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Rating – Fesseln für den Aufschwung?

Podiumsdiskussion bei der IHK Kassel

Nordhessen. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen verbessern sich, die Wirtschaft beginnt sachte zu florieren – doch die Messlatte der Finanzierungsbedingungen liegt für viele Betriebe hoch. Ob das Rating der Banken dem Aufschwung Fesseln anlegt und sich die Finanzierung als Achillesverse für den Aufschwung entpuppt, erörterten sechs Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik bei einer IHK-Podiumsdiskussion Ende vergangener Woche. „Bei der Finanzierung bewegen wir uns auf dünnem Eis“, sagt DIHK-Finanzierungsexpertin Alexandra Böhne. „Im schlimmsten Fall müssen Unternehmen Aufträge ablehnen, da keine Vorfinanzierung über Banken möglich ist.“

Das böse Erwachen droht sogar noch: Die schlechten Bilanzzahlen aus dem Jahr 2009 fließen erst noch in die Bewertung der Banken ein. Da das interne Ratingverfahren der Kreditinstitute auf den Unternehmenszahlen der vergangenen drei Jahre basiere, wirke sich das negativ auf die Kreditvergabe aus, erklärt FDP-Bundestagsmitglied Björn Sänger. „Man muss darüber nachdenken, Unternehmenszahlen rückwirkend über einen längeren Zeitraum zu betrachten“, schlägt er vor. „Zum Beispiel auf der Basis der vergangenen 20 Jahre.“

Ein „extrem wichtiger“ Dreh- und Angelpunkt für jeden Unternehmer sollte die persönliche Kommunikation mit Banken sein, beschreibt Gerd Reppe, Geschäftsführer der Kasseler IT-SysTeam GmbH, seine Erfahrungswerte. „Man sollte die Bankmitarbeiter durchaus nerven, seine Geschäftsidee erklären und auf einen persönlichen Termin bestehen, anstatt die Unterlagen nur zuzuschicken.“ Reppe mahnt die Politik, schnell Rahmenbedingungen für Banken zu schaffen, um den in Schieflage geratenen Betrieben umgehend helfen zu können. „Befreit uns von Dokumentationspflichten und weiterer Bürokratie“, appelliert er an den Politiker Sänger. „Das sind Maßnahmen, die sofort helfen und schnell umgesetzt werden können.“

Statt generelle Bankenschelte zu betreiben, fordert Unternehmensberater Peter Fitz aus Hauneck (Kreis Hersfeld-Rotenburg) wechselseitige vertrauensbildende Maßnahmen durch Transparenz und mehr Kommunikation. „Ich wünsche mir ein flexibles Rating, welches die Zukunftserwartungen und das individuelle Geschäftsmodell stärker berücksichtigt“, sagt Fitz. Zudem fordert er von der Politik eine steuerfreie Gewinnthesaurierung zur Eigenkapitalbildung. Dr. Thomas Schlegel, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform in Kassel, spricht sich dafür aus, die deutsche Steuerpolitik so umzugestalten, dass die Eigenkapitalquote der Unternehmen steige. Sein Fazit: „Derzeit befinden wir uns in einer Kreditwürdigkeitsklemme.“

„Wir machen alles, um das Verfahren transparent zu gestalten“, antwortet Reinhard Faulstich, Vorstandsmitglied der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg, auf Vorwürfe, Rating-Verfahren seien intransparent. „Wir erläutern unseren Kunden Stellschrauben, an denen man drehen kann“, sagt er. „Wir orientieren uns an den Stärken und Schwächen der Unternehmen.“ Das Thema Sicherheiten zeige allerdings auch, inwieweit Betriebe hinter dem eigenen Konzept stünden. Faulstich: „Nicht nur die Bank hat dann etwas zu verlieren.“

Einen Blick auf die Fördermittel des Landes warf der Geschäftsleiter der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Eckhard Hassebrock. „Bürgschaften werden zurzeit am stärksten nachgefragt“, berichtet er. Drohe einem Unternehmen ein finanzieller Engpass, sollten die Firmenchefs möglichst früh Zusatzsicherheiten beantragen – „wenn es nicht anders geht.“ Bei den kostenfreien Voranfragen könnten im Vorfeld viele Probleme gelöst werden. Das Problem des Bearbeitungsaufwands für Mikrokredite sieht Hassebrock ebenfalls, einige private Banken halten sich wegen der entsprechend geringen Margen zurück. Ein Programm für Kredite von 25.000 bis 75.000 Euro soll dieses Loch für kleine Unternehmen stopfen.

DIHK-Expertin Böhne erwartet eine steigende Kreditnachfrage in den nächsten Monaten. Und legt nach: „Aber kann diese bedient werden?“ Eine Antwort wird wohl nur das laufende Jahr liefern können.

Service: Informationen und Ansprechpartner
Fragen zur Unternehmensfinanzierung? IHK-Mitarbeiter Carsten Heustock, Telefon (0561) 7891-277, E-Mail heustock@kassel.ihk.de hilft weiter. Informationen über Fremdfinanzierung und öffentliche Förderprogramme gibt es im Internat auf www.ihk-kassel.de unter Starthilfe/Unternehmensförderung in der Rubrik Existensicherung/Krisenberatung im Bereich Finanzierung.

Stimmungsbild: Finanzierungsbedingungen für regionale Firmen
Die regionalen Unternehmen bleiben laut dem aktuellen Konjunkturbericht der IHK skeptisch: Die Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr haben sich für 31,2 Prozent der antwortenden 362 Betriebe verschlechtert beziehungsweise Kredite wurden nicht verlängert oder abgelehnt (Vorjahr: 28,3). Bei der Herbst-Befragung 2009 äußerten sich 28,7 Prozent entsprechend. Insbesondere bei Sicherheiten, Zinsen und Dokumentationspflichten sind die Anforderungen gewachsen. Zudem ist es schwieriger geworden an Betriebsmittelkredite zu gelangen. Machten im Herbstbericht noch 49,1 Prozent der befragten Unternehmen eine Negativtendenz aus, wuchs der Wert im aktuellen Konjunkturbericht auf 57,8 Prozent. Den vollständigen Konjunkturbericht gibt es  im Internet unter www.ihk-kassel.de.  (red)



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