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Speerwerfen: Henri Alter knackt erneut 60 Meter-Marke

henri-alter140804Borken/Melsungen. Im Jahr 2014 wurde Henri Alter (MT Melsungen) zweifacher Landesmeister im Dreisprung in der U18 und sicherte sich die süddeutsche Vize-Hallenmeisterschaft in dieser Disziplin. Mit seiner enormen Sprungkraft war er in der Lage fast 14 Meter weit zu springen und gehörte zu den besten Dreispringern des DLV in der U18. Aber eine Fersenprellung stoppte diese Entwicklung, so dass er sich mehr auf das Speerwerfen konzentrierte. Im Vorjahr gewann er souverän die Landesmeisterschaft, obwohl er fast ein halbes Jahr keinen Sport betreiben konnte. Zu Beginn des Jahres sprang er in der Halle 6,71 Meter weit, überquerte 1,80 Meter im Hochsprung, lief die 100 Meter unter 11,50 Sekunden und belegte im Speerwerfen bei den deutschen Winterwurfmeisterschaften in Sindelfingen den 7. Rang. Noch nie war es einem Jugendlichen aus dem Schwalm-Eder-Kreis bis dahin gelungen, mit dem 800g-Speer über die begehrte 60m-Marke zu werfen. Obwohl die meisten seiner Konkurrenten wegen der unfreundlichen Witterungsbedingung zwei drei Meter unter ihrer Bestweite blieben, knackte Henri mit 60,30 Meter zum ersten Mal diese Marke und machte auf sich aufmerksam.

Dabei deutete der Abiturient im Training an, dass er die Weite drauf hatte. „Es war ein schöner Moment, ausgerechnet bei den deutschen Meisterschaften diese 60m-Marke zu übertreffen“, sagte Henri. Dieses Super-Ergebnis motivierte ihn noch mehr, so dass er von einem großen Ziel träumte. „Diese gute Leistung von Sindelfingen war der Auftakt in die Wettkampfsaison 2014, die offiziell erst am 17. Mai in Halle beginnen sollte. Nachdem im ersten Teil die Schwerpunkte auf dem Kraft-, Schnelligkeits- und Sprungkrafttraining lagen, wurde ab März wöchentlich auch das Techniktraining eingeführt, damit aus dem Anlauf ein flüssiger und nahtloser Übergang erfolgen konnte. Dieses Training sollte dem Melsunger Talent den Feinschliff für eine Top-Saison verleihen. Und dass man auf einen richtigen Weg war und sich die Strapazen des Trainings auszahlten, erkannte man Ende April, als sein Speer im Training fast 65 Meter weit flog. Damit war Henri Alter nur noch vier Meter von der Qualifikationsnorm für die U20-WM in Eugene entfernt.

Nach dem Abitur, dass er an der Melsunger Geschwister-Scholl-Schule ablegte, verletzte er sich am 1. Mai beim Fußballspielen so stark am Fuß, dass er fast drei Monate keinen Sport betreiben konnte. Ein Training mit systematischer körperlicher Belastung zum Zwecke der Leistungssteigerung war von da ab nicht mehr möglich. Während seine Vereinskameraden immer besser in Form kamen und viele Erfolge feiern konnten, durfte Henri nur zuschauen und musste miterleben, wie bei den hessischen Meisterschaften der Titel mit einer Leistung unter 55 Meter wegging. Wegen der starken Prellung und des Haarrisses am Fuß konnte er sich zeitweise nur mit Gehhilfen bewegen.

Beim Sparkassen-Cup in Neukirchen half er seinem Team aus und erzielte aus dem 3er-Rhythmus etwas mehr als 47 Meter. Am 23. Juli startete er bei einem Abendsportfest in Bebra. Obwohl er noch Schmerzen im Fuß verspürte, ließ sich von Karl Westphal, dem hessischen Jugend-Vizemeister, nicht die Butter vom Brot nehmen. Lange hatte er um diesen Start bangen müssen. Doch als er den Speer in die Hand nahm und damit anlief, hatte sein „unbeugsamer Wille“ gesiegt. Trotz seines viel zu langsamen Anlaufs in der letzten Phase begann er mit 51,73, ließ 52,69 Meter folgen und kam im dritten Versuch auf 54,29 Meter. Sie Freund aus Wanfried war chancenlos, denn alle fünf gültige Würfe des Melsungers waren weiter als der beste Wurf seines Freundes aus Wanfried, dessen weitester Wurf mit 48,98 Meter gemessen wurde.

henri-alter140804aNach diesem Wettkampf in Bebra trainierte Henri Alter eine Woche lang nur mit dem 700g-Speer und wurde bei jedem Training besser. Der U18-Speer landete manchmal an der 65m-Marke. Im Reißen konnte er sein eigenes Körpergewicht dreimal bewältigen, so dass er fast die gleichen Werte wie vor seiner Verletzung hatte.

Vor den deutschen Jugendmeisterschaften, die nächstes Wochenende in Wattenscheid ausgetragen werden, sollte Henri Alter beim Feriensportfest in Borken starten. Über 54,30, 55,18 und 56,41 verbesserte er sich auf 56,81 Meter. Im fünften Durchgang landete der Speer bei 57,03 Meter, bevor er im letzten Versuch für den Paukenschlag sorgte. Es war eine Belastung mentaler Natur. Dieser Wurf war der letzte Wettkampfwurf vor den nationalen Titelkämpfen und es sollte gleichzeitig eine Standortbestimmung für Athlet und Trainer sein. Obwohl der Anlauf keinesfalls optimal war, demonstrierte Henri Alter seine Wurfgewalt. Das Ergebnis seines letzten Versuchs dämmerte ihm in dem Moment, in dem der Speer seine Hand verließ: „Ich habe sofort gemerkt, dass er sehr weit fliegen würde“, sagte er später. Bei 60,48 Meter bohrte sich der Speer in den Rasen des Blumenhain-Stadions. Damit knackte Henri Alter zum zweiten Mal in diesem Jahr die 60m-Marke und verbesserte seinen eigenen Kreisrekord um 18 Zentimeter. Er ist nun guter Dinge, dass am Sonntag, den 10. August sein Speer sich wieder jenseits der 60m-Marke in den Wattenscheider Rasen bohren wird.

Auf die Frage, warum er nach so einer langen Verletzungspause so schnell wieder den Anschluss gefunden hat, meinte Trainer Alwin J. Wagner, dass bei Henri die Theorie des „physiologischen Gedächtnisses“ zutreffen würde. Nach dieser Theorie kann der Körper Belastungsmuster und Anpassungsreaktionen „speichern“. Treten entsprechende Reize zu einem späteren Zeitpunkt erneut auf, „erinnert“ sich der Körper daran. Er kann nun in sehr viel kürzerer Zeit als beim ersten Mal die erforderlichen physiologische Anpassungen realisiern und damit das frühere Niveau erreichen und sogar übertreffen.

Trainer und Athlet hoffen nun gemeinsam, dass durch die neuen Anpassungsprozesse eine noch größere Leistungsfähigkeit möglich ist und dass Henri das Finale der besten acht Speerwerfer der U20 in Wattenscheid erreichen wird. Dazu muss aber auch der Kopf mitspielen. (ajw)



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