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MT hetzt die Zebraherde, kehrt aber ohne Beute heim

MT MelsungenKiel/Melsungen. Die MT Melsungen hat in der DKB Handball-Bundesliga das „Wunder von Kiel“ vom letzten Jahr nicht wiederholen können. Mit 29:32 unterlag die Mannschaft von Trainer Michael Roth dem ungeschlagenen Tabellenführer THW Kiel, nachdem es zur Halbzeit 13:12 gestanden hatte. Zu den erfolgreichsten Torschützen in der wie immer mit 10.285 Zuschauer ausverkauften Kieler Sparkassen Arena avancierten die Melsunger Flügelzange Sellin (8) / Allendorf (7) und Kiels Halbrechter Seite Vujin (9).

In der ersten Halbzeit hatte es den Anschein, als würde die MT auf den Spuren des Spiels vom 9. Dezember wandeln. Fahlgren & Co traten erfrischend auf und ließen jeglichen Respekt vor dem großen Namen und der riesigen Kulisse vermissen. Jeder Kieler Treffer wurde fast postwendend beantwortet. Nach knapp zehn Minuten erzwang die MT nach einem Allendorf-Strafwurf sogar die Führung (3:4). Erfolgreich agierte der MT-Linksaußen auch vom Start weg als Vorgezogener in der 5:1-Abwehrformation und störte so das Aufbauspiel der Kieler. Dahinter war auch Kreisläufer Wiencek bei seinem Pendant Danner gut aufgehoben. Dem THW war – wohl bedingt durch die drei Ein-Tore-Glückssiege in den letzten Wochen – eine gewisse Verunsicherung anzumerken. Ungewohnt dünnhäutig schien selbst Trainer Gislason, der an der Seitenlinie nahezu jede Entscheidung der Schiedsrichter reflektierte.

Angesichts der Tatsache, dass die MT ebenbürtig war, wurden die Zebras ungeduldig, wollten ebenfalls den Spielaufbau des Kontrahenten mit einer offensiveren Abwehr stören. Die Position des Vorgezogenen nahm Jicha ein. So richtig beeindruckte dies die Gäste aber nicht. Mit der Hereinnahme von Michael Müller für Malte Schröder ging von Halbrechts etwas mehr Gefahr aus, zudem kamen kurz darauf von dort zwei gute Anspiele auf Sellin, die dieser zu einem Doppelschlag nutzte. Der wiederum betätigte sich wenig später seinerseits als Passgeber. Als die MT kurz vor Halbzeit aufgrund einer Zweiminutenstrafe in Unterzahl geriet, bediente Sellin mit einem langen Ball quer durch den Torraum den auf der anderen Seite lauernden Allendorf. Dessen Ausgleich zum 12:12 wäre das gerechte Halbzeitergebnis gewesen. Doch Kiel schob sich 20 Sekunden vor dem Pausenpfiff durch einen von Vujin verwandelten Siebenmeter noch mit 13:12 nach vorn.

Der THW spürte, dass er gegen die MT noch zulegen musste, wenn er nicht schon wieder ein solches Herzschlagspiel wie gegen Gummersbach oder Wetzlar erleben wollte, bei dem die drohende Blamage vor eigenem Publikum jeweils nur durch ein glückliches Tor Sekunden vor Schluss abgewendet werden konnte. Also zündeten Jicha & Co mit dem Wiederanpfiff den Turbo und erzielten auch gleich nach 7 Sekunden ein Tor. Das aber wurde nicht gegeben, weil offenbar die Hallenuhr nicht  funktionierte. THW-Coach Gislason explodierte förmlich. Zu dessen Verdruss sorgte dann kurz darauf MT Rechtsaußen Sellin mit einem Tor aus ungewohnter Rückraumposition für den 13:13 Ausgleich. Das war der Auftakt zur erfolgreichsten Phase des Linkshänders, der in der Folge mit zwei weiteren Treffern die MT aussichtsreich im Rennen hielt und als Zugabe in der 37. Minute sogar die 18:17 Führung erzielte.

Der offene Schlagabtausch setzte sich noch bis zum 20:20-Ausgleich durch Michael Müller fort (40.). Kurz darauf aber entspann sich ein rund zehnminütiger Abschnitt, der für den Ausgang des Spiels entscheidend werden sollte. Vujin hatte per Strafwurf auf 21: 20 gestellt, als der folgende Angriff der MT durch ein Foul von Wiencek gestoppt wurde. Der Kieler Kreisläufer musste auf die Bank, der Weg für die MT mindestens zum Ausgleich schien geebnet. Stattdessen aber eröffnete der eben noch erfolgreiche Torschütze der MT mit einem Fehlpass Kiels Ekberg eine Tempogegenstoßgelegenheit. Die dieser natürlich dankbar trotz Unterzahl zum 22:20 nutzte. Gespielt waren da ziemlich genau 41 Minuten.

