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Zehn Jahre „Schule ohne Rassismus“

Homberger BTHS feiert am 28. Juni Geburtstag

Die AG am 28. Juni 2007 mit ihren Gründungsmitgliedern Ulrike Döbel, Johanna Helm, Deborah Jellinghaus, Annette Lischka, Xenia Simon, Franziska Zinn, Denis Cohen, Markus Lange und Sebastian Vaupel. Foto: Schulmuseum der BTHS

Die AG am 28. Juni 2007 mit ihren Gründungsmitgliedern Ulrike Döbel, Johanna Helm, Deborah Jellinghaus, Annette Lischka, Xenia Simon, Franziska Zinn, Denis Cohen, Markus Lange und Sebastian Vaupel. Foto: Schulmuseum der BTHS

Homberg. WWährend des Schuljahres 2006/2007 kam im Geschichtsgrundkurs Schattner der Jahrgangsstufe 12 bei mehreren Schülern der Gedanke auf, sich stärker auch innerhalb der Schulgemeinde politisch zu betätigen. Schließlich war ein Teil der Jugendlichen an der BTHS nach der Jahrtausendwende immer politischer geworden. Was lag da näher als eine „Schule ohne Rassismus“ zu werden?

Den Anstoß hatte dazu Stephanie Schütz in der Schülervertretung gegeben. Bereits im Januar 2006 hatte sie das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (im Folgenden: SoR) auf einer Sitzung der Schulkoordinierungsgruppe vorgestellt, im Februar stellten dann Schüler das Projekt auf einer Gesamtkonferenz vor. Von nun an sammelten Schüler – vornehmlich aus der damaligen Jahrgangsstufe 12 – Unterschriften, um das Projekt auf den Weg zu bringen. Mindestens 70 Prozent aller Schüler, Lehrer und Mitarbeiter der BTHS mussten nun schriftlich zustimmen, um eine „SoR-Schule“ zu werden. Und das gelang.

Da die Gründungsmitglieder der AG bereits im Jahr 2006 den Autor als schulinternen „Paten“ wünschten, wurde dem entsprochen und so durfte der betreuende Lehrer von Anfang an und bis heute die jeweilige AG-Schülergeneration begleiten und betreuen.

Der „Pate“ der AG Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, beim Besuch „seiner AG“ im Juni 2017. Foto: Thomas Schattner

Der „Pate“ der AG Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, beim Besuch „seiner AG“ im Juni 2017. Foto: Thomas Schattner

Schließlich ist die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrer in den AGs eine ganz besondere, weil AGs Eigendynamiken entwickeln können, die gerade im Bereich des forschenden Lernens unheimlich fruchtbar sein werden. Erst Recht bei der AG SoR, da eine solche AG selbstverständlich nur demokratisch geführt werden kann. So kommt man sich durch die intensive Zusammenarbeit und gemeinsamen Fahrten zu Fortbildungen, zu SoR-Treffen oder zu Wettbewerbsgewinnen menschlich näher und man lernt so auch als Pädagoge enorm dazu. Eine solche AG aus Lehrersicht zu leiten, bedeutet ein Geben und ein Nehmen, und das ist großartig. Das führte in nicht wenigen Fällen nebenbei dazu, dass die Kontakte zwischen den ehemaligen Mitgliedern nie abgerissen sind, zu vielen Ehemaligen der AG gibt es noch heute freundschaftliche Kontakte, einige kommen in den Semesterferien gerne mal auf einen Kaffee in Wabern vorbei, andere kommen als Studenten zu ihren Lehramtspraktika an die BTHS zurück.

Mehr als 80 Schüler durchliefen in den letzten zehn Jahren die AG, opferten Freistunden und Freizeit und waren sogar oft an Wochenenden für die AG unterwegs. Dazu wurden viele große Veranstaltungen gestemmt, wie z.B. seit 2011 die Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht im November 1938, Veranstaltungen zum Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 und zum Kriegsende 1945, Wochenendseminare wurden geplant und durchgeführt, Rockkonzerte, Podiumsdiskussionen und Projekttage gegen rechts und für Flüchtlinge und Asylsuchende wurden organisiert, Filmabende wurden durchgeführt, ein Anti-Mobbing-Konzept erdacht und erprobt, etc. Kurzum: Die AG prägt bis heute mit das öffentliche Erscheinungsbild der Schule. Und spätestens seit der Diskussion mit Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz im September 2015 über „Flüchtlinge und Bildung“ gehört die AG mit zu den intellektuellen Zentren der Schule.

