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Sensation in Kiel: MT schlägt den Tabellenführer!

Kiel/Melsungen. Der MT Melsungen ist die Sensation gelungen: Die ersatzgeschwächten Nordhessen brachten dem Tabellenführer THW Kiel die erste Niederlage in der Bundesliga seit eineinhalb Jahren bei! Auch sie selbst haben in der bisher sieben Jahre währenden gemeinsamen Erstligageschichte noch nie gegen die Zebras punkten können. Am Sonntagabend war es soweit. Mit taktischem Geschick, Geduld und einem großartig haltenden Per Sandström wurde nach 14:16-Halbzeitrückstand ein verdienter 29:25-Erfolg eingefahren. Beste Torschützen in der mit 10.285 Zuschauern ausverkauften Sparkassenarena waren für Melsungen Michael Allendorf (7) und für Kiel Filip Jicha (6/1).

Bei der MT fehlten, wie schon vier Tage zuvor beim Auftritt in Flensburg, mit Grigorios Sanikis und Alexandros Vasilakis gleich zwei der bisherigen Leistungsträger im Rückraum. Trainer Michael Roth hatte deshalb auf Halbrechts von Beginn an Malte Schröder aufgeboten. Auf der anderen Seite agierte Nenad Vuckovic und in der Mitte zog Patrik Fahlgren die Fäden. Kiel verzichtete zunächst auf Stammkeeper Thierry Omeyer, der vom frischgebackenen Papa Andreas Palicka vertreten wurde. Der Angriff hingegen konnte mit einer Paradebesetzung bestückt werden. Die allerdings sah sich nicht selten durch die 5:1-Abwehr der Melsunger mit Michael Allendorf als geschickt agierenden Vorgezogenen in ihrem Rhythmus gestört.

Nach frechem Start der Gäste über 0:1, 1:2 und 2:3 hatten sich die turmhoch favorisierten Nordlichter berappelt und gewannen zusehends mehr Kontrolle über das Spiel. Es dauerte rund fünf Minuten bis die Zebraherde vom Trab auf leichten Galopp umschaltete. Das 4:3 durch Filip Jicha bedeutete die erste Führung.

In der Folge entwickelte sich ein zähes Ringen um die Vorherrschaft. Kiel gelang es nicht, wie eigentlich zu erwarten gewesen wäre, den Gegner abzuschütteln. MT-Angreifer verstanden es desöfteren, Lücken in der 3:2:1-Abwehr des THW zu nutzen. Zudem konfrontierte Michael Roth die Hintermannschaft der Hausherren immer mal wieder mit Umbesetzungen. Auf Halbrechts kamen etwa die beiden Rechtshänder Vuckovic und Stenbäcken für Linkshänder Schröder zum Einsatz, Halblinks wurde ebenfalls wechselweise mal mit Vuckovic, mal mit Stenbäcken agiert.

Dennoch hatte Kiel bis zu Pause leicht Oberwasser. Das war aber weniger mannschaftlicher Geschlossenheit zu verdanken, als vielmehr der Leistung einzelner. Zum Beispiel der von Filip Jicha. Der für die Wahl zum Welthandballer nominierte Ausnahmespieler war kaum zu stoppen. Er erzielte alle seine fünf Feldtore in diesem ersten Drucchgang.

Zu Beginn der zweiten Hälfte merkte man dem THW an, dass er nun fest entschlossen war, das Spiel an sich zu reissen. Aber wie verkrampft der Spitzenreiter war, zeigte sich unter anderem beim vergebenen Strafwurf vom eben noch so starken Jicha, der in der 31. Minute an Sandström scheiterte. In den folgenden knapp drei Minuten lieferten sich die beiden Kontrahenten einen blitzschnellen Schlagabtausch, bei dem Kiel zunächst die zwei Tore-Führung behaupten konnte (18:17, 34.).

