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Migranten: IG Metall will gleiche Chancen für alle

Gudensberg. „Migrantinnen und Migranten haben auf dem Arbeitsmarkt eine deutlich schlechtere Stellung als ihre deutschen Kollegen“, diess hat die Arbeitswissenschaftlerin Dr. Carola Burkert am Samstag bei der Delegiertenversammlung der IG Metall Nordhessen in Gudensberg gesagt. Die erfolgreiche Positionierung von Zuwanderern auf dem Arbeitsmarkt sei aber eine wichtige Voraussetzung für die gesamtgesellschaftliche Integration, sagte sie. Die 43-jährige Wissenschaftlerin arbeitet in der Arbeitsgruppe „Migration und Integration“ im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Frankfurt am Main.

Höhere Arbeitslosigkeit, häufiger im Übergangssystem
Anschaulich werde die schlechte Positionierung etwa in der Arbeitslosenstatistik. So seien in Hessen derzeit 12,9 Prozent der Ausländer ohne Job, aber nur 4,8 Prozent der deutschen Staatsangehörigen. Junge Migrantinnen und Migranten landen laut Burkert zudem signifikant häufiger als ihre deutschen Altersgenossen im Übergangssystem und durchlaufen Maßnahmen, die teilweise nicht zu einem Abschluss führen. Im Jahr 2010 begannen demnach nur 34 Prozent der jungen Ausländer eine duale Ausbildung, während es bei den deutschen jungen Erwachsenen rund 50 Prozent waren. Der Zugang zum Ausbildungsmarkt sei für junge Migranten und Migrantinnen häufig die schwerste Hürde auf dem Weg in den Arbeitsmarkt, sagte Burkart. Dabei sei gerade die Ausbildung das wichtigste Bindeglied zwischen Schule und Arbeitsmarkt.

Ausschlaggebend für den Erfolg am Ausbildungsmarkt seien nicht nur Deutschkenntnisse und Bildungszertifikate, sondern auch die soziale Herkunft und der Status. „Migranten haben häufiger einen geringeren sozialen Status, der zumeist vom Beruf des Vaters abhängt“, sagte Burkert vor den rund 150 Delegierten der Metallgewerkschaft. Zudem könne die betriebliche Rekrutierungsorganisation tendenziell zum Ausschluss von Migranten bei Bewerbungsverfahren führen. Angesichts des demographischen Wandels sei es aber gerade für Regionen wie Nordhessen wichtig, das Potential der Arbeits- und Ausbildungssuchenden möglichst gut zu nutzen. Um die Benachteiligung abzubauen sei es unter anderem notwendig, die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen zu verändern, sagte Burkert.

IG Metall will Chancen für alle lokal durchsetzen
„Hier kommen wir ins Spiel“, entgegnete der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, Oliver Dietzel. „Wir bitten die bei uns organisierten Betriebsräte, bei den Bewerbungsverfahren darauf zu achten, dass Migranten genauso eine Chance bekommen wie Deutsche“, sagte der Gewerkschafter. Sein Appell wurde vom Vorsitzenden des Ortsmigrantenausschusses der IG Metall Nordhessen, Bilal Sahin, unterstützt. Betriebsräte könnten etwa die betrieblichen Gleichstellungsberichte, die bisher die Lage von Frauen und Schwerbehinderten fokussieren, um Migranten erweitern, schlug er vor. Arbeitsforscherin Carola Burkert hält zudem anonymisierte Bewerbungen für ein sinnvolles Instrument. Es eigne sich aber vor allem für größere Betriebe.

„Es geht jedenfalls nicht an, dass Migranten bei uns überproportional häufig im Niedriglohnsektor und in Leiharbeit beschäftigt werden“, sagte Oliver Dietzel. Nicht zuletzt, weil eine Erwerbsbiografie, die nur aus prekärer Arbeit besteht, zwingend zu Altersarmut führe. „Wer bei uns lebt soll hier unabhängig vom Namen und der Herkunft faire Chancen haben“, gab Dietzel als Ziel vor. Die IG Metall sehe sich in der Pflicht, dafür vor Ort konkrete Schritte zu tun.

IG Metall beteiligt sich an Aktionstag „Umfairteilen“ in Frankfurt
Um Fairness geht es auch bei dem Aktionstag „Umfairteilen – Reichtum besteuern“ am 29. September 2012 in Frankurt am Main (http://umfairteilen.de/start/aktionen/frankfurtmain/). Die Delegierten der IG Metall Nordhessen sprachen sich in Gudensberg mit überwältigender Mehrheit dafür aus, den Aktionstag zu unterstützen. „Die neoliberale Politik schwächt die Kaufkraft und wirkt damit krisenverschärfend“, sagte Oliver Dietzel. Mit der Beteiligung am Aktionstag in Frankfurt wolle man den Druck auf die Politik erhöhen, hier endlich ein Umdenken einzuleiten. „Wir müssen diejenigen zur Kasse bitten, die Geld haben – nicht wie in Griechenland die Ärmsten“, sagte Dietzel.

Zur Anreise will die Metallgewerkschaft Busse ab Kassel zur Verfügung stellen. Die Abfahrt ist am 29. September 2012 um 8.30 Uhr am Auestadion in Kassel. Anmeldungen nimmt die IG Metall Nordhessen ab Montag unter (0561) 70005-0 entgegen.

Weitere Informationen  unter www.igmetall-nordhessen.de. (red)



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