Dazu kooperiert die AG seit dem Schuljahr 2013/2014 mit der EKS hervorragend, dank Gunnar Krosky, dem Vertrauenslehrer der EKS, um gemeinsame Vorurteile in den jeweiligen Schülerschaften abzubauen.

Aus Anlass des runden Geburtstags hat die AG eine Ausstellung im Altbau der BTHS aufgebaut, die in sechs Stationen in über 250 Dokumenten ihre Geschichte zeigt. Die Stationen befinden sich vor den Kunsträumen in  014 und 113 sowie in den Fluren des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses. Die Ausstellung ist für die interessierte Öffentlichkeit zu den normalen Schulzeiten bis zum 30. Juni von 8 Uhr bis 15.30 Uhr zugänglich. Finanziell ermöglicht hat dies, wie schon bei anderen Projekten, die Kreissparkasse Schwalm-Eder unter ihrem Leiter Michael Sack.

Am Geburtstag

Die AG im Jahr 2017 als Preisträger des Heinrich-Ellenberger-Preises der BTHS, leider unvollständig. Foto: Thomas Schattner

Die AG im Jahr 2017 als Preisträger des Heinrich-Ellenberger-Preises der BTHS, leider unvollständig. Foto: Thomas Schattner

Am 28. Juni werden viele ehemalige Mitglieder zurück an ihre alte Schule kehren, um bei einem „Familientreffen“ ab 10.00 Uhr auf ihre Nachfolger zu treffen. Aus allen „vier Generationen“ der AG haben es Ehemalige möglich gemacht, zur Geburtstagsfeier zu kommen. Dazu wurden auch Kooperationspartner und Sponsoren eingeladen, so dass der Tag im Zeichen des Austausches stehen wird, aber auch ein Tag der Rückblicke und möglicher Ausblicke werden kann.

Denn die AG hat viele Schüler geprägt. So schrieb ein ehemaliges Mitglied, das 2014 Abitur gemacht hat: „Gebracht hat mir die AG wirklich viel. Vordergründig mehrere lange und feste Freundschaften, aber auch Kontakt zu anderen ‚Linken‘ in der Gegend. Beides zusammen ist rückblickend entscheidend für die Herausbildung und Festigung meiner politischen Meinung. Außerdem konnte ich einiges an Erfahrungen in der Organisation von Veranstaltungen und Konzerten sammeln, sowie die Erkenntnis, dass politische Arbeit nur langsam Erfolg bringt und auf ihr Klientel zugeschnitten werden muss.“

Und eine Schülerin, die 2016 Abitur gemacht hat, bilanzierte ihre Zeit der AG wie folgt: „Ich war in der AG SOR, weil ich es wichtig finde, sich für das gesellschaftliche Zusammenleben in positiver Weise einzusetzen. Die AG bietet die Möglichkeit, als Gruppe auf aktuelle Missstände aufmerksam zu machen oder an geschichtliche Ereignisse zu erinnern. Für mich war die AG auch deshalb ein sehr spannender Ort, weil ich es interessant finde, sich mit der eigenen bzw. der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Letztendlich war die AG für mich ein Team, ein Verbund von verschiedenen Menschen, die sich gemeinsam für eine Sache einsetzen. Ich bin sehr gerne in die AG gegangen.“

Ein aktives Mitglied meint zur AG:  „Ich finde es toll, dass unsere Schule diese AG anbietet, da man so auch wirklich etwas fürs Leben lernen kann. Klar, Fächer wie Mathe, Deutsch und Englisch sind wichtig, aber sie prägen nicht so entscheidend unsere Persönlichkeit. In so AGs wie dieser jedoch, setzt man sich mit Schicksalen der Menschen, die der Grausamkeit der Menschheit zum Opfer gefallen sind, auseinander. Man befasst sich mit der Geschichte, mit wichtigen Ereignissen und wichtigen Geschehnissen, die in der Vergangenheit passiert sind, jedoch so nicht wirklich im Unterricht behandelt werden. In dieser AG werden andere Werte geschätzt, es ist nicht wichtig, wie wir aussehen, wie alt wir sind, wie unsere schulischen Leistungen sind, aus welchen Verhältnissen wir kommen, dort arbeiten alle zusammen, halten zusammen und helfen sich gegenseitig und das finde ich bewundernswert und toll. Man lernt in dieser AG auch viele tolle Menschen kennen, die wie oben schon genannt, andere Werte im Kopf haben. Ich wurde an meinem ersten Tag direkt freundlich empfangen und warm angelächelt, und diese freundschaftliche Stimmung macht die AG zu etwas einzigartigem. Ich freue mich schon auf unsere vielen weiteren Projekte und AG-Stunden.“ (Thomas Schattner)



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