Melsungen aber ließ nicht locker. Mit einem Dreierschlag von Danner, Vuckovic und Allendorf erkämpfte sich der Außenseiter ganz plötzlich die Führung (18:19., 42.). Die so zustande gekommen war: Erst hatte Schröder mustergültig zum Kreis gepasst, wo sich Danner durchsetzen konnte. Im nächsten Angriff bediente dann der gerade noch als Torschütze Aufgetretene den eingelaufenen Vuckovic, und wenig später besorgte Michael Allendorf, der einen Angriff zuvor noch freistehend an Palicka gescheitert war, den Führungstreffer. Das war zuviel für Alfred Gislason. Der THW Coach bat seine Schützlinge zur Auszeit an die Seitenlinie. Was die beiden Sport1-Kommentatoren Markus Götze und Piet Krebs zu dem Einwurf nutzten „Wir reiben uns hier, genau wie wohl die meisten der Zuschauer, verwundert die Augen“.

Die erhoffte Wirkung, die Gislason nach Wiederanpfiff durch eine erneute Abwehrumstellung von 3:2:1 auf 6:0 herbeiführen wollte, blieb indes aus. Im Gegenteil: Die MT nutzte die augenfällige Verunsicherung der Hausherren, um gleich zweimal nachzulegen. Zunächst durch Allendorf zum 18:20 und dann durch Danner zum 18:21. Dazwischen hatte Appelgren sein Gegenüber Vujin beim Strafwurf wohl so verwirrt, dass dieser den Ball neben das Tor setzte.

Weil seinen Schützlinge trotz des sensationellen Zwischenstandes in dieser Phase offenbar etwas die Ideen ausgingen, nahm Michael Roth mit viel Fingerspitzengefühl ein Team-Timeout. Kiel wollte natürlich zurück ins Spiel finden. Und weil das an diesem Tage durch Mannschaftsspiel offensichtlich nicht recht gelingen wollte, wurden es weiterhin mit Einzelleistungen versucht. Allen voran jetzt der zweikampfstarke Daniel Narcisse, der die Melsunger Abwehrspieler gleich vier Mal gekonnt austanzte. Nur gut aus rotweißer Sicht, dass dazwischen jeweils auch Michael Allendorf, Malte Schröder, Savas Karipidis per Siebenmeter und Jonathan Stenbäcken getroffen hatten und damit die knappe Melsunger Führung sicherten (23:25, 53.)

Als kurz darauf Sprenger von Rechtsaußen Sandström überlistete – vorausgegangen war eine Fehlabgabe von Schröder – keimte bei den Kielern Hoffnung auf, die Sensation doch noch vermeiden zu können. Das spürte auch Michael Roth, der beim 24:25 nach 53:34 gespielten Minuten erneut durch Legen der Grünen Karte für ein wenig Durchschnaufen sorgte. Und seinen Schützlingen Mut machte. “Keine Angst, Männer, wir spielen weiter Tempo nach vorne und gehen auf die Nahtstellen der Kieler Abwehr, gab der MT-Coach seinem Trupp mit auf den Weg. Doch zunächst war hinten zweimal Not am Mann. Kiel spielte Dominik Klein frei, nachdem Stenbäcken im Angriff vertändelt hatte. Aber Kiels National-Linksaußen fand seinen Meister in Keeper Per Sandström. Genauso, zwei Angriffe später, Kleins Pendant auf der anderen Seite, der ebenfalls einschussbereite Christian Sprenger.

Gelungen war hingegen der dazwischen vorgetragene MT-Angriff. Der auf Rechtsaußen freigespielte Savas Karipidis konnte nur durch ein Vergehen gestoppt werden. Zum fälligen Strafwurf trat der Gefoulte persönlich an – und verwandelte in der jetzt ungewohnt ruhigen Arena souverän zum 24:26. Die Sensation rückte näher. Trotzdem dass Christian Zeitz mit dem Treffer zum 25:26 antwortete. Denn Felix Danner wuselte sich gleich danach am Kieler Kreis zum 25:27 durch. War das die Vorentscheidung? Oder würden dem Außenseiter in der Schlussphase die Nerven einen Streich spielen?

