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Tarek Al-Wazir diskutierte mit Wirtschaftsvertretern

Kassel. Auf Einladung der SMA Solar Technology AG (SMA) diskutierte Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, am 21. März mit Vertretern der nordhessischen Energiewirtschaft und Wissenschaft die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur Reform des Erneuerbare Energien-Gesetzes. Tenor des Gesprächs: Die Erneuerbaren Energien sind ein starker Wirtschaftsfaktor in Nordhessen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung in der Region hätte ohne das EEG nicht stattfinden können. Die Umsetzung der aktuellen Reformpläne der Bundesregierung könnten die Energiewende nicht nur in der Region ins Stocken bringen.

Tarek Al-Wazir sieht durch die Reformpläne des Bundeswirtschaftsministers die Energiewende in Hessen gefährdet und fordert vom Bundeswirtschaftsminister deshalb Änderungen an zentralen Punkten der geplanten EEG-Reform. „Die Reform des EEG ist aus vielen Gründen dringend nötig, und wir unterstützen die Bundesregierung bei ihrem Ziel, die Förderung vor allem auf die kostengünstigen Bereiche Windkraft an Land und Photovoltaik zu konzentrieren. Gerade dann aber muss sich der Bau dringend benötigter Windkraftanlagen auf hessischen Vorrangflächen künftig lohnen, zumal Windkraft an Land jetzt schon zu den günstigsten Erzeugungsformen gehört. Auch die Pläne zur Einbeziehung der Eigenstromerzeugung gerade auch für bestehende Anlagen verunsichern Investoren und schaden damit der Energiewende.“

SMA Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon stellte fest, dass die geplante Belegung des Eigenverbrauchs von Solarstrom mit einer Umlage für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren kontraproduktiv sei. „Gerade im Bereich des Eigenverbrauchs für private und gewerbliche Anwendungen ist die Photovoltaik häufig bereits ohne EEG-Förderung wirtschaftlich. Im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen hat SMA nach der letzten EEG-Reform innovative Systemtechnik und Lösungen für das Energiemanagement entwickelt. Diese Investitionen in Forschung und Entwicklung werden sich bei Umsetzung der Reformpläne voraussichtlich erst sehr viel später amortisieren“, so Urbon.

Andreas Helbig, Vorstandsvorsitzender der Städtische Werke Aktiengesellschaft, bemerkte, dass bereits geplante Projekte nach der vorgesehenen Änderung des EEG nicht mehr umgesetzt werden könnten. „Die Städtischen Werke haben erhebliche Vorleistungen erbracht, um die Energiewende in Nordhessen voranzubringen. Dazu gehören sowohl wissenschaftliche Studien als auch konkrete Projektentwicklungen etwa für Windparks. Allein im Bereich Stromversorgung können in Verbindung mit einer regionalen Energiewende jährlich über 300 Millionen Euro an Wertschöpfung und Beschäftigung in Nordhessen gehoben werden. Es besteht die akute Gefahr, dass die Umsetzung dieser Maßnahmen durch das neue EEG nicht mehr möglich sein wird. Die vorgesehenen Regelungen spielen ausschließlich Großinvestoren in die Hände“, so Helbig.

Thomas Weber, Geschäftsführer der EAM, betonte die Rolle der regionalen Energieversorger für die Umsetzung der Energiewende. In das Verteilnetz der Ende 2013 aus der Rekommunalisierung der E.ON Mitte hervorgegangenen EAM speisen bereits über 42.000 EEG-Anlagen Strom ein, davon 376 Windkraftanlagen. Aktuell liegen dem Unternehmen circa 80 Anschlussbegehren für weitere Windparks mit etwa 300 Windkraftanlagen vor, deren Umsetzung sich unter anderem vor dem Hintergrund der EEG-Novellierung verzögert. Die installierte Leistung von Windkraftanlagen am Netz der EAM würde sich entsprechend verdreifachen. „Damit entstehen bei der EAM erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich Beginn und Umfang der Investitionen in den Ausbau der Verteilnetze zur weiteren Aufnahme regenerativ erzeugter Strommengen“, so Weber.

Auch das Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechnologien deENet kritisiert als Treiber der regionalen Energiewende die geplante EEG-Reform. deENet Geschäftsführer Dr. Martin Hoppe-Kilpper führte aus, dass die geplanten massiven Kürzungen im Bereich Wind (an Land), Photovoltaik und Bioenergie den Strukturwandel hin zu einer dezentralen Energieversorgung in Deutschland gefährden. „Durch die dann fehlende Investitionssicherheit bekommen Kommunen mit ihren engagierten Bürgerinnen und Bürgern große Schwierigkeiten, ihre Projekte zu realisieren. Genau diese Akteure sind es aber, die die dezentrale Energiewende mit einer regionalen Wertschöpfung vor Ort erst ermöglichen“, so Hoppe-Kilpper.

Prof. Dr.-Ing. Jens Hesselbach, Wissenschaftlicher Institutsleiter am Institut für dezentrale Energietechnologien (IdE) führte aus, dass die aktuellen Planungen auch den Eigenstromverbrauch aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit einer anteiligen EEG-Umlage zu beaufschlagen vollständig konträr zur Zielsetzung der Bundesregierung sei. „Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen haben begonnen, in dezentrale Versorgungsstrukturen auf Basis von KWK zu investieren. Zudem gibt es zwei führende deutsche Anbieter von KWK in Hessen, die bereits jetzt in der Geschäftsentwicklung die Auswirkungen einer drohenden EEG-Umlage deutlich spüren. Über das originäre Ziel, mit einer solchen Regelung große Kraftwerke mit KWK an der EEG-Umlage zu beteiligen, sollte nicht der sich gerade wieder positiv entwickelnde Markt für kleine KWK mit Leistungen unter 1 MW wieder abgewürgt werden.“

Tarek Al-Wazir nahm sich viel Zeit, um die Fragen der Unternehmer und Wissenschaftler zu beantworten und gegenseitig Erfahrungen auszutauschen. Sein Fazit: „Diese Gesprächsrunde hat gezeigt, dass ein direkter Gedankenaustausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wichtig ist. Gerade bei dem hochkomplexen Thema der Energiewende sind alle Seiten gefragt. Um sie zum Erfolg zu führen, muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Aber auch die Unternehmen müssen ihren Beitrag durch weitere Innovationen und Kostensenkungen leisten. Ich nehme aus der guten und offenen Debatte wichtige Anregungen mit.“ (red)



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