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Landwirtschaft und Naturschutz vereinen

Bewahrung der Schöpfung geht alle an: Dekanin Sabine Tümmler und Pfarrer Dierk Glitzenhirn begrüßen Umweltstaatssekretär Oliver Conz (Mitte) zur Diskussionsrunde im Martin-Luther-Haus. Foto: Uli Köster

Von ULI KOESTER – Fritzlar. Im vergangenen Herbst unterschrieben Vertreter des Landes Hessen, des Hessischen Bauernverbandes sowie die mehrerer hessischer Umwelt- und Naturschutzverbände die „Kooperationsvereinbarung Landwirtschaft und Naturschutz in Hessen“.

Zielformulierung in der Präambel

Deren Ziel ist es, vielfältige Landschaften und Lebensräume wiederherzustellen und dem Verlust der Artenvielfalt und der zunehmenden Belastung natürlicher Ressourcen in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt entgegenzutreten. Landwirtschaft und Naturschutz bekundeten, die Herausforderungen auf Augenhöhe und in wechselseitigem Respekt anzunehmen, letztendlich trage jedoch die ganze Gesellschaft Verantwortung, heißt es in der Präambel zu dieser Vereinbarung.

Fachdiskussion im Martin-Luther-Haus

Kürzlich veranstaltete das Evangelische Forum Schwalm-Eder einen Diskussionsabend zu dieser Thematik. Neben Umweltstaatssekretär Oliver Conz waren Vertreter aller beteiligten Interessensgruppen zu dieser Fachrunde ins Fritzlarer Martin-Luther-Haus eingeladen.

Dekanin Sabine Tümmler begrüßte knapp 20 Gäste, „Bewahrung der Schöpfung ist quasi kirchliche DNA“, fand sie gleich zu Beginn die Verbindung zwischen Veranstaltern und Teilnehmenden.

Neue Biodiversitätsberatung

„Einige von ihnen haben an der Vereinbarung mitgewirkt“, machte Moderator Pfarrer Dierk Glitzenhirn nach der Vorstellungsrunde deutlich und übergab das Wort an den Staatssekretär. „Hessen ist traditionell kleinbäuerlich geprägt, aber das ist heute nicht mehr wirtschaftlich“, sagte Conz mit Blick auf die völlig anderen Strukturen im Osten Deutschlands und global gesehen. Seit den 50er Jahren habe sich der Ernteertrag auch hierzulande etwa verdreifacht, beschrieb Conz die positive Entwicklung, „allerdings blieb der Naturschutz häufig auf der Strecke“, fügte er bedauernd hinzu.

„Seit Mai gehen die Stellenbesetzungen voran“, nannte der Staatssekretär erste Fortschritte bei der vereinbarten Einrichtung des neuen Fachgebiets Biodiversitätsberatung. Dieses soll nun künftig die Landkreise mit adäquaten Angeboten abdecken, dabei alle Betriebs- und Anbauformen ansprechen, die Fachdienste vor Ort unterstützen und zur praxisnahen Weiterentwicklung von Agrarumweltmaßnahmen beitragen.

Landwirte fordern größere Felder

„Ein guter Effekt des nun eingerichteten Runden Tisches ist es, dass wir auf mehr Konsens zwischen Landwirten und Naturschützern setzen“, betonte Jörg Nitsch, Landesvorsitzender des BUND. Durch die Gespräche seien ihnen die Schwierigkeiten der Landwirtschaft erst wirklich bewusst geworden.

„Egal, ob Öko- oder konventioneller Bauer – wir brauchen größere Felder, um wirtschaftlich arbeiten zu können“, entgegnete Bio-Landwirt Dr. Andreas Schaal den Forderungen nach Wiederherstellung umgepflügter Feldwege.

Zu viel Macht bei der Preisgestaltung

Rainer Hartmann vom NABU Homberg schlug alternativ Ausgleichsflächen an anderer Stelle vor. Ein anderer Landwirt bemängelte die Flut an Vorgaben durch die Politik und die komplizierten Verfahren bei Fördergeldern, „ich möchte bei meiner täglichen Arbeit nicht nur der Dienstleister dieser Programme sein“, stellte er klar und kritisierte zudem, dass sie oftmals nicht langfristig genug seien.

Einige Teilnehmer vermissten in der Kooperationsvereinbarung den Lebensmitteleinzel- und großhandel, bei dem viele zu viel Macht bei der Preisgestaltung sahen.

„Im Gegensatz zur Politik, können Sie zu ihrem Kaufmann gehen und regionale Produkte fordern“, riet Staatssekretär Conz, „faire Preise für heimische Landwirte lösen viele Probleme“.

Jahrhundertaufgabe gemeinsam meistern

Weitere Diskussionspunkte waren unter anderen das Verbot von Schottergärten, die Sensibilisierung der Kommunen für den richtigen Mahd-Zeitpunkt oder pädagogische Ansätze zur frühzeitigen Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für das Thema.

Darüber hinaus wünschte sich ein Teilnehmer, mit der Kooperationsvereinbarung konkret in den Kommunen weiter zu arbeiten. Die meisten waren sich am Ende einig, dass die „Jahrhundertaufgabe“ nur gemeinsam zu meistern sei. „Wir sind heute Abend in einen sehr komplexen Themenbereich eingedrungen, ohne konkrete Lösungsvorschläge geben zu können“, fasste Dierk Glitzenhirn die Gespräche zusammen, „der Respekt war jedoch ein guter Ansatz“, fügte er hinzu und lobte, bei aller Kontroverse, das disziplinierte Miteinander.

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