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Alter, Stang und Schulz mit neuen Bestleistungen

Einbeck/Melsungen. Die drei Melsunger Leichtathleten Henri Alter, Tobias Stang und Christian Schulz, die bei den nationalen Mehrkampfmeisterschaften des Deutschen Turnerbundes in Einbeck die Farben der MT 1861 Melsungen vertraten, waren für diesen Wettkampf auf Bestleistungen „programmiert“ und vollzogen diesen vorgezeichneten Weg mit Bravour. Als sie am Ende der fünf Wettbewerbe – 100m-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Schleuderballwurf und 1000m-Lauf –  elf neue Bestleistungen aufgestellt hatten, konnten es die Athleten selbst kaum fassen. Höhepunkt war die Verbesserung der hessischen Jahresbestleistung im Fünfkampf der U18 durch Henri Alter.  Der noch 16-Jährige übernahm die Führungsposition von Hessenmeister Andreas Nimmerfroh aus Glauberg, der bei den Landestitelkämpfen 53,59 Punkte gesammelt hatte und schraubte sie auf 55,65 Punkte.

Glückstrahlend stand er bei der Siegerehrung als Vierter fast auf dem Treppchen.  Mit der vierzehnbesten Vorkampfleistung nach Einbeck angereist, ließ er so manchen Medaillenanwärter hinter sich. Auch Tobias Stang hatte Grund zur Freude, denn auch steigerte so enorm, dass am Ende für ihn der siebte Platz heraussprang. Tobias Stang blieb mit 54,53 Punkten ebenfalls über der alten hessischen Jahresbestleistung. Für Christian Schulz, den Jüngsten des erfolgreichen  MT-Trios, waren diese deutschen Mehrkampfmeisterschaften ebenfalls ein großer Erfolg. Der Röhrenfurther verbesserte sich von 44,97 auf 47,13 Punkte, stellte  drei neue persönliche Bestleistungen auf und qualifizierte sich wie seine beiden Trainingspartner für das Deutsche Turnfest 2013 in Mannheim.

Der Fünfkampf war für alle Teilnehmer nerven- und kräfteraubend. Bei sommerlichen Temperaturen und drehenden Winden ging es vom Start weg um Zehntelsekunden und Zentimeter, um Punkte und um Prestige, um Bestätigung und Selbstbestätigung. Es ging um eine Bewährung in fünf Etappen.  Die drei MT-Starter holten sich in den letzten beiden Wochen im Melsunger Waldstadion bei viermaligem Training den letzten Schliff und gingen optimal vorbereitet in den letzten Saisonhöhepunkt.

In der Vielseitigkeitsprüfung der U18 gingen 26 Mehrkämpfer an den Start und keiner blieb auf der Strecke.  Henri Alter und Tobias Stang, die aufgrund ihrer Vorleistungen von 51,35 bzw. 51.10 Punkten in der schwächeren B-Gruppe starten mussten, sorgten in dieser Gruppe für Furore. Beide waren zur Stunde da, zur Minute fit und auf die Sekunde bereit, ihre Trainingsergebnisse abzurufen oder in manchen Übungen sogar noch zu verbessern.

Gleich zu Beginn jagte Tobias Stang die 100 Meterstrecke bei einem Gegenwind von 1,0 m/sec herunter und siegte in neuer persönlicher Bestzeit von 12,36 Sekunden. Mit der siebtschnellsten Zeit der 26 Teilnehmer wurde der Malsfelder mit 11,32 Punkten belohnt und legte damit den Grundstein für einen hochklassigen Fünfkampf.  Henri Alter, der sich ebenfalls in diesem Lauf befand, imponierte mit einem guten Start und lag nach 50 Meter knapp in Führung.  Nachdem er beim Landesturnfest mit 12,97 Sekunden gestoppt wurde, blieb für ihn die Uhr in diesem Lauf bei 12,54 Sekunden stehen.  Auch er hatte mit der elftschnellsten Zeit und 10,97 Punkten einen starken Einstand.

