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Hella Böker siegt in Speerwerfen und Kugelstoßen

Erfurt/Melsungen. Am ersten Tag der deutschen Senioren-Hallen- und Winterwurfmeisterschaften in Erfurt erhöhte Hella Böker (MT Melsungen) ihre nationale Titelsammlung um weitere zwei Meisterschaften und konnte somit den 34. Titel einer deutschen Seniorenmeisterin gewinnen.

Die elften Senioren-Hallen- und Winterwurfmeisterschaften wurden mit dem Speerwerfen der W70 eröffnet. Die Fachleute waren sich dieses Mal einig:  Der Sieg konnte nur über die mehrfache Welt- und Europameisterin Hella Böker gehen, denn sie war die einzige Werferin, die in der Lage war, deutlich über die 25m-Marke zu werfen.

Im Vorjahr hatte die „MT-Sportlerin des Jahres 2011“ bei den deutschen Winterwurfmeisterschaften an gleicher Stätte den Titel mit 27.23 Meter gewonnen. Auch bei den Freiluftmeisterschaften in Minden war sie mit 26,64 Meter nicht zu besiegen.  Und auch in diesem Jahr war sie wieder die klare Favoritin.

Sie begann mit 25,20 Meter und ließ im zweiten Durchgang 26,69 Meter folgen. Damit stand schon fest, dass sie ihren Vorjahrestitel verteidigen würde, denn ihre stärkste Konkurrentin hatte mit 21,00 Metern ihre beste Weite gleich zum Auftakt erzielt. Hella Bökers Speer landete im dritten und nach einem ungültigen Versuch auch im fünften Durchgang bei 26,11 bzw. 26,17 Meter, ehe sie mit ihrem letzten Versuch mit 27,40 Metern ihre Vorjahresbestweite um 17 Zentimeter übertreffen konnte.  Damit erfüllte sich die Prognose, dass  die vielseitige Werferin aus Fuldabrück vor Monika Bernet und Ishild Müller die Goldmedaille gewinnen würde.  „Ich wollte heute unbedingt über 27 Meter werfen und bin jetzt glücklich“, sagte die alte und neue deutsche Seniorenmeisterin im Speerwerfen der W70 und freute sich über den gelungenen Auftakt.

Knapp zwei Stunden später folgte das Kugelstoßen. Zur Überraschung aller trat die Ranglisten-Dritte Ingrid Holzknecht aus Elmshorn nicht an, so dass die drei Favoritinnen Monika Bernert, Karin Illgen und Hella Böker unter sich waren und sich einen spannenden Wettkampf bis zum letzten Versuch lieferten. Es war für die Zuschauer und auch für die Beteiligten ein Krimi ohne Kommissar und Mordopfer. Aber dieser Wettkampf hatte es in sich und war mindestens genauso spannend wie der aufregendste Tatort.

Karin Illgen aus Leipzig begann mit 8,73 Meter und setzte sich vor Ishild Müller aus Niederrodenbach an die Spitze. Es folgte die Favoritin Monika Bernert von der LG Altmark. Aber die Zweite der Speerwurf-meisterschaften setzte sich mit 8,79 Meter an die Spitze, aber sie blieb dennoch hinter den Erwartungen zurück.  Nun ruhten alle Augen auf Hella Böker –  aber auch sie blieb mit 8,59 Meter unter Wert und lag nach dem ersten Durchgang nur auf Rang drei. Nachdem sich sowohl Karin Illgen (8,52 m) als auch Monika Bernert (8,69 m) nicht verbessern konnten, legte Hella Böker mit ihrem zweiten Versuch 33 Zentimeter zu und führte nun mit 8,92 Meter das Feld der besten deutschen Kugelstoßerinnen der W70 an. Im dritten Durchgang gab es keine Veränderungen, denn Bernert  (8,69 m) und Illgen (8,71 m) blieben hinter ihren Leistungen aus dem ersten Versuch zurück.  Hella Böker erreichte 8,85 Meter und deutete damit erneut an, dass sie an diesem Tag in der Lage war, die 9m-Marke zu überbieten.