Alfred Gislason jedenfalls gab seinen Männern in einer letzten Auszeit einen ganz konkreten Lösungsvorschlag in Form eines Spielzugs mit auf dem Weg. Das schien aber von denen nicht mehr umgesetzt werden zu können. Denn es war einmal mehr Daniel Narcisse, der mit aufopferungsvoller Einzelleistung die schwache Vorstellung vieler seiner Kollegen vergessen machen wollte. Endstation war aber diesmal auch für ihn Per Sandström. Dessen Glanzparade war schließlich das entscheidende Signal für seine Vorderleute, den Sack endlich zuzumachen. Karpidis, an diesem Abend nicht gerade mit Anspielen überhäuft, aber immer hellwach, wenn er gebraucht wurde, behielt die Nerven und stellte von rechtsaußen 75 Sekunden vor Schluss auf 25:28. So langsam schien man auch auf der Bank der MT an die Sensation zu glauben. Erste Arme wurden in die Höhe gereckt, einige jubelten schon. Perfekt gemacht hat sie dann der MT-Kapitän persönlich: Nenad Vuckovic setzte mit seinem fünften Treffer den Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Spiel eines Außenseiters in der eigentlich als uneinnehmbar geltenden Festung Kieler Sparkassenarena.

Michael Roth nach dem Spiel bei Sport1: Wir haben es geschafft, den THW Kiel im heutigen Spiel dorthin zu bringen, wo viele andere Konkurrenten ihn sicher auch gern öfter sehen würden, nämlich ihn zu verunsichern. Das war kämpferisch und taktisch eine super Leistung. Wir haben vorne wie hinten fast alles richtig gemacht hat und konnten uns zudem zur rechten Zeit sich noch auf einen starken Torhüter verlassen. Ich muss meiner Mannschaft insgesamt ein Riesen-kompliment aussprechen – wir sind alle überglücklich. Das war eine tolle Werbung für das Team, aber auch für unseren Verein. Ich denke, wir werden erst morgen realisiert haben, welch historischer Sieg uns hier in Kiel gelungen ist. (Bernd Kaiser)

THW Kiel – MT Melsungen 25:29 (16:14)

THW Kiel: Palicka (1.-44.), Omeyer (45.-60.) – Toft-Hansen (1), Sigurdsson (4), Sprenger (2), Ahlm (1), Ekberg (1), Zeitz (1), Narcisse (5), Ilic, Klein, Jicha (6/1), Vujin (4/1); Trainer: Gislason.

MT Melsungen: Appelgren (bei 2 Siebenmetern), Sandström – Stenbäcken (2), Mansson, Kubes, Fahlgren (3), Schröder (2), Hildebrand, Danner (6), Karipidis (4/2), Allendorf (7), Vuckovic (5); Trainer: Roth.

Strafwürfe: 4/2 – 2/2 (Jicha scheitert an Sandström, 30:45 Min.; Vujin wirft neben das Tor, 42:34 Min.).
Zeitstrafen: 0 – 1 (Danner, 21:21 Min.).
Schiedsrichter: Holger Fleisch / Jürgen Rieber (Nellingen / Nürtingen).
Zuschauer: 10.285 Sparkassenarena Kiel

Spielfilm: 0:0 (1.), 1:2 (3.), 4:4 (6.), 7:6 (9.), 8:7 (12.), 8:8 (15.), 9:9 (18.), 12:10 (21.), 14:11 (24.), 15:12 (27.), 16:14 (HZ), 16:14 (31.), 17:15 (33.), 18:17 (36.), 18:17 (39.), 18:18 (41.), 18:20 (42.), 18:21 (45.), 20:22 (48.), 22:24 (51.), 23:25 (54.), 25:26 (57.), 25:29 (EN)



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