Leider gab es auch beim Weitsprung einen leistungsmindernden Gegenwind, aber davon ließen sich zumindest die beiden Melsunger Starter nicht beeindrucken. Henri Alter begann mit einem Sicherheitssprung von 5,91 Meter und blieb nur um acht Zentimeter hinter seinem persönlichen Rekord zurück. Dass er bei diesem Sprung zehn Zentimeter vor dem Balken absprang und somit fast 30 Zentimeter verschenkt hatte, motivierte den vielseitigen Melsunger noch mehr. Im zweiten Durchgang, der ihn über 6,30 Meter trug,  trat er um zwei Zentimeter über, so dass dieser Sprung nicht gewertet werden konnte. Erneut musste seine Anlauflänge korrigiert werden. Auch beim dritten und damit letzten Sprung traf er nicht das Absprungbrett und verschenkte erneut mehr als 20 Zentimeter. Dennoch verbesserte er sich auf 5,92 Meter und erhielt dafür 11,84 Punkte.  Bei diesen ungünstigen Windverhältnissen sprangen nur vier Mehrkämpfer über die Sechs-Meter-Marke. Einer davon war Tobias Stang, der mit einem Sicherheitssprung, bei dem er mehr als 20 Zentimeter verschenkte, 6,08 Meter erreichte.  Anschließend ließ er zweimal 6,20 Meter folgen, für die er 12,40 Punkte erhielt. Der Melsunger Gymnasiast übertraf seinen Hausrekord, den er am 13. Mai in Melsungen aufgestellt hatte, um einen Zentimeter und baute seinen Vorsprung als bester Weitspringer im Schwalm-Eder-Kreis weiter aus.

Im Melsunger Lager traute man kaum seinen Augen, als der Zwischenstand nach zwei Wettbewerben bekannt wurde. Zwar führten die Favoriten Lukas Blechschmidt aus Rhens (25,65 P.) und Gianluca Gattone aus Fraulautern (24,34 P.), aber auf Rang drei folgte bereits Tobias Stang mit 23,72 Punkten.  Der Meisterschaftsfavorit Christian Justen, der mit einer Weitsprungbestleistung über 6,50 Meter angereist war, musste mit einem Sicherheitssprung von 5,39 Meter und zwei ungültigen Versuchen bereits nach dem zweiten Wettbewerb  alle Goldhoffnungen begraben.  Mit 23,22 Punkten nahm er nur den vierten Rang ein.  Henri Alter belegte mit 22,81 Punkten völlig überraschend den sechsten Platz.  „Wir hatten mit einer Leistung um 22 Punkte und damit um Rang zehn gerechnet“, sagte Alwin J. Wagner und verbreitete nach zwei Wettbewerben noch mehr Optimismus, denn es folgte das Schleuderballwerfen, wo er beide Athleten intensiv vorbereitet hatte.

Henri Alter –  im Vorjahr mit 43 Meter in der Bestenliste geführt –  kam beim Landesturnfest bereits auf 49,39 Meter. Er eröffnete die dritte Übung mit einem Paukenschlag.  Trotz Windstille spielte er seine neu gewonnene Stärke aus und  ließ den 1kg schweren Gummiball erst wieder bei 58,98 Meter landen. Dafür bekam er 13,11 Punkte auf seinem Konto gutgeschrieben. Mit diesem Wurf hätte er einen Tag vorher im Einzelwettbewerb mindestens die Bronzemedaille gewonnen. Im zweiten Durchgang ließ er einen 60m-Wurf folgen. Dieser musste aber für ungültig erklärt werden, weil er nach dem Abwurf die seitliche Begrenzungslinie betrat und somit gegen die Wettkampfregel verstieß. Im dritten Durchgang war es ähnlich.

Tobias Stang erzielte bei den Landesmeisterschaften 41,68 Meter und kam im Training mehrfach an die 45 Meter heran. In Einbeck trumpfte der Siebzehnjährige im zweiten Durchgang mit  46,00 Meter auf und belegte nach drei Wettbewerben mit 33,94 Punkten  Rang sechs.

