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Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis | 12. Jahrgang | redaktion@seknews.de | www.seknews.de | täglich neu | Preis: 0,00 Euro

Erster Grüner Talk im Hof mit Cem Özdemir

SONY DSCFritzlar. Der demographische Wandel im ländlichen Raum des Schwalm-Eder-Kreises bringt gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und die Perspektiven von Kleinbetrieben, Handwerkern, Freiberuflern und Dienstleistern mit sich. Die Grünen Schwalm-Eder stellen sich den Herausforderungen und suchen im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Grüner Talk im Hof“ nach Lösungen. In lockeren Talk-Runden werden brennende Themen für die Zukunft des Ländlichen Raumes mit Akteuren und Experten diskutiert. Diesmal hieß es „Kleinbetriebe, Freiberufler, Handwerker und Dienstleister auf dem Land – aufgeben oder Grün durchstarten?“. „Das große Interesse der Besucherinnen und Besucher zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen“, so Dr. Bettina Hoffmann als Initiatorin. Die hochkarätig besetzte Talkrunde wurde von der freien Journalistin Maike Brathge moderiert.

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, erläuterte eindrücklich wie wichtig die Standortfaktoren Breitbandversorgung, Öffentlicher Nahverkehr, Bildungsinfrastruktur, Nahversorgungs- und Freizeitangebote gerade für ländliche Gebiete sind. Sie entscheiden über die Attraktivität einer Region für ansässige Betriebe, potenzielle Investoren, Existenzgründer und Fachkräfte. „Wir brauchen gute Infrastruktur in der Fläche und nicht nur wenige Großprojekte wie Stuttgart 21, die auf Jahre die finanziellen Mittel binden. Würde die Bahn auf das Prestigeprojekt verzichten, könnten alle Bahnhöfe in Deutschland vernünftig ausgestattet und barrierefrei für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer werden“, zeigte der Baden-Württemberger auf.

Martin Häusling, Mitglied des Europaparlamentes für Bündnis 90/Die Grünen forderte, dass die Fördermittel der EU für die Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum und die Diversifizierung der Wirtschaft genutzt werden. Start-up Unternehmen sollten gefördert und Betriebsnachfolgen in Handwerk und Landwirtschaft begleitet werden.

Viele Menschen und gerade jüngere finden die Arbeits- und Lebensbedingungen auf dem Land nicht gerade rosig. Melanie Höse (21 Jahre), Vorsitzende des Bezirksjugendausschusses Kassel der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie lebt gerne hier im Kreis. Sie hält neben guten Ausbildungsplätzen für alle Jugendlichen, nicht nur für die „high-potentials“, vor allem die Lebensperspektive für entscheidend. „Übernahme nach der Ausbildung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis , Weiterbildungs-und Aufstiegschancen bieten eine gute Basis, um hier zu bleiben“, meinte sie.

Dr. Gerold Kreuter, Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg, ergänzte die Bedeutung vielfältiger Wirtschaftstrukturen und Beschäftigungsverhältnisse für die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raumes.

Zunehmend finden Firmen keine Fachkräfte und Jugendliche wandern ab. Firmen werben heute mit kreativen Ideen wie Job-speed-dating, Ausbildungsbörsen, Messen, Unternehmerzusammenschlüssen oder wie die Arbeitsagentur sogar mit Filmen auf youtube, um Jugendliche anzusprechen, berichtete Uwe Kemper, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Korbach.

Für Viele hört sich das toll an: eigene Firma, kein Chef, immer selber entscheiden, freie Zeiteinteilung. Auf der anderen Seite steht die Realität: selbst und ständig im Einsatz. Selbstständige in Dienstleistung und Handwerker sind unter enormem Druck. Sie übernehmen viel Verantwortung für ihre fachliche Arbeit, die Ausbildung und Beschäftigung ihrer Mitarbeiter. Am Ende stehen sie oft ohne eigene Absicherung da. Nachfolger fehlen, Betriebsübergabe ist schwierig. „Dafür müssen Lösungen her!“, forderte Dr. Bettina Hoffmann (Grüne Vorstandsprecherin).

„Das Wissenschaftsjahr 2013 steht unter dem Motto ‚Die demographische Chance‘ − nutzen wir diese!“, fasste Dr. Bettina Hoffmann zusammen. (red)

 



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