Im Finale, wo jede Teilnehmerin noch drei Versuche hatte, gab es plötzlich Unruhe, denn im fünften Durchgang setzte sich Monika Bernert mit 8,98 Meter an die Spitze.  Auch Karin Illgen zeigte mit 8,86 Meter deutlich ihre Ambitionen an. Hella Bökers Stoß wurde von den Kampfrichtern ungültig gegeben, so dass der letzte Durchgang die Entscheidung bringen musste.

Monika Bernet eröffnete den sechsten und damit letzten Versuch. Die Drei-Kilo-Kugel berührte die Neunmetermarke, aber da der letzte Abdruck gemessen wird, lasen die Kampfrichter 8,93 Meter ab. Die deutsche Freiluftmeisterin von Minden lag aber immer noch mit ihren 8,98 Meter in Führung. Auch  Karin Illgen legte alles in ihren letzten Versuch, doch sie konnte ihren weiten Stoß nicht halten und musste den Kugelstoßring nach vorn verlassen, so dass die Weite nicht gewertet werden konnte.

Nun hatte es Hella Böker in der Hand.  Das letzte Mal gewann sie vor zwei Jahren in Kevelaer den Titel im Kugelstoßen mit 9,57 Meter. Aber auch an Erfurt hatte sie gute Erinnerungen, denn nachdem sie 2008 das Speerwerfen der W65 gewonnen hatte, konnte sie sich auch im Kugelstoßen mit 9,84 Meter durchsetzen. Seit dieser Zeit waren fast vier Jahre vergangen. Als sie zum letzten Mal den Kugelstoßkreis betrat, wurde es in der Halle still. Die 33-fache deutsche Seniorenmeisterin konzentrierte sich lange und als sie zum letzten und entscheidenden Kugelstoß ansetzen wollte, bekam sie in der linken Wade einen Krampf.  Sie brach den Versuch sofort ab und hatte genau noch 40 Sekunden Zeit, um den Stoß durchzuführen.  Sie dehnte ihre Bein, massierte die Wadenmuskulatur und hatte nur noch den einen Gedanken: „Jetzt oder nie“, denn im Training übertraf sie die Neunmetermarke mit neun von zehn Stößen.  Der Kampfrichter machte sie auf die letzten zehn Sekunden aufmerksam.

Hella Böker nahm die Kugel wieder auf, legte sie auf die Fingerwurzeln, drückte sie in der Schlüsselbeingrube gegen den Hals und legte ihre ganze Routine in diesen allerletzten Stoß. Sie kam nicht all zu schnell über die Kreismitte, aber über eine gute Dreh- und Streckbewegung erfolgte ein rasches Aufrichten und Drehen des Rumpfes in Stoßrichtung , so dass ihr Körper in eine vorbildliche Abstoßstreckung kam. Und was eigentlich keiner mehr erwartet hatte, trat ein: die Kugel flog deutlich über die Neunmetermarke.  Mit 9,34 Metern im letzten Versuch machte sie das wahr, was man gehofft hatte:  Hella Böker wurde nach dem Speerwerfen auch deutsche Hallenmeisterin im Kugelstoßen der W70 und verfehlte ihren nordhessischen Hallenrekord von 9,36 Metern, den sie als Landesmeisterin im Vorjahr in Hanau aufgestellt hatte, nur um zwei Zentimeter.

Doch wer gedacht hatte, dass sie nach diesem letzten Stoß und ihrem 34. Meisterschaftsgewinn eine Ehrenrunde laufen würde, sah sich getäuscht, denn große Emotionen sind nicht ihre Sache. Auch nach diesem zweiten Sieg am ersten Tag der deutschen Senioren-Hallen- und Winterwurfmeisterschaften blieb sie die Ruhe selbst, nahm die Glückwünsche ihres Ehemannes Winfried entgegen und sagte:  „Morgen geht es weiter!“

Der Melsunger Viertelmeiler Harry Geier, der am Samstag über 200 Meter der M75 an den Start gehen wollte, verzichtete auf diesen Lauf und möchte nach eigenen Aussagen alles in das morgige 400–Meter-Finale legen, wo er auf eine Medaille hofft. (ajw)



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