In der A-Gruppe hatte Lukas Beilschmidt  57,11 Meter geworfen und konnte seine Führung mit 38,34 Punkten vor Christian Justen, der als bester Schleuderballer 59,54 Meter erzielt hatte und 36,45 Punkte auf dem Konto hatte, weiter behaupten.  Allmählich begriff man aber in der ersten Riege, in der die dreizehn besten Athleten starteten, dass mit Henri Alter und Tobias Stang zwei Mehrkämpfer in der zweiten Riege einen vorzüglichen Wettkampf ablieferten und eine große Gefahr für eine TOP-TEN-Platzierung darstellten.

Nach dem Schleuderballwurf hatte sich Henri Alter mit 35,92 Punkten vor Gianluca Gattone(34,98 .) den dritten Platz erobert. Jörn Abrahams aus Remscheid, der mit 55,93 Punkten auf Rang drei der Meldeliste geführt wurde,  arbeitet sich  mit 34,04 Punkten langsam nach vorn, lag aber nur einen Platz vor Tobias Stang mit 33,94 Punkten. Obwohl das Kugelstoßen nicht seine „Schokoladenseite“ ist, überzeugte der Malsfelder mit der neuen persönlichen Bestleistung von 10,29 Meter. Er riss zwar damit keine Bäume aus, aber er kam fast einen Meter weiter als beim Landesturnfest. Für Henri Alter wurden 11,84 Meter notiert. Leider verschenkte er in diesem Wettbewerb unnötig ein paar Zehntelpunkte, denn er konnte im Training über einen halben Meter weiter stoßen.

Während Blechschmidt (14,21 m) und Justen (14,17 m) ihre Führung weiter ausbauten, arbeitete sich Jörn Abrahams mit seinen 12,50 Meter näher an Henri Alter heran.

Vor dem abschließenden 1000m-Lauf führte Blechschmidt (49,71 P.) vor Justen (47,79 P.) und Alter (45,39 P.).  Den vierten Platz belegte Gattone (44,86 P.) gefolgt von Abrahams (44,04 P.) und Mesloh (42,32 P.) Auf Rang sieben wurde Tobias Stang mit 42,17 Punkten geführt.  Die beiden anderen hessischen Vertreter,  Andreas Nimmerfroh (40,82 P.) und der Villmarer Alexander Fiehn (41,55 P.) spielten selbst für einen TOP-TEN-Platz keine Rolle mehr.

So, als ginge es um eine 800m-Final-Teilnahme bei den Landesmeisterschaften, lief Tobias Stang im zweiten 1000m-Lauf die erste Runde mit 66 Sekunden an.  Diese Zwischenzeit deutete auf eine Endzeit unter 2:50 Minuten hin.  Es war klar, dass er dieses enorm hohe Tempo nicht durchhalten konnte. Aber, besessen von dem Willen, eine Punkzahl über 54 bekommen zu können, hielt er sehr gut durch und erreichte völlig ausgepumpt und glücklich die Ziellinie. Mit seiner Energie und seiner Willensstärke, aber auch mit seinem Können lief er fast unglaubliche 2:52,7 Minuten und war somit fast zehn Sekunden schneller als beim Landesturnfest. Für diese letzte Übung wurden ihm noch einmal 12,36 Punkte gutgeschrieben.  So war eine Platzierung unter den besten acht vielseitigsten Athleten bei diesen deutschen Mehrkampfmeisterschaften keine Utopie mehr.

Henri Alter, der sich bei den Landesmeisterschaften mit 3:27,25 Minuten im abschließenden 1000m-Lauf sichtbar gequält hatte, sollte die ersten acht 100m-Teilabschnitte jeweils in 20 Sekunden zurücklegen und die letzten 200 Meter noch „auf Reserve“ durchhalten.  Durch das Ausdauertraining bekam der Melsunger ein gutes Tempogefühl, so dass er sich das Rennen hervorragend einteilen konnte. Nach 78 Sekunden für die erste Runde, wurde er für 800 Meter mit 2:38 Minuten gestoppt.  200 Meter vor dem Ziel lag er noch an vorletzter Stelle. Aber sein enormer Wille, am Ende zu den besten fünf Mehrkämpfern zu gehören, ließ ihn auf der Zielgerade das Tempo erhöhen, so dass er diese Strecke so schnell wie nie zuvor lief. Nach 3:13,3 Minuten überquerte er mit letzter Energie die Ziellinie.

