Ganz leichte Vorteile ergaben sich trotzdem für die Hausherren, die mit einem echten Vuckovic-Hattrick, also drei Treffern in unmittelbarer Folge, bis auf 12:16 herankamen. Zu diesem Zeitpunkt, da waren sich die Trainer nach dem Spiel einig, hätte die Partie tatsächlich kippen können. Doch zwei dumme Ballverluste, die Mark Bult und Konrad Wilczynski per Tempogegenstoß nutzten, ließen die Füchse wieder auf den alten Abstand davon ziehen.

Nach dem Wechsel startete Melsungen mit Überzahl, weil Laen noch kurz vor dem Pausenpfiff geflogen war. Jens Schöngarth sowie Thomas Klitgaard mit brachten Rot-Weiß wieder auf vier heran, was anschließend aber Kjetil Strand und Sebastian Schneider umgehend korrigierten. Grigorios Sanikis durfte noch auf 15:20 verkürzen, danach waren wieder die Unparteiischen dran. Erst sah Dalibor Anusic nach seiner dritten Zeitstrafe den roten Karton, dann gingen Kjetil Strand und Thomas Klitgaard nach einem eher harmlosen Gerangel gemeinsam. Runar Karason schloss sich einige Sekunden später an, so dass plötzlich außer den Torhütern nur noch acht Akteure auf dem Feld standen. Wieder profitierten die Melsunger leicht und kamen durch Vuckovic und Aagaard bei einem Gegentreffer von Karason auf 17:21 heran.

Es war die zweite Phase, in der das Spiel eine Wendung hätte nehmen können. Doch es sollte an diesem Abend nicht sein. Längst war die MT ein gleichwertiger Gegner und hatte mehr als einmal die Möglichkeit, den Rückstand weiter abzuarbeiten. Das gelang aber nicht, was meist individuellen Fehlern geschuldet war. Obwohl inzwischen auch das Publikum voll da war und trotz des zuvor wenig erbaulichen Spiels lautstark Stimmung machte, sprang der Funke nicht aufs Spielfeld über. Riesenjubel, als Mario Kelentric gleich zweimal gegen Torsten Laen vom Kreis parierte, ungläubiges Raunen nur Sekunden später bei Heinevetters toller Parade gegen Nenad Vuckovic, und kollektives Stöhnen, als Schöngarths Aufsetzer knapp über die Latte strich.

Bis zum 19:23 blieben die Gastgeber in relativer Schlagdistanz, dann machte sich langsam doch der Substanzverlust aus der Partie gegen Göppingen bemerkbar. Sicher hatten auch die Hauptstädter das Spiel in Balingen sowie zwei Auswärtsreisen zu verkraften, aber eben nicht in dermaßen dezimierter Besetzung wie die Melsunger. Mit schwindenden Kräften litt auch die Konzentration, so dass die Reaktionen in der Abwehr meist einen Tick zu spät erfolgten. Daraus resultierten die zwei Siebenmeter, die Kjetil Strand eiskalt nutzte. Runar Karason steuerte noch einen Tempogegenstoß bei, und innerhalb nur zweieinhalb Minuten war das Spiel endgültig entschieden. Daran änderte auch der Kurzeinsatz von Alexandros Vasilakis nichts, der trotz seines noch nicht verheilten Anbruches der Wurfhand ebenfalls noch versuchte, das Steuer herumzureißen.

Bis auf acht Tore zogen die Gäste nun weg (20:28), bevor Stian Vatne und Konrad Wilczynski auf die Bank mussten. Nenad Vuckovic traf zwar im ersten Versuch nur die Latte, aber Ivan Brovka mit Strafwurf sowie Dimitrios Tzimourtos nutzten die doppelte Überzahl noch einmal, um das Resultat erträglicher zu gestalten. Längst hatten sich die Bartenwetzer aber mit dem Auswärtssieg der Berliner abgefunden. Es war einfach nichts drin an diesem Samstagabend. Wirklich enttäuscht hat die MT Melsungen trotzdem nicht. Der Wille war zu jeder Zeit da und auch erkennbar. Und ohne die schwere Bürde vom Anfang wäre das Ende möglicherweise ein ganz anderes gewesen. (red)

Stimmen zum Spiel
Dagur Sigurdsson, Trainer Berlin:
Wir sind natürlich sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Melsungen hat vor drei Tagen gegen Göppingen schon hart am Limit gespielt. Dem entsprechend hat man am Anfang gesehen, dass der Mannschaft heute ein wenig die Kraft und die Konzentration fehlte. Das haben wir sofort genutzt und uns über einige schnelle Gegenstoßtore die Basis für unseren Erfolg gelegt.

Ryan Zinglersen, Trainer MT: Wir haben heute eine ganz andere Mannschaft gesehen als am Mittwoch. Wir haben unglaublich schlecht angefangen mit Pässen zum Gegner und einer Vielzahl technischer Fehler. Von denen hat sich Berlin dagegen sehr wenig geleistet, und uns mit schnellen Spielzügen und vielen Kreuzungen geschlagen. Sie haben sehr präzise gespielt und uns kaum eine Chance gelassen. Trotzdem hatten wir zwei Möglichkeiten, in die Partie zurück zu kommen. Doch die haben wir leider nicht genutzt.

Statistik
MT Melsungen:
Kelentric (11 P.), Lechte (1 P.); Brovka 3/1, Schöngarth 1, Junillon 1, Klitgaard 1, Anusic, Tellander (n.e.), Tzimourtos 1, Vasilakis, Danner, Sanikis 7, Aagaard 3/1, Vuckovic 8/3.

Berlin: Heinevetter (14 P.), Stochl (bei zwei 7m); Löffler (n.e.), Vatne, Laen 2, Strand 6/2, Karason 5, Göde, Kubiztal (n.e.), Wilczynski 9, Schneider 5, Bult 3, Murawski (n.e.), Sellin (n.e.), Jaszka 1

SR: Matthias Brauer (Hamburg) / Kay Holm (Hagen, Schleswig-Holstein)

Zeitstrafen: 14 – 16 (Anusic 10:44 21:34 35:22, Sanikis 11:46, Brovka 15:36 24:43, Klitgaard 35:31 – Laen 13:53 29:46, Schneider 23:34, Göde 25:46, Strand 35:31, Karason 37:09, Vatne 52:00, Wilczynski 52:12); Disqualifikation: Dalibor
Anusic (35:22 nach dritter Zeitstrafe).

Strafwürfe: 8/5 – 3/2 (Vuckovic scheitert an Heinevetter, 6. Min.; Aagaard scheitert an Heinevetter 19. Min.; Wilczynski scheitert an Kelentric, 25. Min.; Vuckovic wirft an die Latte 53. Min.)



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