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Szenische Lesung mit Klavier-Begleitung

Alida Scheibli und Dr. Dieter Vaupel in der Gedenkstätte Breitenau vor den Ausstellungstafeln zur jüdischen Geschichte Felsbergs. Foto: Ann Kathrin Düben
Alida Scheibli und Dr. Dieter Vaupel in der Gedenkstätte Breitenau vor den Ausstellungstafeln zur jüdischen Geschichte Felsbergs. Foto: Ann Kathrin Düben

Guxhagen. Die Vertreibung der Juden zeigt wohin Intoleranz führt. Zum ersten Mal nach dem Ende der coronabedingten Einschränkungen hatte die Gedenkstätte Breitenau zu einer Lesung geladen.

Szenische Lesung mit Musik

Am vergangenen Donnerstagabend war der Gudensberger Autor Dr. Dieter Vaupel zusammen mit Alida Scheibli in der Gedenkstätte zu Gast. Gemeinsam präsentierten beide eine szenische Lesung aus Vaupels Buch „Etwas Schaden ist wohl bei den meisten Juden eingetreten“, in dem es um jüdisches Leben in Felsberg geht. Scheibli begleitete zudem die Veranstaltung durch drei selbst komponierte Stücke am E-Piano.

Nach einem Überblick über den Inhalt des Buches, das die Geschichte der Felsberger Juden vom Ende des 16. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit nachzeichnet, warfen Vaupel und Scheibli vor allem Schlaglichter auf die Zeit direkt nach 1933 und die Ereignisse des Novemberpogroms von 1938. Eindrucksvoll ließen sie dabei ehemals in Felsberg lebende Juden und Jüdinnen zu Wort kommen, indem sie aus Briefen und Berichten zitierten.

„Bei jeder patriotischen Aktion war ich dabei …“

„Wir haben fürchterlich unter der Nazizeit und der Auswanderung gelitten“, so Else-Paula Hammerschlag in einem Brief. Und ihr Mann Nathan schreibt nach seiner Flucht nach Südamerika: „Ich fühlte mich immer zuerst als Deutscher, dann als Jude. Bei jeder patriotischen Aktion war ich dabei, in allen Vereinen war ich Mitglied. Ich konnte es nicht verstehen, dass man uns nun ächtete.“

Anschließend standen neben den Opfern auch die Täter, die maßgeblich zur Vertreibung der Juden aus dem Ort beitrugen, im Mittelpunkt. Nicht zuletzt würdigten Vaupel und Scheibli aber auch die „stillen Helden“, wie etwa Frau Fülling, die ihren jüdischen Nachbarn regelmäßig heimlich Essen brachte und dabei die Sicherheit ihrer Familie riskierte.

Menschenwürde ist das höchste Gut

Auch die Frage, warum man sich heute noch (oder wieder) an all das erinnern sollte, wurde thematisiert. Vaupel: „Das Beispiel Felsberg zeigt eindringlich, wohin Intoleranz und Hass führen, es macht sensibel dafür, auch heute genau hinzusehen. Die Menschenwürde zu achten und zu schützen ist unser höchstes Gut.“

Gedenkstätte und Kloster Breitenau in Guxhagen. Foto: Gerald Schmidtkunz
Gedenkstätte und Kloster Breitenau in Guxhagen. Foto: Gerald Schmidtkunz

(red)



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