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Winterwurf-WM: Böker mit grandiosem Auftakt

Jyväskylä/Melsungen. Bei den 5. Senioren-Hallen- und Winterwurf-Weltmeisterschaften, die vom 3. bis 8. April in Jyväskylä (Finnland) ausgetragen werden und an denen fast 3.000 Leichtathleten aus 63 Nationen teilnehmen, konnte Hella Böker (MT 1861 Melsungen) im Diskuswerfen der W70 einen grandiosen Auftakt feiern. Die winterlichen Verhältnisse – eisige Kälte und zum Teil Schneefall – ließen das Diskuswerfen zu einer echten Winterwurf-Weltmeisterschaft werden. Außerdem gingen mit Tamara Danilova aus Russland und Karin Illgen aus Leipzig zwei Diskuswerferinnen an den Start, die 1969 erfolgreich an den Europameisterschaften in Athen teilgenommen hatten. Während Danilova, die heute in Petersburg wohnt, vor 43 Jahren mit 59,28 Meter siegte, sicherte sich Illgen mit 58,66 Meter die Bronzemedaille. Dritte im Bunde dieser drei Diskusgrößen war Hella Böker aus Fuldabrück, die 1962  bereits als Zwanzigjährige bei den Europameisterschaften in Belgrad startete.

Tamara Danilova stellte vor zwei Jahren in der Altersklasse der W70 mit 33,55 Meter den Weltrekord auf. Sie wurde vom russischen Leichtathletik-Verband für diese Weltmeisterschaften mit 32,00 Meter gemeldet. Bereits beim Einwerfen konnte man erkennen, dass sie in einer anderen Liga warf. Doch zu Beginn des Wettkampfes zeigte auch die erfolgreiche Diskuswerferin aus Russland Nerven. Während Karin Illgen bei diesen kalten Temperaturen mit 21,86 Meter begann, konzentrierte sich Hella Böker auf ihren Eröffnungswurf.  Sie ließ nach einem Sicherheitswurf die 1kg-Scheibe auf 25,10 Meter fliegen und ging damit vor ihrer Freundin aus Leipzig in Führung. Wie würde die Weltrekordhalterin reagieren? Lange konzentrierte sich Danilova bevor sie den Diskusring betrat. Mit einer schnellen Drehung kam sie durch den Ring, schleuderte aber die Scheibe etwas verhalten ab, als wenn sie Angst gehabt hätte, ihren ersten Wurf überzutreten. Kurze Zeit später erschien auf der Anzeigetafel: 25,27.  Damit übernahm sie die Führung vor Hella Böker. Zeigte etwa die Russin Nerven? Karin Illgen verbesserte sich im zweiten Durchgang auf 22,29 Meter. Jetzt hatte es Hella Böker in der Hand, die Führung zurückzuholen und eventuell Tamara Danilova aus der Ruhe zu bringen.  Wie im Training hundertmal geübt, drehte sie sauber über ihren linken Fuß und kam in eine gute Auslage beim Abwurf. Auch der Diskus flog gut aus der Hand und begann zu segeln. Unmittelbar nach dem Abwurf wusste sie, dass ihr dieser Wurf gelungen war. Und als auf der Anzeigetafel 26,64 Meter zu lesen war, wusste man, dass sie mit dieser Weite nicht nur ihre deutsche Jahresbestleistung um 19 Zentimeter verbessert hatte,sondern dass diese Leistung am Ende auch eine Medaille sein würde.

Helvi Erikson aus Estland war bei diesen winterlichen Verhältnissen nicht in der Lage, die Scheibe über 25 Meter zu werfen. Doch alle schauten jetzt auf die „große“ Danilova. Wie würde sie reagieren? Noch einen Wurf um die 25 Meter? Damit würde sie Hella Böker noch stärker und selbstbewusster machen. Dieses Mal konzentrierte sich die Russin im Diskuskreis und stand fast 30 Sekunden in der beidbeinigen Startphase. Dachte sie an die Olympischen Spiele von München, als sie vor 40 Jahren im ersten Versuch mit 62,64 Meter einen neuen Olympischen Rekord im Diskuswerfen der Frauen aufstellte? Danilova schwang ihr rechtes Bein auf einer weiten Bahn über den Kreisrand hinaus flach um das linke Bein in Richtung Kreismitte und setzte – deutlich schneller als Hella Böker – ihren rechten Fuß mit dem Ballen in der Mitte des Kreises auf, so dass sie eine optimale Abwurfposition einnahm. Damit konnte sie ihrem Beschleunigungsenergie auf das Gerät sehr gut übertragen. Da sie auch das Gerät beim Verlassen der Hand gut traf, flog der Diskus im hohen Bogen seinem Ziel entgegen.  Die Zuschauer ahnten bereits beim Abwurf, dass Danilova mit diesem Wurf in Führung gehen würde. Wenig später konnte man unter dem Beifall der fachkundigen Zuschauer die Leistung der mehrfachen Seniorenweltmeisterin ablesen: 29,08 Meter.

Damit war dieser Diskuswettbewerb entschieden und der Dampf aus dem Kessel, denn weder Hella Böker noch Karin Illgen waren in der Lage diese Weite zu überbieten. Der Rest ist somit auch schnell beschrieben. Danilova hatte noch 28,25 und 27,20 Meter sowie zwei ungültige Versuche in ihrer Serie. Hella Böker erreichte in ihren nächsten vier Würfen eine konstante Serie mit Weiten von  25,20 – 25,23, 26,42 und 26,09 Meter. Karin Illgen verbesserte sich im letzten Durchgang auf 23,83 Meter und sicherte sich damit Bronze vor der Estin  Helvi Erikson.

Die MT-Sportlerin des Jahres, die vor zwölf Jahren an gleicher Stätte ebenfalls die Silbermedaille im Diskuswerfen gewonnen hatte, erzielte damals bei den Senioren-Europameisterschaften in der W55  34,92 Meter.  „So kann es weitergehen“, sagte sie vor der Siegerehrung und dachte dabei schon an das Gewichtwerfen, das morgen stattfindet. (ajw)



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