Im Ziel schnappten alle Läufer nach Luft, stützten sich auf den Knien ab oder lagen im Gras. An den Gesichtern der beiden Melsunger Mehrkämpfer war aber abzulesen, was in diesen Minuten in ihnen vorging:  Bei ihnen vereinten sich Glück und Freude, denn ein großer und erfolgreicher Wettkampf war zu Ende.  Sie hatten mehr erreicht, als man erwartet hatte, denn mit 55,65 Punkten belegte Henri Alter den vierten Platz, und Tobias Stang kam mit 54,53 Punkten auf Rang sieben.

Sie hatten mit dem Triumph des Willens und der Energie über den bis an die Leistungsgrenze strapazierten Körper gesiegt und damit ihren Traum von einer TOP-TEN-Platzierung bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Einbeck realisiert  „Sowohl für Henri als auch für Tobias war es ein Fünfkampf der Superlative, ein großartiger Kampf, der von Anfang an im Zeichen der Bestleistungen stand“, sagte Trainer Alwin J. Wagner und schloss auch Christian Schulz in sein Lob mit ein, denn auch der Schüler aus Röhrenfurth stellte innerhalb seines Mehrkampfes drei neue persönliche Bestleistungen auf und wuchs über sich hinaus.

Für den Wettkampf der A-Schüler hatten sich 35 Jungen unter 16 Jahren qualifiziert.  Christian Schulz belegte beim Landesturnfest in Friedberg mit 44,97 Punkten den vierten Platz und hatte sich zum Ziel eine Verbesserung seiner Meisterschaftsleistung gesetzt. Er begann den 100m-Sprint bei einem Gegenwind von 1,4 Meter pro Sekunde mit 13,59 Sekunden und verfehlte seine Bestzeit nur um 0,13 Sekunden. Im Weitsprung wurde sein bester Sprung mit 4,83 Meter gemessen, so dass er nach zwei Übungen 18,77 Punkte auf dem Konto hatte. Beim Landesturnfest stand er mit 18,75 Punkten in der Ergebnisliste. Im Kugelstoßen zeigte er sich verbessert und kam mit 9,44 Meter in die Wertung.  In Friedberg wurden für ihn nur 8,68 Meter notiert.  Im Schleuderballwurf steigerte er seine Bestweite von 40,55 Meter auf 43,26 Meter und lag nach vier Übungen mit 35,93 Punkten auf Rang zwanzig. Beim abschließenden 1000m-Lauf demonstrierte er sein ganzes Können auf der Mittelstrecke und verbesserte seinen Hausrekord um fast zehn Sekunden.  850 Meter lang bleib er hinter Eike Kratzsch aus Wolfhagen, der am Ende deutscher Vizemeister im Fünfkampf wurde.  Der Schüler aus Wolfhagen hatte ein gutes Tempogefühl und wollte die zweieinhalb Stadionrunden unter 3:10 Minuten zurücklegen.  Eine Zeit, die auch Christian Schulz laufen konnte.  Im Scheitelpunkt der letzten Kurve ging der Röhrenfurther aber im Stil eines Sprinters an Eike Kratzsch vorbei und unter dem Beifall der vielen Zuschauer und den Anfeuerungsrufen der Melsunger Vertreter vergrößerte er bei jedem Schritt seinen Vorsprung.  Die elektronische Uhr blieb nach fast sensationellen 3:03,5 Minuten stehen. Sein Trikot war vom Schweiß durchnässt, den die Anstrengung gefordert hatte, aber Christian Schulz war für ein paar Minuten der glücklichste Mensch im Stadion. Er schloss seinen Fünfkampf mit 47,13 Punkten ab und qualifizierte sich wie Henri Alter und Tobias Stang für das Deutsche Turnfest, das im nächsten Jahr in Mannheim stattfindet.

Der Melsunger Funktionär Christian Khin, der in amtlicher Funktion in Einbeck war, dankte den drei erfolgreichen Leichtathleten und betonte: „Sie haben viel mehr als ihr Soll erfüllt.  Ihr Engagement und ihre guten Leistungen sind bewundernswert!“ (ajw)



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