Nur zehn Sekunden später gab es die nächste Hinausstellung für Kiel, diesmal traf es Jicha. Nun also doppelte Überzahl für die MT, das musste einfach Zählbares bringen. Zunächst aber scheiterte Sellin beim fälligen Siebenmeter an Palicka. Dann nahm Gislason ein Team Timeout. Kiels anschließenden Angriff vereitelte Sandström, der inzwischen für Appelgren den Platz zwischen den Pfosten eingenommen hatte. Melsungens Angriff indes beendete Stenbäcken mit einem Ballverlust.

Dann folgte die kurioseste Szene des Spiels: Der Ball geht ins Seitenaus, wird kurz hinter der Werbebande von einem Zuschauer gefangen. Allendorf beugt sich über die Bande und bittet um Herausgabe, der Zuschauer streckt Allendorf den Ball auch entgegen, hält ihn aber fest, als dieser ihn nehmen will. Es entspinnt sich ein ganz kurzes Hin- und Herziehen, welches die Schiedsrichter mit einer Zweiminutenstrafe gegen Allendorf beenden. In der Unterzahl dann kassierte die MT durch Zeitz das 20:23 (44.); Melsungens Antwort gab postwendend Philipp Müller mit seinem dritten Treffer.

Noch deutlicher und definitiv spielentscheidend ins Hintertreffen geriet die MT durch einen Kieler Dreierschlag, der sich in nur 95 Sekunden abspielte: Unmittelbar hintereinander brachten Zeitz, Ekberg und Jicha den THW mit 26:21 in Front. Von da an waren nur noch zehn Minuten zu spielen. Der MT zerrann das Spiel förmlich zwischen den Fingern. Michael Roth nahm eine Auszeit, es wurde noch einmal der Kampfgeist beschworen. Das machte sich auch verstärkt bemerkbar, wie die Tatsache belegt, dass die MT die verbleibende Spielzeit mit 8:6 zu ihren Gunsten entschied. Aber der zuvor erlittene Blackout erwies sich als nicht mehr kompensierbar.

Das Fazit aus MT-Sicht: Gegen eine keineswegs sattelfeste Zebraherde wäre an diesem Abend mehr drin gewesen. Durch die hohe Fehlerquote in besagtem Zeitfenster aber hat sich die MT selbst um den möglichen Lohn ihrer ansonsten hervorragenden taktischen Leistung gebracht. Zudem kann sie auf die engagierte Abwehrarbeit aufbauen, mit der sie den Rekordmeister vor allem in der ersten Hälfte kaum zur Entfaltung kommen ließ. (Bernd Kaiser)

Statistik:

THW: Sjöstrand (1.-35., 59.-60., 8 Paraden), Palicka (35.-59. und bei zwei Siebenmetern, 6/2 Paraden) – Toft Hansen (3), Sigurdsson (5), Sprenger (2), Wiencek (2), Ekberg (4/1), Lauge (2), Zeitz (3), Jallouz, Palmarsson (n.e.), Klein (n.e.), Jicha (2), Vujin (9/2); Trainer: Gislason .

MT: Appelgren (1.-40. und bei zwei Siebenmetern, 8 Paraden), Sandström (40.-60., 4 Paraden)  – Stenbäcken, Mansson, Sellin (8/2), Kubes, Fahlgren (2), Schröder (3), Hildebrand, Danner (2), P. Müller (5), Zufelde, Allendorf (7/3), M. Müller (2). Trainer: Michael Roth.

Schiedsrichter: Lars Geipel (Landsberg) / Marcus Helbig (Steuden)

Siebenmeter: 3/4 – 5/7 (Vujin trifft nur die Latte, 47. Min. – Allendorf scheitert an Palicka, 26. Min.; Sellin scheitert an Palicka, 42.)

Zeitstrafen: 6 – 6 (Wiencek, Zeitz, Jallouz, 2x Jicha, Gislason – Stenbäcken, Mansson, Kubes, Schröder, Allendorf, M. Müller).

Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) Sparkassen Arena Kiel

Spielfilm: 0:1 (1.), 1:1 (2.), 2:1 (4.), 2:2 (6.), 3:2 (8.), 3:4 (10.), 5:4 (12.), 5:5 (13.), 6:5 (15.), 6:6 (16.), 7:6 (17.), 7:7 (19.), 9:7 (21.), 10:8 (22.), 10:9 (23.), 11:10 (24.), 11:10 (27.), 11:11 (28.), 12:12 (29.), 13:12 (HZ), 13:13 (32.), 14:14 (33.), 15:15 (34.), 15:17 (35.), 17:17 (36.), 17:18 (37.), 19:18 (39.), 20:19 (40.), 21:20 (41.), 22:20 (42.), 23:20 (44.), 23:21 (48.), 26:21 (50.), 27:23 (52.), 29:24 (54.), 29:26 (56.), 30:27 (57.), 31:28 (58.), 31:29 (59.), 32:29 (EN).



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