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Geschichte & Recherche – Blanka Pudler im Film

Filmszene mit Rike Bauer (li.) in der Rolle von Blanka und Lea Achler in der Rolle von Helga, die ihr Brot mit Blanka teilt. Foto: Ruckel/ frei | nh
Filmszene mit Rike Bauer (li.) in der Rolle von Blanka und Lea Achler in der Rolle von Helga, die ihr Brot mit Blanka teilt. Foto: Ruckel/ frei | nh

Region. Ein nicht alltägliches Projekt realisierten in den vergangenen Wochen Schüler/innen der Freiherr vom Stein-Schule Hessisch Lichtenau und der Herderschule Kassel gemeinsam mit dem Gudensberger Autor Dr. Dieter Vaupel (Universität Kassel) und dem Offenen Kanal Kassel.

KZ-Lager und Rüstungsfabrik

Sie verfilmten Szenen aus dem Leben von Blanka Pudler, die als 15-jähriges Mädchen Zwangsarbeit in der ehemaligen Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau/Hirschhagen leisten musste. Dabei verknüpften sie in ihrem Film die bewegenden Erlebnisse von Blanka Pudler – damals im Alter der Schülerinnen, die nun in ihre Rolle schlüpften – mit dem langen Weg, den die Recherche zur Aufdeckung der Geschichte des Lichtenauer KZ-Lagers und der Rüstungsfabrik gebraucht hat.

Dieter Vaupel, der mit Blanka Pudler aus Budapest (*1929 +2017) drei Jahrzehnte lang viele Zeitzeugengespräche in ganz Nordhessen und darüber hinaus organisiert hat, schrieb die Erlebnisse der ehemaligen Zwangsarbeiterin auf und veröffentlichte nach ihrem Tod im Jahr 2018 darüber ein Buch. „Auf einem fremden unbewohnbaren Planeten. Wie ein 15-jähriges Mädchen Auschwitz und Zwangsarbeit überlebte“, so der Titel des Buches, das mittlerweile an vielen Schulen als Unterrichtslektüre gelesen wird.

Erste Historische Spuren freigelegt

So auch an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau. Dort nahm auch Vaupels Recherche vor mehr als 35 Jahren ihren Ausgang. Auch darüber erzählt der rund 20-minütige Film in einer Szene, die im Schulgebäude gedreht wurde, dort wo 1982 am Ende einer Projektwoche von einer Schülergruppe unter der Leitung von Vaupel, damals junger Lehrer an der Schule, erste historische Spuren in ein dunkles Kapitel der Vergangenheit freigelegt wurden. „Ein Aufschrei ging durch den Ort, mit einem Konzentrationslager und dem Thema Zwangsarbeit von verschleppten jüdischen Mädchen und Frauen wollte man nicht in Verbindung gebracht werden“, so Vaupel in dem Film.

Dr. Dieter Vaupel hat eine Bombe, die aus Hirschhagen stammt, in der Hand und erläutert vor einem ehemaligen Produktionsgebäude die Arbeitsbedingungen unter denen Blanka und die anderen Frauen leiden mussten. Foto: Karnebogen | nh
Dr. Dieter Vaupel hat eine Bombe, die aus Hirschhagen stammt, in der Hand und erläutert vor einem ehemaligen Produktionsgebäude die Arbeitsbedingungen unter denen Blanka und die anderen Frauen leiden mussten. Foto: Karnebogen | nh

Von SS-Leuten vorwärtsgetrieben

Heute, viele Jahre später, setzt man sich auf dem Hintergrund wissenschaftlich recherchierter Daten und Fakten anders damit auseinander. So veranstalteten Schülerinnen und Schüler im vergangenen Juni mit großer Anteilnahme der Lichtenauer Bevölkerung eine Menschenkette vom ehemaligen Lager in der Heinrichstraße – heute Schulgelände – bis Sprengstofffabrik, um an das Leiden von Blanka Pudler und den anderen Zwangsarbeiterinnen zu erinnern.

Die Idee, nun einen Film zu drehen, knüpft an den damals gemachten Erfahrungen an. Während Alida Scheibli (Herderschule) – von der auch die Filmmusik ist – in dem Film aus dem Buch in einem ehemaligen Hirschhagener Produktionsbunker liest, werden schwarz-weiß-Szenen eingeblendet, in denen etwa Rike Bauer in der Rolle der Blanka auf dem Weg durch die Stadt zum Arbeitsplatz, von SS-Leuten vorwärtsgetrieben wird oder in der Blanka Kontakt zu der deutschen Dienstverpflichteten Helga – gespielt von Lea Achler – bekommt, die sie tröstet und das Essen mit ihr teilt.

Trotz des vielen Leides zurückgekommen

Warum sie ein solches Projekt realisieren? Auch darüber geben die Schüler in dem Film Auskunft. „Heute werden in Deutschland Rechtsparteien immer stärker“, so Fine Hänsel, „deshalb müssen wir uns an das erinnern, was damals hier geschah, damit so etwas nicht noch einmal passiert“.

„Ich finde es schade, dass viele Menschen die Geschichte von Blanka und den anderen Frauen nicht kennen, deshalb wollen wir daran erinnern“, merkt Lea Achler an, und Tom Herwig findet Blanka so besonders, „weil sie so viel Leid in Hessisch Lichtenau erfahren hat und trotzdem wieder zurückgekommen ist“.

Auch für Clara Hintze ist Blanka „eine äußerst bemerkenswert Frau, von der wir viel lernen können. Für mich ist es unvorstellbar, was sie durchgemacht hat und dass sie trotz allem nie aufgegeben hat“.

Bewerbung um den MedienKompetenzPreis des LPR-Hessen

Nun will sich die Schule mit diesem besonderen Filmprojekt um den MedienKompetenzPreis des LPR-Hessen bewerben und rechnet sich gute Chancen aus, unter die Preisträger zu kommen.

Ein Sendetermin für den Film vom Offenen Kanal Kassel ist noch nicht festgelegt worden. Eine englische Filmversion ist in Vorbereitung. Sie ist als Videobotschaft für die Präsentation eines Buches über eine andere Lichtenauer Zwangsarbeiterin, Kati Salzer, in den USA gedacht.

(red)



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